Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

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-Liebe Jugend!

Durchs Städtchen ziehen Bettelmust-
kanten, die von Haus zu Haus eiu-
sammeln gehen, wenn sie einige Stücke
gespielt haben. Sie kommen auch zu
Herru Knaufe, einem widerlichen Geiz-
halse.

„Ich gebe nichts," herrscht er den
Musikus an. „Ich habe auch nichts
gehört."

„lischt gehört?" spricht der Mann.
„Det glooben Se wohl selber nich. Unsere
Musik geht durch Mark und Beeu."

*

Herr Kehle ist seines Zeichens Schuh-
umchermeister und betreibt eine Schnell-
besohlanstalt. Zur Hebung seines Ge-
schäftes erläßt er große Anzeigen, in
denen auch zu lesen ist:

„Schreiben Sie mir eine Postkarte,
meine Boten holen Ihre Schuhe ab."

Da erhielt er jüngst eine Postkarte
folgenden Inhalts:

„Bitte sofort ein paar Hausschuhe
bei mir abzuholen und zu besohlen.

Achtungsvoll!

•* Max Stange."

Deutsch) udwestafrika.

„Rannst Du mir eine Prinzessin nennen, die bürger-
lich gesinnt war?"

„Luise von Belgien — sie ging Pleite."

Ich instruiere über Verhalten im Manöver,
speziell wie man sich benimmt, wenn einen der
Vnartierherr abends einlädt. Zuerst die Nüchtern-
heit. Keiner trinkt inehr, als er vertragen kann.
Aber man soll auch bescheiden sein, „wenn Sie
20 Schoppen vertragen können, wieviel trinken
Sie dann?" — „t9, Herr Leutnant," ist die
prompte Antwort des Bescheidenen.

Das komme davon!

Der Herr Pastor will den Schülern in der
Religionsstunde beibringen, daß Gott durch
seine Allmacht alles erschaffen habe. Er geht
dabei von der Heimatkunde aus.

„Wer," sprach er, „hat in unserem deut-
schen Vaterlande alles so schön und herrlich

gemacht? Wer hat den Flüssen
ihren Lauf gegeben? Wer läßt die
Wälder wachsen und die Felder ge-
deihen? Wer hat die Berge auf-
gebaut und läßt die Meere an die
deutschen Küsten branden?"

Der kleine Fritz erhebt die Hand.
„Run?"

„Die Hohenzollern, Herr Pa-
stor!"

„Dummkopf, setz' Dich! Einer
ist es, der alles gemacht hat."

Karl hebt den Finger auf. „Run?"
„Unser Kaiser!"

„Esel! Das kann doch kein
Mensch!"

Heinrich meldet sich. „Run?"
„Die Königin Luise!"

„Ach Du Dummer — —!
Warum denn gerade diese?"

Heinrich (weinerlich): „Ja, der
Herr Lehrer sagt, daß die Königin
Luise der Engel des Vaterlandes
gewesen ist."

„Ach was — Engel! So etwas
kann auch kein Engel und alle Engel
zusammen nicht. Run, Herbert?"

„Der liebe Gott hat alles ge-
macht !"

„So ist's recht, mein Sohn! Und warum
hat Gott in unserem Vaterlande alles so
schön gemacht?"

„Weil die Hohenzollern Gott und den
Glauben an ihn dem Volke erhalten haben."

Der Herr Pastor brach den Unterricht
verzweifelt ab. So
So.: Das kommt davon!
[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Henry Bing: In der Geschichtsstunde
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