Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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R. Rost

„Mit -er schlechten Linschänkerei wir-'s nöt eher
besser, als bis ,na z' Minka a königlich bayrische Schenk-
kellner-Aka-enrie hab'n!"

Oer patentierte Rosenknopfkaffee

Sparen heißt die Losung heute, sparen
mußt Du, Freund, selbst Deinen Geist,
weil Du ja nicht weiht:

hält er sonst sich mit den Jahren?

— Wer wohl leistet sich in diesen teueren Zeiten noch

ein Züngerl?

Ob der Gaumen noch so sehr ihm danach schleckt?

Selbst der Millionär trinkt deutschen Sekt
(oder höchstens Springerl.) —

Was macht man nicht alles aus Papierab-
fällen (um zu sparen): Kleider, Häuser, Medizin,

(und vom Abspülwasser wird man nächstens Bier ab-
zieh'n . . . .)

Keine Kraft geht in der Welt der Industrie verloren,
und Verschwendung ist nur Schein.

Ja, man wird schon ganz von selbst geboren,
siehe Döderlein.

— Aber jetzt packt mich ein Nervenchok, ah,

Uber diesen allerneu'sien Trick des findigsten

Erfinderkopfcs:

Mokka fabriziert man, schönsten Mokka

aus den Überresten meines Hosenknopfes I

Bliemchenkaffee Hab' ich nie gemocht:

ein Schluck dieses Mokkas wird für mich zum Fest.

(Nur ist mir nicht klar, ob man die Hosenknöpfe kocht
Und wie lange man sie ziehen läßt?)

Immer billiger geht sich's durch die Welt hin,

Schwabing schwört der Art von Kaffee Treue bis ins Grab.
Wenn (mit Kaffeedurst) ich eines Tages ohne Geld bin,
schneid ich mir die Hosenknöpfe ab ... .

Jucundus Fröhlich
Jucundus Fröhlich: Hosenknopfkaffee
Richard Rost: Hohe Schule
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