Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 19.1914, Band 1 (Nr. 1-26)

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Äie keilt man kickt uni! I^keumatizmus L«Lr"^

Seit Menschengcdenken — bis in die biblischen Zeiten hinein — sind Gicht und
Rheumatismus als gefürchtete und hartnäckige Krankheiten bekannt, die den Erwerb
und die Leistungsfähigkeit in hohem Maße oft dauernd gefährden oder herabsetzen. Diese
Quälgeister der Menschheit trotzen vielfach hartnäckig jeglichen Mitteln, ja selbst der ge-
schicktesten ärztlichen Kunst. Oft genügt eine einzige Erkältung oder sonst eine gering-
fügige Ursache, um die Krankheit zur unheilvollen Entfaltung zu bringen.

Wenngleich auch die Ansichten vielfach auseinandergehen, so ist sich die Wissenschaft
dennoch dahin einig, daß die Gicht als eine mit vermehrter Harnsäurebildung ver-
bundene Stoffwechselkrankheit anzusehen ist, die sich meist erst mit dem reiferenAlter
einstellt. Dasselbe gilt von der Zuckerkrankheit und der Fettsucht. Ihnen reihen sich
als krankhafte Erscheinungen des Stoffwechsels die Konkrementbildungen, wie Nieren-,
Blasen-, Gallensteine und die Gefäßverkalkung an.

Die Harnsäure, ein entschieden giftiger Stoff, lagert sich in Form kleiner scharfer
Kristalle in fast allen Körperteilen ab. Diese dringen in die
Gelenke und verursachen naturgemäß böse, gegen die leiseste
Berührung höchst schmerzhafte Entzündungen, die den Kranken
maßlos peinigen. Die Schmerzen lassen nach, wenn die
Harnsäurekristalle durch teilweise Lösung zerstört werden, aber
der Patient sieht mit banger Besorgnis der nächsten Attacke
entgegen. Der Verdauungsapparat ttnd die Atmungsorgane
werden in Mitleidenschaft gezogen, noch häufiger sind das
Herz, die Blutgefäße und die Nieren durch die gichtischen Ab-
lagerungen krankhaft verändert. Gichtknoten und Deformation
der Gelenke sind die ferneren bekannten Erscheinungen. Nicht
selten sind Schlaganfälle und Nierenentzündungen die Todes-
ursache bei Gichtkranken.

Das Hauptbestreben der Behandlung jeder Form von
Gicht ist die Verhinderung zu reichlicher Harnsäurebildung.

Medikamente, wie die giftigen Colchicin- oder sonstigen Mittel,
die sich fast stets als verkappte Salhzilpräparate entpuppen,
kommen, wie jeder einsichtsvolle Patient erkennen muß, für
eine Dauerbehandlung, wie sie die Gicht und die ihr ver-
wandten Krankheiten verlangen, ebensowenig in Betracht, wie
Einreibemittel, die nur Hautreize ausüben können. Zur Gicht-
behandlung eignen sich nur gewisse natürliche alkalische Mineralwässer, die in ihrer un-
nachahmbaren Zusammensetzung den Körper gründlich durchspülen und dabei die harn-
sauren Salze in einen löslichen, für den Körper ausschcidbaren Zustand überführen.
(Bergt. Prof. Klempercr-Berlin, Therapie der Gegenwart, Heft l, 191)3.)

Von den gegen Gicht enipfvhlenen Mineralbrunnen hatte bis zum Bekanntwerden
des Wiesbadener Gichtwassers keines den gestellten Anforderungen genügt. Sie ver-
mochten weder die Harnsäurebildung genügend herabzusetzen, noch die bereits gebildete
sehr schwer lösliche Harnsäure zu binden und zu lösen. Beides geschieht durch den
häuslichen Gebrauch des Wiesbadener Gichtwassers in bekannt hervorragender Weise.

Dieses ist eine Praktisch kalkfreie, im Einvernehmen mit der Stadt Wiesbaden und
der Kurdirektion verabreichte Modifikation des Wiesbadener Kochbrunnen. Bekanntlich
gibt es auf der ganzen Welt auch nicht eine einzige durch ihre enorme Besuchsziffer —
200000 Kurfremde — und ihre nach Millionen zählenden Heilerfolge so typisch ausge-
zeichnete Spezialyuelle gegen Gicht wie die Wiesbadener. Mitglieder aus regierenden
und fürstlichen Häusern gehören zu den stets wiederkehrenden Güsten.

