Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 19.1914, Band 1 (Nr. 1-26)

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„Den Jeufel spürt Jas Völkchen nie, Strudel (Basel)

Und wenn er sie beim Kragen hätte!“

Bacchusfest

Rot netzt Chianti der Diana Lippen,
DerThyrsusschwinger küßt es ihr vom Mund,
Und in des Saales blau erhelltem Grund
Sieht man Diogenes im One-step wippen.

3n meinem Arni ruht seufzend die Bacchantin,
Im Haar die roten Rosen welkten längst —
Wer weiß, womit du morgen dich behängst. •
Vielleicht tanzst als Fortuna du durchs

Land hin.

Apachin bist du, Geißbub, Spanierin,
Pierrette, Page und auch Marabu:

So spielst in Alles du Talent und Sinn,

Und immer bist du neu und immer du . .

Alfred chensHkc

Der Vesmödianr

Ich habe eine Ieitlang für andere Leute
Durch Nächte gelacht — —

Weil ich die Not und den Hunger scheute;
Nun ist es vollbracht.

Ach, kam gen Osten das Rotlicht

geflossen. . .

Der Morgen war mein . . .

Habe ich frei aber traurig genossen
Das müde Allein.

Ich habe so oft zu mir selber gesprochen:
Verächtlicher Tor!

Bin ich nach all den vcrguälten Wochen
Nicht arm als zuvor?

feiner Geliebten

Und doch ist aus Füttern ein Achtes geblieben;
Hat tief mich gerührt:

Als es ans Scheiden ging, haben Sieben
Zur Bahn mich geführt.

Die meine Narrheit nicht weiter erfragten;
Sie schwenkten den Hut,

Reichten die Hand mir, und was sie sagten,
Klang herzlich und gut.

Da ist die Seele mir übergegangen
In plötzlichem Dank.

Wolle auch Dti mich lieb nun empfangen!
Ich bin ja so krank.

Hans Bötticher

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Hans Bötticher: Der Komödiant seiner Geliebten
Karl Sterrer: Den Teufel spürt das Völkchen nie
Alfred Henschke: Bacchusfest
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