Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 43.1938, (Nr. 1-52)

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UNSEREM

S K I

ZZENBUCH

Ungläubig

Unvermutet wie zumeist
Rommt die Tante angereist.

Rurz vor Weihnachten. Am Tische sitzt
der achtjährige Sohn des Dauses und
schreibt.

„Via, was schreibst du denn,
fragt die Tante teilnehmend.

„Den Wunschzettel für 's Christkindl",
antwortete der Sprößling.

„Daß dll mir nur ja schon schreibst",
mischt sich die Mutter ein, „sonst kann es
das Christkindl ja nicht lesen, Bubi!"

Die Tante besteht sich den hoffnungs-
vollen Sohn etwas naher, und da er einen
sehr geweckten Eindruck machte, kamen ihr
gewige Zweifel an den: Rinderglauben des
Jungen. „Glaubt er denn noch an das
Christkindl", fragte sie leise die Mutter.

„Nein", sagt der Junge mit Stolz.
Mutter und Tante sind ein wenig entsetzt.
Aber die Tante kann es doch nicht lasten
zu fragen: „Ja warum schreibst dll denn
überhaupt ans Christkindl, wo du so klllg
bist-" „Ja mei", antwortet der Bub,
„Mutti kann doch sonst nichts behalten!"

Bart ist ab

ie Sellche von dem abben Bart hat
sich über den ganzen Erdball verbreitet.
Im hochdeutschen ist der Bart ab, im
plattdeutschen is de Bort af; die Ber-
liner sagen „Barbarossa" oder „der Bart
ist gegen Eintritt im benachbarten Luft-
schutzkeller zu besichtigen" und die Ita-
liener brechen in den Ruf aus: „Barba
cosu", wenn sie einen alten Witz hören.
Ein Auslandsdeutscher, der aus Argen-
tinien kam, wurde von seinen Heffeii
einer gründlichen Leibesvisitation unter-
zogen, bis sie in seinem Paß die Worte
entdeckten: „Barba: af". (was afeitada —
rasiert heißen soll). Bort is af!, schrien
sie vergnügt und fanden, daß Argentinien
ein modernes Land sei.

Ein Mann mit Vollbart steht heutzu-
tage in dem Rufe des ewig Gestrigen, wie
denn auch in Frankreich, dem Lande der
rückständigen Regierungsformen, am
meisten Barte zu finden sind. Nur bei
Einem lasten wir uns den Bart nicht
nehmen — je langer und dichter, desto
bester! und das ist unser guter lieber
Weihnachtsmann, wenn er nicht einen
Bart hat, in dem Vogel nisten können,
sind wir nicht zufrieden. Ein Weihnachts-
mann ohne Bart — unmöglich! Bei

einer Betriebsfeier erlebten wir einen
Weihnachtsmann, der seinen Bart verlor.
Er machte seine Sache ausgezeichnet. Aber

ein Weichnachtsmann ohne Bart ist eben
doch nur ein halber Weihnachtsmann. Er
wirkt wie ein Mann im Frack und braunen
Schuhen, wie eine Dame im Badeanzug
auf einem Tanztee. Und mögen selbst die
Mohamedaner dereinst einmal nicht mehr
beim Barte des Propheten schwören, weil
sie ihn sich nur noch glatt rasiert vor-
stellen können: — Der Bart des Weih-
nachtsmannes muß uns ewig erhalten
bleiben!

Der kürzeste weg

03 ei einem Skiausflug gelangten wir
mit einigen zünftigen Skifahrern, denen
wir uns angeschlosten hatten, in ein Dorf-
wirtshaus. Einer dieser Skigenosten
zeichnete sich durch besondere Rauheit der
Sitten aus. Denn kaum hatten wir die
Tür des Gastzimmers hinter uns ge-
schlossen, spuckte jener mit voller Lungen-
kraft und mit unheimlicher Treffsicherheit
über einen besetzten Tisch mitten aus den
eisernen Ofen an der wand. Auf unsere
erstaunte Frage nach dem Grunde dieses
nicht ganz einwandfreien Benehmens
erhielten wir zur Antwort: „I wollt nur
grad schaug'n, ob eing'heizt is!"

Am Gelde hängt.. .

26as int Deutschen Reiche schon langst
ein Märchen scheint — im Auslande ist es
noch Tatsache. Daß nämlich der Reichtum
eines Volkes am eingebildeten wert des
Goldes und nicht am tatsächlichen seiner
Arbeitskraft und Leistungen gemessen wird.
Rommt man obendrein noch ohne Arbeit
in den Besitz dieses Goldes, so scheint der
Gipfel des Erstrebenswerten erreicht. In
diesem Lichte betrachtet, ist der erfolg-
reiche Spekulant der beneidenswerteste
Mann der Welt. Ein Spekulant in Gold
minen ist ein Mann, der anderen — oft
auch sich selber — einredet, daß er ein
Goldfeld besitze, welches reichliche Aus-
bellte einbringen wird. Auf diesen Glau-
ben hin gründet er mit fremdem Rapital
eine Gesellschaft zur Alisbeutung dieses
wertvollen Grundes. Reiche Goldfelder
gibt es in Alaska und manch ein Gründer
sandte goldhaltige Sand- und Guarzpro
ben nach London als Beweis für die Er-
giebigkeit des Gebietes. Vor Rurzem traf
zum Belege einer reichen Goldader wie-
derum eine halbe Tonne Stein in London
ein. Eine Gesellschaft wurde gegründet,
die dem Minenbesitzer einen anständigen
Rredit eröffnete und ihm ein Telegramm
schickte: „Senkt sofort Schacht und be-
ginllt Abball der Ader!" Einige Tage ver-
strichen, bis eine Antwort eintraf, die die
Gesellschafter an den Schläfen ergrauen
ließ: „werden mit Abbau beginnen, so-
bald Sie Ulis die Ader zurücksenden."

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Redaktioneller Beitrag: Aus unserem Skizzenbuch
Julius Macon: Zeichnungen ohne Titel
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