Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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Der Herr profeffor

Ist der Herr Schuldirektor ein Pe-
dant und der Herr Lehrer ein Mann
niit Zielbewußtsein und Idealen, dann
ist der Herr Gymnasinlprofessor ein
Äentleman.

Ein Gentleman, ein Weltmann, ein
moderner Mann, jawohl!

Und hält sich der Herr Schuldirektor
noch bei Klopstock und der Herr Lehrer
noch bei Schiller auf, dann ist der
Herr Professor schon längst bei Maeter-
linck und Stefan George angelangt.

Auch in der Schule vertritt er die
„neue Richtung": das heißt, er behan-
delt die Schüler nicht als Schüler, son-
dern als Freunde, was freilich häufige
Kündigungen der Freundschaft durch
die Schüler zur Folge hat.

Der Herr Professor ist ein schöner
Mann: er hat dunkles Haar, schwer-
mütige Augen, gepflegte Hände und den
Schritt eines Denkers und Träumers.

Da er noch unverheiratet ist, wird
er von den Müttern, die ledige Töchter haben,
sehr verhätschelt.

Er weiß sehr wohl, daß er Eindruck macht,
ist aber zu vornehm, um das auszunützen.

Er fetzt eine angemessene Distanz zwischen sich
und die, die ihn verehren.

Geschützt durch diese Distanz, nimmt er die
Huldigungen freilich gern und dankend an.

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Päljer Duwak

„Waas 7 Ehr zwec wollt uswanncee? — Der Rolumbes
wann des gewtßd hawwe däd, hädd'r liewwer sei peif beim
Robb geraacht als Amerika uffgefunne."

Welches Mädchen ist es, das er bevorzugt?

Diese Frage hält die ganze Stadt in Spannung.

Es wurde jüngst viel bemerkt, daß er Fräulein
Mizzi Paul, der Tochter des Obersteuereinnehmers,
die Hand geküßt hat, aber es ist anderseits auch
nicht unbekannt geblieben, daß er sich über das
Haar des Fräuleins Emmy Kaulfuchs sehr lobend
geäußert hat.

Welche wird nun die Auserwählte
sein?

Kein Mensch weiß es und er, der
es wissen muß, hüllt sich in Schweigen.

Aber vielleicht zögert er nur aus
Klugheit. Denn wer wird ihn noch
umwerben, wenn er einmal eine be-
stimmte Wahl getroffen hat?

Höchstens seine Frau.

Da diese jedoch alljährlich ein Kind
bekommen wird, wird der Reiz dieser
Werbung allmählich verblassen.

Der Herr Professor wird dann aurl)
seine Hände nicht mehr so pflegen,
sein Haar wird grau werden und sein
Gang mehr dem eines Lasttieres als
dem eines Träumers gleichen.

And auch mit Klopstock und Friedrich
v. Schiller wird er seinen Frieden machen.

Und wenn man am Stanimtisch über
die Verrücktheiten der Modernen her-
ziehe» wird, wird er wehmütig den
Kopf wiegen, lächeln und sagen:

„Ach ja — die Jugend!"

Erlauschtes

„Du, Ella!" sagt die eine der gebildeten
jungen Damen zur andern, „wie heißt doch
eigentlich dieses Vorrecht, das die Adeligen früher
hatten — im Figaro ist auch davon die Rede —
wenn einer ihrer Untergebenen heiratete — so
ein lateinischer Name."

„<D, ich weiß!" ruft Ella: „Jux primae noctis.“

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