Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

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Populärwissenschaftliches

Der berühmte Hochschulprofessor 3c. fyatte sich
bereit gefunden, vor einem Publikum, das zum
allergrößten Teil aus Arbeitern bestand, einen
Vortragszyklus über die Dieselmotoren zu halten.
Das ist natürlich für einen so gelehrten Herrn
keine kleine Sache, denn es kommt doch vor
allem darauf an, daß er auch verstanden wird;
er hatte sich darum die Angelegenheit wohl über-
legt, urid war tatsächlich auf den ersten Vortrag
mehr präpariert als auf das schwierigste Thema
vor Studenten.

Als endlich der Abend kam, begann er folgen-
dermaßen :

Er machte einen langen Querstrich über eine
große Wandtafel, dann einen senkrechten Strich
und dann krumme Linien und sagte alsdann:

„Meine Herren!

Wie Sie hier sehen, habe ich Ihnen ein ganz
gewöhnliches Coordinantensystem I}tnge5eid)net;
ich bin überzeugt, daß ich Ihnen die Sache so
am verständlichsten darstellen kann. Die beiden
Kurven, die stellen das Diagramm der Explosion
und Expansion vor, sind mithin das Effektiv-
resultat. Sie werden durch eine Integralgleichung
wiedergegeben, welche ihrerseits die faktische,
theoretische Basis für die konkrete Erfassung des
Problems darstellt..."

Fritz Sänger

*

-Liebe Jugend!

In der Fibel meines im ersten Schuljahre
stehenden Töchterchens kommt folgender Satz vor:
„welche Vögel legen keine Eier?" Natürlich soll
die Frage auch beantwortet werden; nach kurzem
Besinnen erwidert die Kleine mit wichtiger Miene:
„Die Wandervögel!"

Die „komplizierte" Gattin

„Weib, es mag wahr sein, das? Du eine,D oPP el-
seele' hast— aber das weis? ich bestimmt: eine jede
davon betrügt ml#! '

Y7ad> dem Diner

In unsere Infanteriegarnison kam einmal ein
neunzackiger Kavallerieleutnant auf ein paar Tage
hereingeschneit und wurde vom Obersten einge-
laden, in der Menage zu speisen.

Natürlich kam der junge Herr jedesmal zu spät
und mußte sich deshalb entschuldigen.

Er tat dies mit herablassender Liebenswürdig-
keit und edler Grazie.

Trat ein, als gerade die Mehlspeise serviert
wurde, klirrte die Sporren zusammen und schnarrte:
„Herr Oberst, ich bitte gehorsamst zu entschuldigen,
ich war beim Speisen!"

Heinz Seharpf

-i-

Liebe Jugend!

Die Sextaner eines Lehrerseminars sind beim
Bauchen erwischt worden. Der Herr Direktor
nimmt jeden einzeln in strenges Verhör, wieder
erscheint ein Angeklagter, „warst Du auch unter
den Rauchern?" fragt ihn ernst der Vorgesetzte.
„Ich," antwortet der Vierzehnjährige mit arg ge-
kränkter Miene und vorwurfsvollem Tone, „ich
bin überhaupt Nichtraucher."

*

Eine Majorstochter hat einen Juristen geheiratet.
Die Ehe ist nicht allzu glücklich, da sich des Mars
Kind weit erhaben über die ihr offenstehenden
Gesellschafskreise ihres Mannes dünkt. Nachdem
sie sich wieder mal ganz rücksichtslos in Gesellschaft
benommen und sich deswegen mißliebig gemacht
hatte, stellt sie ihr Mann zu Hause zur Bede:

„Du hast gar keinen Grund so hochfahrend zu
sein. Sieh Dir die Frau von Kollegen F. an, die
ist ganz anders wie Du, und das ist gar eine
Generalstochter!"

Da rümpft sie ganz verächtlich das Naschen:

„Ach was, die zählt ja garnicht mit. Die ist
ja schon „verabschiedet" geboren!"


Wien.

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D
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Heinz Scharpf: Nach dem Diner
Fritz Sänger: Populärwissenschaftliches
Monogrammist Kreispunkt: Die "komplizierte" Gattin
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