Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

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Das Luxemburgische Loch

Es leidet am Revanche-Kater
Am Seinestrand so mancher Mann.

Herr Verenger (Paris), Senater,

Der leidet ganz besonders dran.

Rach Löchern sucht er ab die Grenze,

Wo Deutschland schlupft im Krieg hindurch.
Und sieh, er fand in diesem Lenze
Ein Mordsloch namens Luxemburch.

Denn also- kündet der Geniale:

Bricht über uns ein Krieg herein,

Zieht Deutschland einfach durchs neutrale
Grobherzogtum in Frankreich ein. —

Ganz Deutschland lacht. Und spottend meint es:
Durch Luxemburg zieht keiner ein!

— Und was das Loch betrifft, so scheint es
Der Monsieur Verenger zu sein.

Kartellen

Mecler ein Verbrecken!

Eine Schreckenstat jagt die andere!t Fetzt hat
ein Kommerzienrat in der Rheinprovinz einen
Professor veranlaßt, am Grabe eines Geheimen
Kommerzienrates einige Worte zu sprechen. Der
Kommerzienrat wurde wegen Veranstaltung einer
unerlaubten Versammlung unter freiem Himmel
angeklagt, allein — es ist unglaublich, aber wahr!
— vom Schöffengericht freigesprochen!

Dank der oft beklagten Weltfremdheit der
preußischen Richter läuft nun dieser Verbrecher-
frei und fessellos in der menschlichen Gesellschaft
unrher? Und dieses Untier darf sich nicht
nur Mensch, nein, darf sich sogar
Kommerzienrat nennen! — Selbstver-
ständlich hat er seine Entsetzen erregende
Tat nicht ohne Komplizen verüben
können. Als solche sind ernriltelt:

1. Die Mitglieder des Schöffen-
gerichts, die an ihrem Grabe auch
einen Professor reden hören möchten
und die sich deshalb begraben lassen
wollen und können.

2. Der tote Geheime Kommerzien-
rat. Es ist festgestellt, daß er während
der Tat ruhig in seinen! Sarge lag,
statt, wie es die Pflicht eines Patrioten
gewesen wäre, sich im Grabe herum-
zudrehen.

3. Der Himmel. Die Versammlung
fand unter freiem Himmel statt. In
Preußen hat aber ohne die Genehmi-
gung der Behörde niemand das Recht,
frei zu sein, auch nicht der Himmel.

Frido

*

Hiobspost

In Wisconsin ist ein Gesetz in
Kraft getreten, das den Klatsch be-
straft. Als diese schreckliche Nachricht
nach Deutschland kam, sagte ein Par-
lamentarier scherzend zu seinem Spezl :

„Sei froh, daß Du net a Amerikaner
bist, lieber großer Matthias Erzberger!"

C. Fr.

*

Liebe Isugencl!

Ich ging mit Artur Nissler ins
Laf6. Der Kellner erbleichte, lief und
brachte einen Stoß Zeitungen, die er
vor Artur auf drei Stühlen aufschichtete.

Artur las darin von sieben bis eins.

Dann erhob er sich unwirsch und
brummte: „Gehn ma, heut steht wieder
gar nix drin'."

Heinz Scharpf

Theo Waidenschlager

Soziale Betrachtungen

„Dös Oktoberfest Föntta mir Münch na
gar nie net aufgeben, funst kemmat ja mancher
's ganze Jahr net zu fein Brathendl!"

Der Weg zum Reichtum

Nach dem Schwäbischen Schulanzeiger wurde
jüngst in einem Orte des Bezirks Augsburg eine
„Lehrer-, Organisten- und Meßnerstelle" ausge-
schrieben, die mit einem Gesamteinkommen von
710 Mark dotiert war. Natürlich ist dies nur
die erste Stufe auf der Leiter zur höchsten Macht

für den glücklichen Kandidaten. Sobald er sich
als Lehrer bewährt, erhält er dann die bedeutend
höher besoldete Stellung des Nachtwächters jenes
idyllischen Dörfchens und mit zunehmender Be-
liebtheit und Fähigkeit die eines Gemeinde-Hirten,
die außer mit einem Kuhhorn und einem Ehren-
stecken auch mit Pensionsberechtigung begabt ist.
Die dabei verbundene Gehaltserhöhung wird aller-
dings eine Vermögenszuwachssteuer für ihn be-
dingen, aber da er sich seiner Anfangsstellung
gegenüber doch sehr verbessert haben wird, läßt
sich so etwas ja ertragen. Wir gratulieren und
wünschen nur, daß der Herr Lehrer, der sicher
noch jung ist, diesen Aufstieg auch noch erlebt.

