Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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Die armen Dacbkommen

A. Schmidhammer

I$J3 hatten ste's leichter. Die zogen lediglich in die Schlacht, wir dagegen werden
jeden Tag mit einem neuen „Ja hrhun dertfe stsp ie l" hcimgesuchtl

Liebe Jugend!

Meine Wirtin, eine Lehrerstochter vom Lande, jedes Einziehen der übrigen Mieter miterleben
hat, um sich eine Existenz zu schaffen, in der Groß- können, kjeute Mittag kommt nun meine Wirtin

siadt eine Pension gegründet. Ich, als Studierende, freudestrahlend zu mir und berichtet mir, daß sie

war ihre erste Mieterin und so Hab ich denn nun auch das letzte Zimmer vermietet habe und

zwar an einen „hochanständigen" ruhigen Ijerrn,
der habe sogar von selbst gefragt, ob das Zimmer
denn auch „sturmfrei" sei. Ich war im ersten
Augenblick etwas verdutzt, dann fragte ich die
Wirtin, was sie denn unter „sturmfrei" verstehe.
Darauf gibt sie mir zur Antwort: „Ja ein sturm-
freies Zimmer ist doch eins, in das keine Damen
stürmen dürfen!" ^

Zu einem Strumpfwarenhändler in einer säch-
sischen Stadt kam ein Herr und wollte für seine
großen Hände gewirkte Handschuhe kaufen. Der
Verkäufer legt ihm das Gewünschte vor, immer
eine Nummer größer wie die andere. Als aber
die allergrößte noch zu klein war, sagt der Ver-
käufer: „heern Se, das gehd Se nich mehr; nu
miss' mer bei den Schtrimben ahnfangen."

Linie und Garde

Lin Leutnant der Linieninfanterie sitzt in
einem schlechtgeheizten Eisenbahnabteil einem ihm
bekannten Rittmeister der Gardekavallerio gegen-
über. Im Laufe der Unterhaltung äußert der
schmächtige Infanterieleutnant: „Ich friere wie
ein Schneider."

Worauf sein Kamerad von der Garde, ein
Riese von Gestalt, prompt erwidert: „Und ich
wie ein Gentleman."

*

Notwehr

Ich besuche ein kleines Provinztheater. Zu
meiner Verwunderung werden gleich nach Beginn
der Vorstellung in der ersten Sitzreihe mehrere
Schirme aufgespannt.

„Regnet's denn hier durch?" frage ich meinen
Nachbar beunruhigt.

„I wo," beschwichtigt mich der Nachbar, „das
ist bloß wegen dem Liebhaber — der sprudelt so
weit, wenn er leidenschaftlich wird!"
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[nicht signierter Beitrag]: Linie und Garde
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Arpad Schmidhammer: Die armen Nachkommen
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