Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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Oer wahre Grund

Infolge der Verurteilung ihrer demolierlustigen
Führerin Pankhurst zu mehrjährigem Zuchthaus
haben die Suffragetten 13 der schönsten Gemälde der
Manchester Kunstgalerte mit Hammer-
schlägen bearbeitet, darunter die „Hcro" und
„Andromache" von Lord Leighton und die „Liebe"
von Watts.

%m sicht man cs endlich Klipp nnd Klar,
Warum ihr so tobt und streitet,

Wartini euch jedes nette Jahr
Ein ärgerer Teufel reitet!

An den leuchtenden Werken der Schönheit jetzt
Eure feigen Bandalinnentaten,

Die haben ins richtige Licht euch gesetzt,

Die haben euch gründlich verraten!

Nur weil euch traurige Hexen quält
Der Häßlichkeit nagender Jammer,

Nur darum habt ihr euch wütend erwählt
Die „Philosophie mit dem Hanimer"!

Nur darum schlugt ihr nun wild drauf los
Auf der Kllnst amöne Gestalten,

Weil, was euch selber fehlt, so famos
Die liebenden Meister malten!

Doch lohnt sich euch nicht der mörd'rische Geist,
Denn man wird nur die Einsicht gewinnen:
So greulich ihr schon von außen euch weist,
Noch abscheulicher seid ihr von innen.

Sassafrass

*

Der Jubrläumsraler

„Was stellt denn der neue Taler vor,
Dessen Anblick so herzbezwingend?"

„Ich sage es Dir ganz leise ins Ohr:
Spatz, einen Bandwurm verschlingend!"

Karl dien



Ausrottungs-Gesellschaft „Balkan"

G. m. b. H.

Hochverehrlichen Herren Monarchen und ver-
ehelichen Republiken empfiehlt
sich die Ausrottungs-Gesellschaft
„Balkan" zur restlosen Vertil-
gung unbequemer Völkerschaf-
ten. Radikale Arbeit wird ga-
rantiert. Sichere kulturfreie
Methoden, durch keinerlei sen-
timentale Rücksichten auf Mensch-
lichkeit oder Völkerrecht beein-
trächtigt.

Me Gesellschaft erledigt auch
Zwangs - Maffenbekehrun-
gcn zu jedem beliebigen allein-
seligmachenden Glauben prompt
und gründlich.

Die „A. ft. G. B.“ arbeitet mit
den neuesten Apparaten der Firma
Schneider in Lreuzot u. A.

Unsere Devise ist „Eins —
zwei — drei — schwupp, weg
damit". Honorar je nach der
Kopfzahl des auszurottenden
Bolksstammes. Weiber und
wehrlose Greise billiger.

Glänzende Referenzen, beson-
ders in Petersburg, bestätigen
die prompte Erledigung umfang-
reicher Aufträge.

Man wende sich vertrauens-
voll an die A. ft. G. B.!

Postkarte genügt!

Das Honorar wird pränume-
rsnäc» bezahlt.

Der Aufsichtsrat
der A. ft. G. B.

Rikola. Peter.



//


A. Schmidhammer

König Nikita

liest sich den Buckel ein ölen, damit die Grotz-
»cächtc besser herunterrutschen können.

Lu Leidmann; Mkivoilage Lläaover

Der lange Theo zog heftig vom Leder:
„Der Schwächling kommt immer unter

die Räder!

Db Helm nun, oder Zylinderhut,

Rur Stark und Stark verträgt sich gut!

Ich wiederhole, Zhr Volksvertreter:

Der Schwächling kommt immer unter

die Räder!"

So spann der lange Theo sein Zädchen.

— Zm Kreise saßen die Diplomätchen,

Sie sahen sich an mit erstaunten Gebärden:
„Der Theo scheint anzüglich

zu werden!..."

Karlclicn

Talent K- Arnold

„Mein P„pa meint, ich soll Diplomat werden — ich sei der geborene lackierte Europäer!"

Der schwarze Kujust über die Wehrkraft

Bayrische Zentrumsblättcr nahmen aus kon-
fessionellen Gründen Stellung gegen die Wchr-
kraftbewegung, besonders aber gegen Wehrkraft-
vereine der Arbeiterjugend.

Weh, schon wieder muß ich etwas sehen,

Was das Herz im Leibe mir empört!

Nämlich, diese Wehrkraft seh' ich gehen
Einen Weg, der wo sich nicht gehört!

Weh, nur vaterländische Gesönnung
Und nur Körperübung ist sein Ziel,

Aber von konfessioneller Trönnung
Hört man nichts bei diesem Wehrkraftspiel!

Fa, mit Protestanten, Juden, Heiden
Sind hier Katholiken im Verein,

Statt daß sic sich giftgeschwollen scheiden
Und einander in das Antlitz spei'n!

Weiß man, was für Folgen sich ergeben
Alis solch einem freventlichen Brauch?

Weh: die Kerle werden friedlich leben
Mit einander einst als Männer auch!

Wie soll nian dann Seelen kochen lassen?

Wie ein Katholikentagprogramm
Arrangiern mit Messen und mit Massen,

— Wenn sie keine Wut mehr auf sich ham?

Nein, aus unsrer Fugend nmß verschwinden
Diese zahme Wehrkraft auf der Stell'!

Und natürlich muß nian sofort gründen
Eine neue, — doch konfessionell!

A. I». I.

Zeitgemäße prüfungsfragen

An einem Berliner Realgymnasium wurde den
Primanern beim Abiturientenexamen u. a. das
interessante Aufsatzthema gestellt: Gedanke n
eines Millionärs beim Tode seines Kin-
des. Das bedeutet in Bezug auf die Annäher-
ung an das praktische Leben und seine Anforder-
ungen einen unleugbaren Fortschritt. Immerhin
sollten es Prüfungskommissi-
onen bei solchen Anfängen nicht
bewenden lassen und immer re-
soluter hineingreifen ins volle
Menschenleben. Fch nenne probe-
weise einige Themata von prik-
kelndem Reiz:

1. Schilderung der Verzweif-
lung eines konserv. Millionärs
bei der Eröffnung, daß Millionen-
vermögen nicht mit 2, sondern
bloß mit */»"/„ zur Heeres-
milliarde herangezogen wer-
den sollen.

2. Gefühle eines pensionierten
Majors beim Avancement eines
Zebu-Major zun: Zebu-General-
leutnant.

3. Gedanken und Erinnerungen
Bethmann Hollwegs bei der Lek-
türe der „Gedanken und Er-
innerungen" Bismarcks.

Derartige Themata müssen je-
der Prüfungskommission will-
kommen sei»; nur von einem
befürchte ich, daß es unter keinen
Umständen zugelassen werden
dürfte, nämlich: Gedanken
eines Oberprimaners über
die Prüfungskommission
beim Abiturientenexamen.

KIT ISss
[nicht signierter Beitrag]: Ausrottungs-Gesellschaft "Balkan" GmbH
Sassafrass: Der wahre Grund
Arpad Schmidhammer: König Nikita
A. D. N.: Der schwarze Aujust über die Wehrkraft
Eff Ess: Zeitgemäße Prüfungsfragen
Karl Arnold: Talent
Karlchen: Zu Bethmanns Wehrvorlage-Plaidoyer
Karlchen: Der Jubiläumstaler
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