Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 19.1914, Band 1 (Nr. 1-26)

Page: 351
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jugend1914_1/0342
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Versammlung der Berliner „Integralen" A. Schmidhammer

„Gegenüber all diesen Taufschein-Katholiken, Auch-Katholiken, Reblaus-Katholiken und Margarine-Katholiken stehe» wir da als
die allein echten Sührahmbutter-Katholiken! Das sind wir, und daS wollen wir bleiben!"

Frühjahr 1914

Wen» wir den Lenz des Jahres Vierzehn

scharf bewachten:
Wir fühlen, daß er freundlich zu uns spricht. —
Ach, endlich schweigt der Lärni der Schlachten!
(Nur Doktor Oertel schweigt noch nicht . . .)

Die Veilchen blühten blau im Februare.

(Weil hold der Wind von oben weht . . .)

Aus Stadelheini entläßt man schon den Kare.
(Die Witwe Hamm entließ man etwas spät . .)

Verrauscht sind alle lauten Festem

Das Feuer, das um Zabern lohte, schwelt . . .

Besorgt zählt Bethmann an den Knöpfen

seiner Weste,

Welche Parole die Regierung wählt . . .

Ein jeder bläst in seine alte Tute . . .

Die Junker und die Schlotbarone kommen

angesockt,

Weil ihnen, weh! des Generalpardones

Wünschelrute

Die letzten Groscheit aus der Tasche lockt . . .

Auch ein Gesetz zur Hebung des Gebuitenrückgangs
Bereitet sich im Reichstag vor . . . Das Vieh
Und das Gemüse wird nicht billiger . . .

Die Spickgans

Erscheint dem Bürger nur mehr in der Phantasie..

Als Majestät von Esfads und von Gottes Gnaden
Ließ Wilhelm Prinz zu Wied
Sich in das angestammte Vaterland verladen,
Wohin es ihn aus tiefster Seele zieht . . .

Das Zentrum fährt mit tausend Masten
Auf einmal in die Kreuz und Quer . . .

Es brummt der Russenbär . . Vom langen Fasten
Ist ihm der Mageti leer . . .

Bescheidenheit ist keine sichere Ware . . .

Kommt nun das junge Jahr, der junge Flapps
Erst in die Flegeljahre —

Was dann? . . . Fritz, einen Schnaps!

Jucnndu» Fröhlich

Freiherr

In Berlin ist die Hundesperre, die länger als ein
Jahr gedauert hatte, aufgehoben worden.

„Ach, der Hinimel war mir gnädig,

Ich bin fröhlich, ich bin frei.

Aller Fesseln bin ich ledig,

Ledig selbst der Polizei.

Mein ist Freiheit der Bewegung,

Niemand hält mich heute still,

Und ich fröhne jeder Regung,

Wie und wann und wo ich will.

Schnuppe ist mir jetzt mein Herre,

Ich geh' meinen eignen Weg.

Aus ist's mit der Hundesperre,

Offen ist mir jeder Steg.

Nicht mehr bin ich Knecht und Diener,

Aller Welt tu' dies ich kund!"

Ach, da murmelt der Berliner:

Du beneidenswerter Hund!

Frido
Jucundus Fröhlich: Frühjahr 1914
Frido: Freiheit
Arpad Schmidhammer: Versammlung der Berliner "Integralen"
loading ...