Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

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Wohin mit Zola?

Die 2,5 Meter hohe Bronzestatue Zolas
von der Künstlerhand Meuniers befindet
sich im Keller des großen Kunstpalastes in
Paris, da ihre Aufstellung an einem an-
dern Orte bisher nicht tunlich war. Man
ist sich aber darüber einig geworden, daß
dieser Aufenthaltsort für ein so bedeuten-
des Bildwerk nicht mehr angemessen ist,
weil die Kellerräume jetzt für wichtigere
Gegenstände gebraucht werden.

Die Verlegenheit der französischen Re-
gierung, den Zola unterzubringen, ist groß.
Auf den öffentlichen Straßen und Plätzen
würde er ein Verkehrshindernis werden.
Im Badezimmer der Verwaltung der schö-
nen Künste würde die Bronze von den
heißen Wasserdämpfen leiden. Man ist
deshalb übereingekommen, den Zola in der
Kolonie Cayenne aufzustellen, wo noch ge-
nügend Platz ist: man wünscht ihn deshalb
dorthin, wo bekanntlich der Pfeffer wächst.

Itliedive


Schulbeginn

Wenn die Nächte länger werden
Dann beginnt es hier zu tagen
— Nämlich unser Parlament
Der gescherten, hochgeehrten
Sozi- und Weißwurstophagen,

Das wo man die „Kammer" n.

Und sobald daß es zur Stelle.

Fängt es an. gleich zu regieren.
Gottesfürchtig, aber forsch.

Mit dem Maul und allen Bieren,
Mit der Bibel und der Schelle,

Mit dem Seraph und dem Schorsch.

Weh, da zittern vor „den Mehrern"
All die Liberal- und Roten,

Und sogar auf ihrem Stuhl
Jenen, die von den Herrn Lehrern
Jetzt erwarten ihre Noten,

Den Ministern wird es schwul.

„Habt ihr nach dem Aufgabhefte,
Nach den Katechismusfragen,

Und nur mit der schwarzen Tint'
Wahrgenommen die Geschäfte,

Die wo man euch aufgetragen?
Rede, Hertling! Du dahint'!"

O verflucht und zugebunden —
Trotzdem bei den Jesuiten
Dieser Bub erzogen war,

Hat er nicht gut abgeschnitten,
Manches wird zu faul befunden —
„Repetieren! Probejahr! —"

Bei den Ohren nimmt man jeden.
Alle ducken ihre Köpfe.

Der Herr Rektor aber spricht:

„So, nun merkt es euch, ihr Tröpfe!
Hertling, schließe ganz die Läden!
Hier ist stets noch zu viel Licht!. . ."

H. De Hora

ennt.

Landtagseröffnung in lKaxern 1

„Gelobc jei Ignatius Loyola!" — „In Ewigkeit, Amen!"

Erich Wilke

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A. De Nora: Schulbeginn
Khedive: Wohin mit Zola?
Erich Wilke: Landtagseröffnung in Bayern
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