Einzug des
EMPÖREND!
3n Dresden wurden von der Zollbehörde an einem
Tage 1500 Schieberpakete beschlagnahmt.
Wütend blas ich die Alarmtrompete:
Wie? In eines einigen Tags Verlauf
Fünfzehnhundert solche Schandpakete?
Oh, da hört sich einfach Alles auf!
Sicher waren wonnigste Fressalien
Drin verpackt in ungeheurer Zahl,
Eier, Butter, andre Schieberalien,
Käse, Würste, — es ist ein Skandal!!
Ich zerspringe beinah', solches hörend!
Es ist scheuß- und greu- und fürchterlich:
Fünfzehnhundert Stück — es ist empörend —
Und davon kein einziges für mich!!...
Karlchen
*
EIN AUSWEG
Die in Paris erscheinende Ausgabe der New
Vorker Tribüne bringt — eine Folge der Papier-
not und der hohen Druckkosten — auf ihrer ersten
Seite die Aufforderung: Kauft die Tribüne
nicht, sucht sie zu entleihen!
Man könnte weiter gehen und, um Papier
und Druckkosten zu ersparen, die Zeitungen
überhaupt nicht mehr drucken, sondern hand-
schriftlich in ein paar Exemplaren Herstellen und
sie dann von Mann zu Mann gehen lassen.
Oder man könnte sie allabendlich in Volks-
versammlungen aus dem Manuskript vorlesen
oder durchs Grammophon verbreiten.
Schließlich kämen wir dann zur Abschaffung
der Buchdruckerkunst überhaupt und damit zu
einer wesentlichen Vereinfachung der Schul-
frage: es brauchte dann niemand mehr Ge-
drucktes lesen zu können — Bücher kann sich
ja doch keiner mehr kaufen. Damit würde das
ganze Papierholz für nützlichere Dinge frei —
man könnte Cellulose fürFtlmbänder und Kunst-
seide daraus machen und könnte die Papier-
herstellung auf Banknotenpapier beschränken.
Außerdem würden nach und nach alle Völker
die riesigen Ausgaben ersparen, die jetzt für
Buchgewerbe, Schrifttum und Wissenschaft
hinausgeworfen werden, und damit wäre ein
wesentlicher Schritt zur Wiederaufrichtung der
überall zerrütteten Wirtschaft getan. _0-
*
MONUMENTALE ALBERNHEIT
Aus der Hauptstadt von Tigeraff-rika wird
gemeldet: Im Tuilleriengarten wurde ein Denk-
mal der englischen Spionin Miß Cavell ent-
hüllt, die in Belgien erschossen worden ist. Der
„Matin" hat es gestiftet.
Die Idee ist ja ganz hübsch, denn Miß
Cavell, die ihre zahllosen Übeltaten eingestan-
den hat, ist tapfer gestorben. Falsch ist nur der
Platz, an dem das Denkmal steht. Es gehört
in die Festungsgräben von Vincennes, wo dann
an seiner Seite Denkmäler für die zahlreichen
Frauen und Männer aufgerichtet werden könn-
ten, die von den Franzosen dort unschuldig
und ohne Beweis als deutsche Spione
hingerichtet worden sind. — x—
DITHYRAMBE
Nimmer, das glaubt mir.
Erscheinen die Bröter
Mit Brotmehl allein!
Kaum, daß ich Kleie herausgeschmeckt habe,
Beiß ich auf Maisgries als billige Gabe,
Erdäpfel mengen sich muffig darein.
Sie nahen, sie kommen
Die Mischungen alle,
Der Magen erfüllt sich
Mit bitterer Galle.
Sagt, wie verlier' ich
Der Großstadtgeborne
Nicht den Humor?
Führet mich gütig noch einmal km Leben,
Götter! Was könnet ihr besseres geben?
An eines Landmannes gastliches Tor!
Das Gute, es wohnt nur
2m ländlichen Mahle,
O füllt mir den Rucksack
Mit Weißbrot — ich zahle!
O gebet — er zahle! —
Die Gabe der Ceres
Dem Dichter hinein,
Daß er olympische Wonnen erschaue,
Daß er doch einmal geregelt verdaue.
Einer der Unfern sich dünke zu sein!
Sie fließet, sie fließet
Die Hamsterquelle,
— Die Dithyrambe
Steigt auf der Stelle! 0eij«
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EMPÖREND!
