Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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(Aus dem Georg Hirth-Schrein)

Ludwig von Zumbusch (München)

lind Cotlji fühlt, wie sie fallen.

»Was tust Du, Fred,,? — Fredy! Fredy! —"
brüllt er und springt auf.

„Gleitflug, Lothi! — Wir kehren im Gleit-
flnge zur Erde zurück, Lothi!" lacht Fredy.

„Fredy, irf) befehle Dir,-1"

„Kusch, dummer Kerl!" tönt es zurück.

Lothi gerinnt das Blut in den Adern. Er
steigt mit schlotternden Beinen auf den Passagiersitz
und krallt sich an den Drahtseilen der Trag-
flächen fest.

„Lola, Lola, verfluchte Bestie, das verdanke
ich Dir!" entfährt es ihm keuchend. Und in
Todesangst plappert er das Vaterunser herunter
und weint und heult wie ein erbärmlicher, elender
Feigling.

Tiefer und tiefer, wie ein Pfeil, senkt sich der
Aeroplan dem wallenden Abgrunde entgegen.

Unaufhaltsam, unabänderlich ist das Ende.

Fredy ist in s Meer gesprungen. Lothi hört
nod, das Aufklatschen seines Körpers auf die Flut.

Dann fühlt er sich mit dem schweren Apparate
in die Tiefe gezogen. Zur reä,ten Zeit nod, lagt

er das Drahtseil los, und langsam taudst er aus
den Wellen auf.

Unweit sieht er Fredy rüdrlings auf dem Wasser
liegen und sid, gemächlich entkleiden, so gemächlich
es eben gehen kann. Kaum zehn Meter ist Fredy
von ihm entfernt.

Wie ein Haifisd, will er sid, dem hinterlistigen
Fredy nähern, um ihm die Gurgel zu zerbeißen,
ehe sie versinken.

Dod, der halbnackte Fredy schwimmt lautlos
davon. Und läßt seinen vor Zorn und verzweifelter
Wut aufheulenden Verfolger bald weit hinter sid,. —
Ludwig Ritter v. Zumbusch: Eva
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