Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 19.1914, Band 1 (Nr. 1-26)

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Dipkomaten-Äuskese A- Schmidhammer

„Können wir Öen Grafen Zip denn wirklich als Diplomaten brauchen? Lr hat neulich in feinen Kanten drei Orthographiefehler
gemacht..— „Dann können wir ihn freilich nur in einen kleineren Staat als Botschafter schicken!"

Llnbegreiflid»

(Aus einem Brief des Grusen Botho Non Wedel,
Chef der Personalabteilung des Auswärtigen Amtes,
an seinen Neffen: „Wenn Du Dich für die Fort-
schrittliche Volkspartei betätigst, kannst Du nicht
verlangen, daß man besondere Rücksicht auf Dich
nimmt. Du warst eben mit Deinen freiheitlichen
Ideen unbegreiflich.")

Das ist Herr Botho, Graf von Wedel.

Dein will etwas nicht itt den Schädel:

„Wie Kann ein Mensch dem Fortschritt huldigen?"

Das ist — äh, bäh — iiidjt zu entschuldigen!

Was will die Freiheit, die infame?

Im Gotha steht se nid, t, die Dame!

Der Wedel Kennt die höh're Welt,

Ihm ist dies Weib nid,t vorgestellt.

Drum sd>reibt er Klippeklar und reiflich:

„Die Freiheit ist mir unbegreiflich."

— Die Freiheit hört's und findet's putzig,
Die von Begriff uid)t ganz so stlltzig.

Sie hört es, und ihr geht darauf
Ein bürgerliches Glnnzlicht auf:

„Weshalb die deutsd>en Diploniaten
So schmerzhaft oft vorbeigeraten,

lind utis blamier'n in mundo toto,

Ist nicht mehr unbegreiflich, Botho!"

3m Dienste des Vaterlandes

Die Polizeiverwaltung van Fechenheim macht
amtlich bekannt: „Die Deckbedingungen für die
Königlichen Beschäler des Heff.-Naff. Landgestüts
Dillenburg können auf Zimmer 4 des Rathauses
eingesehen werden. In Statiousdeckort Wilhelms-
bad stehen zwei Hengste zur Verfügung." .

Die Ankunft der Herren Beschäler in der
Station Wilhelmsbad gestaltete fids zu einem fest-

lidjert Ereignis. Der Lnndrat, der Bürgermeister,
die gesamte Geistlidikeit, der Kreisarzt und der
Kreistierarzt waren auf dem Bahnhofe zum
Empfang anwesend. Die Herren Besdiäler be-
grüßten die erschienenen Honoratioren mit freund-
lichem Hufdruck und sprengten dann die Front
der vor dem Bahnhof aufgestellten Ehrenkom-
pagnie der Schützengilde ab. Sodann fand zu
Ehren der Herren Besdiäler ein großes Fest-
fchießen der Schützengilde statt, dessen Gipfel ein
Apfelschießen bildete, zu dem der rangälteste Herr
Besdiäler einen von ihm höchstselbst erzeugten
Apfel gestiftet hatte.

Diesem Ältesten wird von den vereinigten
Stuten der Deckstation eine Adresse überreicht
werden, da er zum letzten Mal seines hohen Amtes
waltet: er wird, weil er nach amtsärztlichem Attest
wegen Alters iiidjt mehr dienstfähig ist, unter
Verleihung des Titels Geheimer Bes di äl rat
in den Ruhestand versetzt werden.

Frido
[nicht signierter Beitrag]: Diplomaten-Auslese
Karlchen: Unbegreiflich
Frido: Im Dienste des Vaterlandes
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