Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

Page: 1073
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jugend1913_2/0256
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Georg Pfeil (München)

Schwär;

„Arin in Arm mit Dir fordere ich

Mtrarnontanisrnus und moderner Staat

Nein, wie reizend sie das geben, diese lieben schwarzen Bengel!

Vorne stets in Wölben schweben sie als lilienweiße Engel,

Vorne sind sie stets die Edeln, die verfolgte Unschuld ganz,

— Aber hinten sieht man wedeln aus dem Frack den Teufelschwanz.

Vorne bahnen sie als Christen nur der „Freiheit eine Gasse",

Daß, wie Mon- und Anarchisten, man sie einfach leben lasse . . .

— Hinten, wenn sie einen Kriegen ohne Evangelium,

Drehn sie jedem mit Vergnügen frei und gleich den Kragen um.

Vorne sind sie die devoten Ehrfurchtstelegrammversender,

Thronesstützen, Patrioten, Staatserhalter, Not-Abwender —

Hinten heißt es, wer der Kirche nicht pariert, fliegt ohne Gnad'!

Tanzt der Staat nicht wie wir pfeifen, pfeifen wir auch auf den Staat!

Vorne immer schlau in praxi, hinten frech wie die Hornissen!

Vorne „Pax!“, und hinten „Pack sie" — ja, die Ludersch sind zum Küssen!
Sagt doch: um die Jesuiten warum macht ihr dies Geschrei?

Gibt's noch eine unbestritten bessre Jesuiterei?

A. I>. IV.

und (Kkau

Schranken in mein Jahrhundert!"

Der pariser „Matin“

veröffentlicht eine Zuschrift zweier angeblicher französischer Touristen, die
behaupten, in M ü n ch e n von der wüst erregten Volksmenge aufs roheste
mißhandelt worden zu sein, weil sie mit einem Postkartenhändler Diffe-
renzen gehabt hätten. Wer die Münchener Volksseele kennt, weiß, daß
die Sache glatt und noch dazu dumm erlogen ist. In München wer-
den keine Fremden geprügelt — und wenn s Redakteure des „Matin"
wären! Und die verdienen's doch gewiß schon längst!

- V8 -

*

Hus dem „Denen Scbmeller“

Kirchweih: Ländliches Kirchenfest, meist in idealem Zusammen-
hang mit Körperverletzung unter mildernden Umständen. „Einladung
zur Kirchweih", eine Aufforderung, die Leute mit erregtem Gemüt in
Süddeutschland häufiger als nötig an ihre Mitmenschen richten. Rechtlich
kann niemand gezwungen werden, dieser Aufforderung nachzukommen.
Der höflichere Norddeutsche ersetzt die Einladung meistens durch die Auf-
forderung „Rutsch mir 'n Buckel lang!"
[nicht signierter Beitrag]: Aus dem "Neuen Schmeller"
-Ps- -ps - ps -: Der Pariser "Matin"
A. D. N.: Ultramontanismus und moderner Staat
Georg Pfeil: Schwarz und Blau
loading ...