3n Dresden wurden von der Zollbehörde an einem
Tage 1500 Schieberpakete beschlagnahmt.
Wütend blas ich die Alarmtrompete:
Wie? In eines einigen Tags Verlauf
Fünfzehnhundert solche Schandpakete?
Oh, da hört sich einfach Alles auf!
Sicher waren wonnigste Fressalien
Drin verpackt in ungeheurer Zahl,
Eier, Butter, andre Schieberalien,
Käse, Würste, — es ist ein Skandal!!
Ich zerspringe beinah', solches hörend!
Es ist scheuß- und greu- und fürchterlich:
Fünfzehnhundert Stück — es ist empörend —
Und davon kein einziges für mich!!...
Karlchen
*
EIN AUSWEG
Die in Paris erscheinende Ausgabe der New
Vorker Tribüne bringt — eine Folge der Papier-
not und der hohen Druckkosten — auf ihrer ersten
Seite die Aufforderung: Kauft die Tribüne
nicht, sucht sie zu entleihen!
Man könnte weiter gehen und, um Papier
und Druckkosten zu ersparen, die Zeitungen
überhaupt nicht mehr drucken, sondern hand-
schriftlich in ein paar Exemplaren Herstellen und
sie dann von Mann zu Mann gehen lassen.
Oder man könnte sie allabendlich in Volks-
versammlungen aus dem Manuskript vorlesen
oder durchs Grammophon verbreiten.
Schließlich kämen wir dann zur Abschaffung
der Buchdruckerkunst überhaupt und damit zu
einer wesentlichen Vereinfachung der Schul-
frage: es brauchte dann niemand mehr Ge-
drucktes lesen zu können — Bücher kann sich
ja doch keiner mehr kaufen. Damit würde das
ganze Papierholz für nützlichere Dinge frei —
man könnte Cellulose fürFtlmbänder und Kunst-
seide daraus machen und könnte die Papier-
herstellung auf Banknotenpapier beschränken.
Außerdem würden nach und nach alle Völker
die riesigen Ausgaben ersparen, die jetzt für
Buchgewerbe, Schrifttum und Wissenschaft
hinausgeworfen werden, und damit wäre ein
wesentlicher Schritt zur Wiederaufrichtung der
überall zerrütteten Wirtschaft getan. _0-
*
MONUMENTALE ALBERNHEIT
Aus der Hauptstadt von Tigeraff-rika wird
gemeldet: Im Tuilleriengarten wurde ein Denk-
mal der englischen Spionin Miß Cavell ent-
hüllt, die in Belgien erschossen worden ist. Der
„Matin" hat es gestiftet.
Die Idee ist ja ganz hübsch, denn Miß
Cavell, die ihre zahllosen Übeltaten eingestan-
den hat, ist tapfer gestorben. Falsch ist nur der
Platz, an dem das Denkmal steht. Es gehört
in die Festungsgräben von Vincennes, wo dann
an seiner Seite Denkmäler für die zahlreichen
Frauen und Männer aufgerichtet werden könn-
ten, die von den Franzosen dort unschuldig
und ohne Beweis als deutsche Spione
hingerichtet worden sind. — x—
DITHYRAMBE
Nimmer, das glaubt mir.
Erscheinen die Bröter
Mit Brotmehl allein!
Kaum, daß ich Kleie herausgeschmeckt habe,
Beiß ich auf Maisgries als billige Gabe,
Erdäpfel mengen sich muffig darein.
Sie nahen, sie kommen
Die Mischungen alle,
Der Magen erfüllt sich
Mit bitterer Galle.
Sagt, wie verlier' ich
Der Großstadtgeborne
Nicht den Humor?
Führet mich gütig noch einmal km Leben,
Götter! Was könnet ihr besseres geben?
An eines Landmannes gastliches Tor!
Das Gute, es wohnt nur
2m ländlichen Mahle,
O füllt mir den Rucksack
Mit Weißbrot — ich zahle!
O gebet — er zahle! —
Die Gabe der Ceres
Dem Dichter hinein,
Daß er olympische Wonnen erschaue,
Daß er doch einmal geregelt verdaue.
Einer der Unfern sich dünke zu sein!
Sie fließet, sie fließet
Die Hamsterquelle,
— Die Dithyrambe
Steigt auf der Stelle! 0eij«
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