Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 43.1938, (Nr. 1-52)

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Teint

a ja, Fremdworte sind Glückssache!
Das zeigt ein Ausspruch, der von dein
kühnen, aber bereits wohlgelungenen Ver-
such eines Faschingsballes kurz nach Neu-
jahr herrührt. Eine Schöne, der dort von
einem hübschen Jüngling der Hof gemacht
wurde, mußte das Rompliment über sich
ergehen lassen: „was haben Sie für einen
prachtvollen Teint!" —

„Rein Wunder. Ich wobne ja auch in
der T c n g ftrafie, gab sie schlagfertig zur
Antwort. Ebenso schnell fragte der junge
Ritter zurück: „Nummern" — „Fünfund-

zwanzig", erwiderte die überraschte, „drei
Treppen links. Aber wagen Sie es ja nicht,
dorthin zu kommen, junger Mann! Beson-
ders nicht am Mittwoch Abend zwischen
sechs und sieben, wenn ich allein zu Hause
bin!"

Benebelter Fasching

ie Heiterkeit des Faschings wird heu-
zutage im allgemeinen beim Tanzen errun-
gen. Früher trug der Alkohol wesentlich
mehr dazu bei als heute. Am Aschermitt-
woch gab es keinen, der nicht einen gehöri-
gen Rater hatte und selbst die Schullehrer
waren von dieser Erscheinung in keiner
weise ausgenommen. So ging es auch
unserem alten Geschichtsprofessor Lackner,
den wir im übrigen gut leiden konnten,
da er ein ganz gemütliches Haus war. Als
der Fasching zu Ende gegangen war, be-
stieg Lackner einst mit ziemlich gerötetem
Gesichte und etwas schwankend seinen Sitz.
Er schneuzte und räusperte, brummte Un-
verständliches und ließ unter gespanntem
Aufhorchen der Rlaffe einen Schüler den
Dreißigjährigen Rrieg aufsagen. Allmäh-
lich aber gewannen die alkoholischen Gei-
ster des Faschings wieder Gewalt über ihn,
und sanft entschlief er. Das unterdrückte
Lachen der Rlaste und die eigene Heiter-
keit ließ den Schüler schließlich verstum-
men. Dies brachte Lackner wieder zu sich;
er hob plötzlich den Ropf, schlug mit der
^and auf den Tisch und rief mit tiefem
Baß: „Zahlen!"

Oer „Stotterer"

Herr wurmdobler hatte zwei Ermäßi-
gungskarten erhalten und entschloß sich
daher, seine Gattin ins Theater zu führen.
Man gab „Madame Dubarry". In der
Pause fragte er seine Frau: „Du sag amal,
wer war denn eigentlich die Madame
Dubarryr" „Ja, j kann 's dir auch net so

genau sag'n", erwiderte seine Frau. Nach
einer weile meinte er: „Geh, frag doch
amal den Herrn der neben dir sitzt, viel-
leicht weiß der." Da wandte sich Frau

wurmdobler höflich an ihren Neben-
mann: „Entschuldigen Sic bitte, können

Sie mir vielleicht sag'n, wer die Madame
Dubarry war.

„Das war so eine Rokoko-Rokotte", gab
der Mann freundlich zur Antwort.

Frau wurmdobler nickte dankend und
schaute mit eisigem Schweigen geradeaus.
„No, was hat denn der Herr g'sagt", fragte
dann er wieder. Darauf flüsterte sie ganz
leise: „I Hab 's fei net versteh'« könna,
weißt, i glaub, daß der Herr stottert!"

Die I r> g c n d

Zeichnungen von Ma?on

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Redaktioneller Beitrag: Aus unserem Skizzenbuch
Julius Macon: Zeichnungen ohne Titel
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