A. D. X.

*

Dichter, Schneider und Fürst

Die Presse zählt folgende Stücke aus der
jüngsten dramatischen Literatur auf: Die weiße
Weste, die gelbe Jacke, der grüne Frack, seidene
Strümpfe, die Hose, die roten Schuhe, die rote
Robe u. a. Sie weist darauf hin, daß für Garde-
robe gesorgt sei.

Nun besteht seit Hans Sachs zwar ein Zu-
sammenhang zwischen der Dicht- und Schuh-
macherkunst; aber Apollo ist noch nie ein Schneider
gewesen. Der Dichter bewegt sich vielmehr in
höherer Gesellschaft. Man vergleiche z. B. Wilden-
bruch, Kaiser Heinrich; Caillavet, de Flers
und Arene, der König; Wildenbruch, König
Heinrich; derselbe, König Laurin; Eulen-
berg, Ulrich Fürst von Waldeck; Salten,
der Graf; Schmidtbonn, der Graf von
Gleichen; Beer-Hoffmann, der Graf von
Eharolais; Wedekind, der Marquis von
K e i t h; Engel, der scharfe Junker.

Es soll der Dichter mit dem König gehen,
— in Ermanglung eines Königs aber, der nicht
alle Tage zu haben ist, mit einem Fürsten, Grafen,
Marquis oder mindestens mit einem

Junker. Frido

*

Gespräche Raiser Wilhelms II.
mit Franzosen

Die Pariser gastronomische Zeitschrift
„L’art culinaire“ bringt ihren Lesern
eine angebliche Unterhaltung Kaiser
Wihelms II. mit dem französischen
Küchenchef Escoffier auf dem „Im-
perator", in welcher der Kaiser seine
Meinung über eine französisch-deutsche
Annäherung ausgesprochen haben soll.
— Weniger bekannt ist das Gespräch
Kaiser Wilhelms mit einem französischen
Kartoffelputzer in der Küche des „Im-
perator", das ebenfalls die Verständi-
gung mit Frankreich zum Thema hatte:
Der Raiser (sinnend die Kartoffeln
betrachtend, zum Kartosfelputzer): „O —
wenn die Völker diesseits und jenseits
des Rheins nur nicht aus so vielen
dicken Kartoffelschädeln beständen!"

Der franz Rartoffelpuyer: „Das
wollte ich soeben zu Euerer Majestät
auch bemerken."

Der Raiser . „Dann gäbe es zwischen
Frankreich und Deutschland keinen Krieg
mehr, (lächelnd) dann hätten die beider-
seitigen Arnieen für die Ewigkeit —
Kartoffelferien!"

Der franz. Rartoffelpuyer (bestäti-
gend): „Und die Völker könnten fried-
lich ihre Kartoffelsuppe essen! — Aber
diese ewige knollige Rivalität!"

Der Kaiser (mit einer verbindlichen
Verbeugung): „Ich gebe zu, die fran-
zösische Kartoffel ist etwas vor-
nehmer, schon der Name — pomme
de terre!“

Der franz. Rartoffelputzer: „Die
deutsche gibt aber bessere Kar-
toffel Klöße, Majestät."

Der Raiser (ihm gerührt die Hand
drückend): „Adieu, mon brave!“

91. Br.

H. Bing

Caruso am Grammophon

„Und jetzt, meine Herrschaften, werde ich -u Gunsten der armen
Familien etwas fingen, die sich mit Carusol illetten ruiniert haben!"
Frido: Dichter, Schneider und Fürst
Heinz Scharpf: Liebe Jugend!
Karlchen: Das Luxemburgische Loch
Henry Bing: Caruso am Grammophon
C. Fr.: Hiobspost
Frido: Wieder ein Verbrechen!
A. D. N.: Der Weg zum Reichtum
M. Br.: Gespräche Kaiser Wilhelms II. mit Franzosen
Theo Waidenschlager: Soziale Betrachtungen
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