Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

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Nach der Schlacht zu Köln f* Heubner

„Ein Sittlichkeitsapostel hat mir gesagt: es sei unrecht von uns gewesen, die Scheidewand niederzustürmen, Gucklöcher wären viel Pikanter!"

Die Männer von Röln

Laßt in den Teppich der Weltgeschichte uns diese Ballade verweben:

Die edlen Männer von Köln können ohne ihre Frauen nicht

fünf Sekunden leben.

So gab es auch in Köln ein paritätisches Familienbad,

Wo man sie zärtlich und zu zwei'n und zwar verheiratet angetroffen hat.
Da sprach die sittliche Klerisei: im Grunde ist auch der Ehe nicht zu traun!
Man baue zwischen Mann und Weib beim Baden einen Zaun!

— Und las nian ehedem: Familienbad! (in roten Lettern) gern,

Heißt's jetzt: Bitte, links die Damen! und: Bitte, rechts die Herrn!

Diese tückischen Maßnahmen (und mit Recht) die streitbaren Männer

von Köln empörten,

Und als sie nebenan, hinterm Zaun, das Planschen ihrer Ehehälften hörten —
Da sprangen sie wie edle Ritter im Turnier gegen die hölzerne Wand
Und haben dieselbe sowie die Badediener über den Haufen gerannt.
Entzückt lagen Mann und Weib sich wiedervereinigt an der Brust,
Sanft (aber stolz) flöteten die Frauen: Wir-Habens ja gewußt!

Bis in alle Ewigkeit aber wird man in deutschen Gauen sich die Historie vertell'n
Bon den Weibern zu Weinsberg — und den Männern zu Köln.

Jiicundns Fröhlich

*

Das goldene Prag

Das hunderttürmige goldne Prag
Hat jetzt enorme Sorgen:

Es hat Millionen ausgeborgt
Und muß stets neue borgen.

Es schuldet hier, es schuldet dort
Zweihundert Millionen
Und dreißig Millionen nur
Vereinnahmt es in Kronen.

Man kommt bei dieser Schuldenlast
Zu ganz fatalen Schlüssen:

Am Ende wird das goldne Prag
Man noch versilbern müssen!

M-y

*

Institut für künstlichen Urlaub

Bei 32 Grad Regen im Schatten auf
Urlaub zu gehen, ist kein Vergnügen.
Und es ist seit der Gründung unseres
Institutes auch ganz überflüssig.

Dank unseren Präparaten und Me-
thoden braucht der Beamte, der mit allen
Zeichen eines erfolgreich verbrachten Ur-
laubes ins Büro zurückzukehren wünfcht,

„Und nicht wahr, liebe Nachbarn, nun sind wir doch wieder die
alten Freunde und Bundesgenossen

sich nicht mehr den Unbilden der Som-
merfrische auszusetzen. Er kann in seinem
Stammcafe ein friedliches, nur durch
den Besuch seines Stammbeisels unter-
brochenes Dasein führen. Er kann sich
durch Tarok, Schach, Karambole, Skat
und ähnliche Genüsse in einen Zustand
jenseits von Schmerz und Langweile
versetzen, der nach Schopenhauer und
mir dem Begriff „Glück" bis auf die
zehnte Dezimale nahekommt.

Um schließlich das für einen Urlauber
vorgeschriebene Aussehen eines Freiluft-
menschen zu erlangen, braucht der Be-
treffende nur am Tage vor dem Wieder-
beginn seines Dienstes unser Institut
zu besuchen. Man erhält bei uns zu
mäßigen Preisen garantiert echten und
haltbaren Lido- und Grado-Teint aller
Grade vom sanften Rembrandtbraun
bis zum Abgehen der Haut in Fetzen.
Wir führen ferner Sommersprossen in
drei natürlichen Größen. Für Sonder-
linge, denen das noch nicht genügt, ist
ein Arzt da, der ihnen mit einem Bistouri
einen täuschend ähnlichen Sonnenstich
beibringt. Prospekte gratis. Schreiben
Sie noch heute an

Schnldibumpfel
Schnidibumpfel: Institut für künstlichen Urlaub
Friedrich (Fritz) Heubner: Nach der Schlacht zu Köln
M-y: Das goldene Prag
Max Hagen: Friede am Balkan
Jucundus Fröhlich: Die Männer von Köln
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