Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 19.1914, Band 2 (Nr. 27-52)

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A. SCHMIDHAMMER (MÜNCHEN)

„Das ist der Krieg!

Unheimlich entbrennt er.

Von Schauer und Blut
Rötet sich schwarzes Gewölk.
Über Leidien und Schutt,
Kanonen und wälzenden Massen
Reisst jäh der Himmel sich auf

eherne Stimmen

And im sieghaften Eicht,

Die feindlichen Heere verwirrend.
Schlägt mit dem flammenden Schwert
Der Erzengel Michael drein . . .“

Hlso im Stüblein daheim

Kritzelt am Schreibtisch der „Dichter“.

5Henn sie auch schön sind, es sind
Leider nur Morte, sonst nichts.

Hber ganz draussen vorm feind
Liegt am Geschütz ein Soldat,

Recht müd die Knochen und schnauft:
„Herrgott, hat ’s heut’ wieder kracht!“

franz Xaver Rambold

Stirb und Werde!

öon Paul Zcd)

JTm Strom ein überqualmter Ulald
Und drohend aus dein ÜJipfelfpalt:
Feindliche Schanzen.

(Tief unten aus der 5urt herauf:
Ulanen in geltrechtem Lauf
Und hoch die Ganzen.

Die Pferdenasen flockten Schnee
dn dem zerstampften roten lUee
Lmpor den Hügel.

Ale Stein gehaun an Feuerstein,
Schlug oben die Schwadron hinein
Die Lisenklügel.

6ranaten strichen hageldicht
Und bliesen aus viel Augenlicht:
Schwadron flog weiter.

Der Schanzendeich stand felsenschwer,
Den Schanzendeich zerbrach das Meer
Der Lanzenreiter.

Und hob und hob die Zitterhand
Und schrieb mit Blut tief in den Sand,
Schrieb: „Stirb und Ulerde!"

Das war sein wappenspruch, sein Christentum,
Sein letzter hauch, sein letzter Duhm
.Huf dieser Erde

Der Minenleger

Von Hermann Horn

Gerade als Hein am Ruder stand, passierte
sie den kleinen Kreuzer und signalisierte.

Der Alte verschluckte fast seine Pfeife und
hißte mit zitternden Händen die Leine mit der
bunten Signalflagge als Rückantwort und dann
zuni Gruß die deutsche Flagge.

„Ost-Süd-Ost das Ruder!" sagte er dann.

Und schon lief der Erste das Deck entlang
und rief die Leute air die Brassen, um den
Segler an den neuen Kurs zu bringen.

„Krieg gift dat," sagte der Alte, weil Hein
so guckte; mtb der dachte sich seinen Teil.

Als er abgelöst worden war und ins Logis
kam, wo sie alle beisammen standen und den
Fall besprachen, steckte er sid) eine Pfeife an
und ladzte.

„So," sagte er, nu geiht dat wieder tom Kom-
miß —. Am meisten höd)t mi, dat wie all twee
Monat Heuer op de Hand hem, de könnt se
uns nid) tnee nehm."

Er rauchte vor sid) hin und baumelte mit den
Füßen zur Koje hinaus.

„Mien Deern kann ick ja wohl nid) mee
seehn," sagte er zu Friß, der mit ihm auf der-
selben Wache war.

Doch der, der diesen Mit befahl,
Der den ergrimmten Degenstahl
Dorausgeschwungen,

Lag unten im verbrannten Kraut
Pon Pterdeleibern überbaut,

Die Bruft zersprungen.

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Hermann Horn: Der Minenleger
Arpad Schmidhammer: Illustration zum Text "Eherne Stimmen"
Paul Zech: Stirb und Werde!
Franz Xaver Rambold: Eherne Stimmen
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