Die Präparate obcnstehendcr Abbildungen wurden in
der Berliner medizinischen Gesellschaft,
Sitzung vom '24. März 1898, unter Borsitz des
Geheimen 9>ato Professor Tr. 9l. Pirchow
demonstriert. Fig. a zeigt einen harnsauren Nieren-
stein, der in einen durch Trinken von Wies-
badener Gichtwasser alkalisch gemachten Harn ge-
legt wurde. Fig. I> zeigt den Stein I Stunde später,
o denselben nach weiteren 2 Stunden. Der Rest
des Steines ist eine weiche, durchsichtige, mit
Pigment durchsetzteMafse. — Vergrößerung 149.

Das Resümee einer umfangreichen Forschung und auf das Wiesbadener Gicht-
wasser bezüglichen Literatur ist folgendes:

1. Gichtkranke scheiden mehr Harnsäure aus als Gesunde und Rheumatiker. Ihr
Harn ist in der Regel abnorm sauer. (Xti. Saurer Harn färbt blaues Lackmus-
papicr — in jeder Apotheke käuflich — rot; alkalischer Harn färbt rotes Lackmuspapier
blau. Man prüfe genau den Harn.)

2. Neutrale Urine lösen ö —10, alkalische lt —12 mal mehr Harnsäure als
schivach saure.

3. Um bei Gicht befriedigende Resultate zu erzielen, ist es ost notwendig, soviel
eines stark alkalisch-muriatifchen Mineralwassers zu trinken, bis der Urin alkalisch
wird und längere Zeit den größten Teil des Tages hindurch alkalisch bleibt.

4. Alle stark kalkhaltigen Mineralwässer bewirken im alkalischen Urin eine Aus-
scheidung von Kalkphosphaten und harnsaurem Kalk, die leicht zur Bildung

und Vergrößerung von Steinen fuhren können.

5. Das Wiesbadener Gichtwasser ist praktisch so kalkfrei,
daß von einer Ausscheidung von Kalkphosphaten und
kohlensanrem Kalk im alkalischen Harn keine Rede
sein kann.

6. Von allen Mineralwässern wird dem Wiesbadener
Gichtwasser die größte harnsäurelösende Wirkung zu-
gesprochen. Es tvird selbst bei jahrelangem täglichen
Gebrauch gut vertragen.

7. Der Gebrauch von 1—2 Flaschen Gichtwasser täglich
verhindert absolut sicher die Bildung von Harngrieß
und Nierensteinen.

8. Gichtkranke dürfen, selbst nach vollendeter Kur, nie
aushören, das Wiesbadener Gichtwasser täglich, wenn
auch nur in kleinen Mengen, vorbeugend zu trinken.

Wenn irgend möglich — es ist dies aber nicht Bedingung
— sollte der Patient nicht verabsäumen, in Verbindung mit
der häuslichen Trinkkur, 30— 00 Flaschen, etwa 15 bis 20 Koch-
brunnenbäder zu gebrauchen. Diese werden unter amtlicher
Kontrolle der städtischen Kurdirektion gewonnen und in höchst
konzentrierter Form in plombierten Normaldosen ä 1 Bad über-
allhin versandt. Sie üben eine ganz spezifische Wirkung auf den Körper des Kranken
aus, und nicht selten kommt es vor, daß Patienten, welche mit dick geschwollenen Zehen
oder Knien die Trink- und Badekur unternahmen und sich nur mit großen Schmerzen
hinschleppen konnten oder gefahren werden mußten, nach wenigen Bädern flott gehen
konnten. Durch eine zeitig vorgenommene Kur, die mn so erfolgreicher ist, je frischer
und früher die Fülle in Behandlung kommen, kann viel Unglück und Sorge verhütet
werden, zumal das Gichtwasser usw. bequem in den größeren Apotheken und allen
Mineralwasserhandtungen erhältlich ist. Der Versand erfolgt natürlich auch direkt frisch von
der Quelle. Im übrigen ist das Frühjahr zur Vornahme von Hauskuren die am meisten
geeignete Zeit, da sich mit fast überraschender Bestimmtheit bei den meisten Patienten mit
dem Eintreffen der ersten Schwalben auch erneute Beschwerden einzustellen pflegen.

Ausführliche informierende Lektüre über das Wesen der hier genannten Leiden in
allgemein verständlicher Form, vom praktischen Arzt Dr. Buddec versaßt, nebst genauer
Methode über die Anwendung einer Wiesbadener Hauskur wird vom Brunnen-Kontor
in Wiesbaden 0. 60 aus Anfrage kostenlos übersandt.

I5ei etwaigen ISestellunaen bittet man auf die Münchner „JUGKIS D“ Bezua; zu nehmen.

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cHlfe Menschen werden Kruder ... R- Rost

„Dös 1,röcht ma not glaub'n, was a gnt’e Bier fern bringt! Jetz harn nra uns die ganze Zeit mrtahalten,

und jetzra stellt st' raus, daß So a Berliner preist san!"
Richard Rost: Alle Menschen werden Brüder...
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