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Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 42.1937, (Nr. 1-52)

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Nr. 1
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https://doi.org/10.11588/diglit.6784#0010
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In letzter Zeit haben sich die Filmgesellschaften und die Film-
regisseure der Nachwuchsfrage mit großem Eifer angenommen
und es könnten auf diese Weise junge Talente für den Film ent-
deckt werden, die wirklich eine künstlerische Bereicherung für
den deutschen Film bedeuten. Die meisten von ihnen wurden
auf den deutschen Bühnen entdeckt, andere kamen aus den
Schauspiel- und Tanzschulen.

Hier liegt noch ein großes und wertvolles Reservoir neuer Kräfte
für den Film, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist und
sich immer wieder erneuert. Zu dieser großen Schar der jungen
Unbekannten, die auf ihre große Chance warten, gehörte auch
bis vor kurzer Zeit Edith W o I f f. Sie studierte zwei Jahre an
der Berliner Reimann-Schule Tanzkunst, insbesondere „Steppen"
und nahm nebenher noch Schauspielstunden. Vielleicht hätte sie
noch lange unermüdlich tagaus, tagein gesteppt, wenn nicht der
als Talententdecker schon oft bewährte Filmregisseur Geza von
Bolvary sie in einem Filmatelier gesehen und beobachtet hätte,
als sie eine kleine und ganz nebensächliche Rolle spielte. Er
belauschte sozusagen ihre ersten Schritte in das Neuland Film.
Und das junge, bewegliche Mädchen mit den großen, erstaunten
Augen gefiel ihm. Er vertraute ihrem Talent und machte sie zur
Partnerin von Heinz Rühmann in dem Bavaria-Film „Lumpazi-
vagabundus", der unter Bolvarys Regie entstand.

Er hat es nicht bereut, denn in dieser ersten großen Filmrolle
bewies Edith Wolff — wie der Regisseur und ihre Partner erfreut
und befriedigt feststellen konnten — eine so erstaunliche Sicher-
heit und ein so angeborenes Spieltalent, daß die meisten gar
nicht glauben wollten, daß Edith Wolff hier ihre erste große
Filmrolle spielte. Als „Mißtrauische" meinten, sie habe sicherlich
schon vorher auf der Bühne gestanden oder vielleicht vorher
schon jahrelang in der Komparserie gefilmt, antwortete Edith
Wolff ganz unbekümmert:

„Nein, ich habe erst vor einem halben Jahr, im Sommer 1936,
mit ganz kleinen ,Filmröllchen' angefangen. Aber vielleicht bin
ich erblich belastet, mein Großvater war nämlich ein hoch-
begabter Schauspieler. Und dann glaube ich auch, daß das
Steppen gerade für Schauspieler sehr gut ist, denn es ,löst'
darstellerisch, macht locker und verhindert, daß man allzu starr
und steif vor der Filmkamera steht und sich bewegt. Steppen
ist eben mehr als eine Tanzform, es ist eine Schulung und ein
dauerndes Training für den ganzen Körper, das Haltung und
Bewegung entscheidend beeinflußt. Gute Stepptänzer sind

neuen Bavaria-Film
(Foto- Bavaria-Film)

meistens auch gute Schauspieler. Das hat sich vor allem in
einigen vorbildlichen amerikanischen Filmen gezeigt. Deshalb
werde ich fleißig weiter steppen und — so die Filmgötter
wollen — weiter filmen."

★ * ★

Erinnerung

„Sie scheinen mich zu kennen, Mütterchen, aber nicht zu wissen,
wo Sie mich unterbringen sollen. Mein Name ist Sumpf."
„Richtig, richtig, jetzt erinnere ich mich! Diesen Sumpf habe ich
vor etwa dreißig Jahren trockengelegt."

Eilt!

„Was laufen Sie denn so?"

„Zum Patentamt lauf ich. Ein neues Sprengmittel habe ich ent-
deckt."

Szene aus dem neuen Bavaria-Film „Lumpazivagabundus"

(Foto: Bavaria-Film)

„Alle Achtung! Und wie soll es heißen?"
„Viktoria-Gießkanne."

Schluß

„Sagt Lehmann eigentlich immer die Wahrheit
oder schwindelt er nur geschickt?"

„Ich vermute letzteres. Denn sonst würden ihm
wohl kaum alle glauben."

Treffend

„Wie nennt man das, wenn eine treffende Bitte
nicht erhört wird?"

„Unerhört!"

Kinderschlauheit

„Großmutter, soll man nicht stets Böses mit
Gutem vergelten?"

„Stets, mein Junge!"

„Dann gib mir eine Mark, ich habe deine Brille
zerbrochen."

Dankbarkeit

Schwere Sitzung. Komplizierter Fall. Uhrendieb-
stahl. Endlich kann Angeklagter Schultz aber doch
freigesprochen werden.

Nach Schluß der Verhandlung nähert sich der
Angeklagte seinem Rechtsanwalt und flüstert
ihm zu:

„Sie haben mich gerettet. Geld besitze ich
leider nicht. Hier, nehmen Sie wenigstens die
Uhr."

6
Index
[nicht signierter Beitrag]: Kinderschlauheit
[nicht signierter Beitrag]: Treffend
[nicht signierter Beitrag]: Schluß
[nicht signierter Beitrag]: Eilt
[nicht signierter Beitrag]: Szenenfoto: "Lumpazivagabundus"
[nicht signierter Beitrag]: Dankbarkeit
[nicht signierter Beitrag]: Erinnerung
[nicht signierter Beitrag]: Szenenfoto: Rühmann und Hörbiger im neuen Bavaria-Film
[nicht signierter Beitrag]: Gut gesteppt ist halb gewonnen
 
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