Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

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Liebe Jugend!

Unter den Kandidaten bei der ersten juristischen Staatsprüfung am
Oberlandesgericht zu X. befand sich auch ein Graf l}., der weniger
wegen seiner juristischen Kenntnisse, als wegen seiner ungeheuer exakten
und echt aristokratischen Korrektheit hervortrat. So auch im Examen:

Präsident: „Herr Graf. . ."

Graf X. (ihn unterbrechend mit einer kurzen korrekten Verbeugung):
„Bitte, Herr Präsident."

„ .. . Können Sie mir sagen, was das nexutn im römischen
Recht war?"

Graf X, (ohne Besinnen, mit einer kurzen steifen Verbeugung): „Be-
daure, Herr Präsident."

Präsident (lehnt etwas den Oberkörper über den Tisch): „Danke,
Herr Graf."

Graf X. (wie oben): „Bitte, Herr Präsident."

*

Im Bschlaps, einem entlegenen Seitental von Tirol, war ich
im Wirtshaus eingekehrt. Zu dem einfachen guten Mittagessen be-
kam ich auch eine Schüssel mit eingemachtem Obst, dessen Herkunft
sich durch den Geschmack nicht feststellen ließ, „was ist das?" —
fragte ich das freundliche Wirtstöchterlein, und treuherzig erwiderte
sie: „Mer heißt's halt Komxot."

*

Beim Gewehr 88 soll die Fuge zwischen Laufmantel und Schaft
mit Gewehrwachs verstrichen sein. Gelegentlich eines Gewehrappels
findet der Vizefeldwebel ein Gewehr, bei dem dies nicht der Fall ist,
und fährt den unglücklichen Besitzer Musketier X. an: „warum ist
die Fuge nicht verstrichen?"

„Ich habe kein wachs mehr, Herr Feldwebel!"

„was? Du hast keen wachs? Fang Dir 'ne Biene!"

vor der 2. Zivilkammer in X. hält der junge Rechtsanwalt
Meyer eine feurige Rede für die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen

Tierpark in flßunicb

„O, dieses Vogel trinkt aus eine Maßkvug!"

„'Well! Er uird sein gekommen hier auf der Welt!"

im Prozesse. Er schließt mit den Worten: „ ... und dafür, daß der
Zeuge Kohn durchaus glaubwürdig ist, verpfände ich meinen K.^xf."

Worauf der Vertreter der Gegenpartei recht bissig entgegnet:
„Ich beantrage den Kopf des Kollegen Meyer zu den Akten zu
nehmen."

&

Mein Onkel Paul besaß von jeher Galgenhumor. Neulich spielt
meine Schwester etwas unzart auf seine sich immer vergrößernde Glatze an.

„Ja," sagt er, „in der Bibel heißt es, daß alle unsere Haare auf 'm
Haupte gezählt werden: ich will dem lieben Gott die Arbeit erleichtern."

.Bei etwaigen Bestellungen. lolttet man aut* die Münoliner „JÜGliND- Bezug zsu nelimen.

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Kleines Toraiat!

Geringes Gewicht!

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[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
AS: Tierpark in Munich
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