Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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In Mecklenburg - Schwerin gibt es einen Dornanicilkapitalfonds von 75 Millionen Mark, besten Zinsen zum größten Teil für Landeszwecke und
zum kleineren Teil für den Großherzog verwendet werden. Vor einigen Jahren erklärte das Ministerium bei Vorlage des Verfastungsentwurfs diesen
Fonds für das Eigentum des Großherzogs, weil keine Verpflichtung bestehe, die Zinsen für Landeszwecke zu verwenden. Jetzt erklärt das Ministerium,
daß von diesem Fonds kein Wehrbeitrag gezahlt werden würde, weil seine Zinsen für Landeszwecke verwendet würden.

Es prangt in duftenden Blüten zwei Stunden nur von Berlin
Das Land der Obotriten, heißt Mecklenburg-Schwerin.

Dort glänzte ein domanialer und Kapitaler Fonds,

Drin lag manch silberner Taler. Und mancher Ritter schmunzelte: Kon!

Manch bäuerlicher Philister, der fand an den: Fonds Geschniack,

Da rief gar Kühn der Minister: Bauer, die Hand vom Sack!

Der Fonds — daß Du s nur wissest — gehört Serenissinio,

Dll aber empfängst submissest Almosen daralis, wie, wann lind wo.

Und als gar reiche Gabe heischte das Reich fürs Heer
Und jeder von seiner Habe steuern mußte gar schwer,

Da Kam der Bauer zum Saale des Allerdurchlauchtigsten Herrn:

Aus Deinem Fonds nun bezahle Beiträge viel und reichlich und gern!

Da sprach mit zornigem Beben der Herr Minister das Wort:

Hier wird Kein Pfennig gegeben; Bauer, schere Dich fort!

Mache Dich dünn, sonst boxe ich Dich niit Kräftiger Hand.

Der Fonds, — das sieht jeder Ochse— gehört dem mecklenburgischen Land!

Da stand der dumme Wandrer mit offenem Munde da:

Das versteh' ein andrer, was mit der Pinke geschah.

O Herr, bei meinem Leben, ihr redet auf einmal so?

Ihr sagtet mir doch soeben, der Fonds gehört Serenissimo!

Da sagte der Herr Minister gar mild und gütig und brav:

Gott, so ein Bauer, was ist er doch für ein dummes Schaf!

Mein Sohn, ich wünsch' Dir nichts Böses! Ach, wärst Du nur etwas schlauer!
Der zweite Fall, herrjeses, ja das ist ganz was andres, Bauer!

Frido

Liebe ^sugenci!

In einer Provinzialhauptstadt begeht der Rek-
torenverein das Jubiläum seines langjährigen
Vorsitzenden durch Veranstaltung eines Kommerses,
an dem auch die Damen auf den Galerien des
Saales teilnehmcn. In begeisterten Worten preist
der Festredner die Verdienste des Jubilars und
gebraucht dabei mehrmals den Ausdruck, daß er
in Wahrheit der „Spiritus rector" des Vereins ge-
wesen sei. Schon während der Rede zeigt die
Gattin des Gefeierten eine große Unruhe, als
er aber geschloffen hat, kann sie ihre Entrüstung
nicht mehr unterdrücken und dieselbe macht sich
in folgenden Worten, die sie an ihre Nachbarin

richtet, Luft: „Ich muß ja zugeben, daß mein
Mann ab und zu ganz gern mal einen kleinen
Schnaps trinkt, aber daß man ihn deswegen als
den Spiritus-Rektor bezeichnet, und noch dazu
hier bei seiner Jubiläumsfeier, das ist doch ent-
schieden zu stark!"

Der Ganef

Einmal mietete ich mir in der Taborstraße bei
einer gewissen Frau Teitelbaum ein möbliertes
Zimmer. Küchengeruch mit inbegriffen. In der
ersten Nacht gelang es mir, 23 Stück echte Leo-
poldstädter Bettwanzen zu erlegen, die ich, auf

meine Krawattennadel gespießt, an: Morgen Frau
Teitelbaum präsentierte.

„Gott!" kreischte sie, „was sagt man zu so an
grauslichen Menschen, mir werd in anem übel!"

Ani andern Tag hatte ich es auf weitere
25 Stück gebracht.

An, dritten verließ ich Frau Teitelbaum, nach-
dem ich ihr vorher noch in einem Schächtclchen die
Jagdbeute der verflossenen Nacht überreicht hatte.

Als die Mischpoche mittags nach mir fragte,
war ich für Frau Teitelbaum abgetan.

„Nu?!" sagte sie, „ich bin froh, daß er weg
ist, was mir der Mensch Ungeziefer daherge-
bracht hätt'!" Heinz Scliarpf

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Uci etwaigen Bestollunueu IjlLtoL man aut' die Miinoliner „JlJüIiM ü“ Uezue zu nolnuon.

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[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Frido: Der dumme Bauer
Heinz Scharpf: Der Ganef
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