Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 43.1938, (Nr. 1-52)

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Reine Zeit zu verlieren

.Aus unserem Skizzenbuch

Musik von Millöcker
cv

Ufa lauft der Film Gasparone, nach
der Operette von Millöcker. Reizender
Film, — dreht sich um zwei paare, die sich
nach den üblichen widerstanden, schließlich
„kriegen", warum in der Ankündigung
aber nur die eine Hälfte des einen Paares
und die andere Hälfte des anderen Paares
genannt werden, ist uns nicht klar, wo
das „Star"wefen bellte angeblich so ver-
pönt ist! Nach unserer Ansicht verdienen
die Träger der Hauptrollen, ob „Stare"
oder nicht, gleichberechtigt nebeneinander
aufgefübrt zu werden. Ohne die Leistung
des entzückenden Tanzgenies Marika Rökk
und des eleganten Johannes Seesters
irgendwie schmälern zu wollen, finden wir
Heinz Schorlommer als den eigentlichen
Partner des feurigen Paprikamadchens
entzückend und Edith Schollwer als Gräfin
Ambrat auch nicht zu verachten. Ferner
wird in den Titelrollen Rudolf Platte,
aber nicht seine reizende Partnerin Ursula
Herking erwähnt, die nach unserer beschei-
denen Ansicht eines der stärksten Nach-
wuchstalente und nicht einmal mehr unbe-
kannt ist. Nun, das ist unser privates
Urteil. Aber wie man sieht, ist cs gefähr-
lich, das Urteil des Publikums vorweg-
zunehmen. Man nenne deshalb jeden auf
dem Platz, der ihm seiner Rolle nach ge-
bührt. Das Publikum kann dann selber
urteilen, wenn wir uns recht erinnern,
stammt die Musik zu Gasparone aus der
Operette von Millöcker. Darum sehen
wir nicht ein, weshalb Peter Kreudcr, der
lediglich eine Bearbeitung vornahm, als
Komponist gefeiert und persönlich auf der
Bühne gezeigt wird. An seine musikalische
Leitung erinnern wir uns mit dem größten
Vergnügen, doch scheint es, daß bei solchen
Bearbeitungen der Bearbeiter mehr in:
Hintergründe bleiben sollte, will er nicht
in den Ruf eines Plagiators kommen.

Sciir

*^aben wir uns im Vorangehenden für
eine „faire" Programmgestaltung eingc-
jetzt, so fehlt uns bei diesem Worte, das
wir getrost mit „anständig" übersetzen
könnten, eine Anzahl von Olympiahymnen
ein, die semerzeit auf einem Wettbewerb
in großen Masten einliefen und von uns
auf ihre Brauchbarkeit zu beurteilen
waren. Gewissenhaft sonderten wir nur
das Gröbste aus, wie z. B. eine Hymne,
der die Gebrauchsanweisung beilag: „Die-
ses von mir erforschte Hymen (!) ist nach
der Melodie: ,Deutsch ist die Saar' zu
singen" und worin der stolze Spruch vor-

kam: In aller Kerzen ist ein Ruf: hinaus
mit Dir! Fremdworte erfreuten sich in
diesen Hymnen großer Beliebtheit, und
unter ihnen besonders das Wort fair, von
dessen Anwendung wir folgende Proben
geben:

Olympe du, nun kämpfe fair,

Scheue den Krieg und sein Salair.
Oder:

Oh es ist die schönste Feier,

Um zu kämpfen stolz und fair.

Am besten aber gefiel uns der Spruch:
Fair und smart — deutsche Art!

Das reuige Beichtkind

^ur Beichte ging Kathi, die sechzig-
jahrige Dienstmagd und klagte sich an, sich
mit einem jungen Manne vergangen zu
haben. — „was;", sagt der Pastor, „Sie
alte Person;"

„Ach, Herr Pfarrer", entgegnete Kathi,
„es ist scho vierzig Joor her."

„Ja, haben Sie das denn noch nie ge-
beichtet;"

„O doch, Herr Pfarrer, dös beicht i
jedesmal!"

„Ja, warum denn das;"

„Ja, Herr Pfarrer, cs ist halt eine so
liebe Erinnerung."


(O" Weihnachten war Onkel Stromeyer
von Amerika herübergekommen, um nach
vielen Jahren einmal wieder das Weih-
nachtsfest im Kreise seiner Lieben zu ver-
leben. Er ist ein betagter alter Jung-
geselle, etwas wunderlich, aber drüben

recht wohlhabend, ja zu deutsch gesprochen,
reich geworden. Und das entschuldigt
manche Schrullenhaftigkeit. Aber auch
wenn der Onkel weniger reich wäre, würde
er die Sympathie seiner Verwandten ge-
nießen. Denn er war, wenn auch etwas
kurz angebunden, doch immer guter Laune,
lind hatte die seltene Gabe, zur rechten
oeit taktvoll wieder abzureisen. Nun war
er allerdings schon etwas klapprig gewor-
den, und seine Verwandten fühlten, daß
es vielleicht das letztemal sein würde, daß
er nach dem alten Vaterlande zurück-
kehrte. Der Onkel schien das auch zu füh-
len, denn er hatte schon sein Testament
gemacht, was er seinen Neffen und Nich-
ten, die inzwischen alle zu jungen Ehe-
leuten herangereift waren, in einer Weih-
nachtsansprache initteilte. Keiner von
diesen jungen Leuten hatte bisher einen
männlichen Erben. Da der Onkel nun
llicht wollte, daß sein Name ausstürbe, -
so verkündete er feierlich — vermache er
hunderttausend Dollar dem, der zuerst mit
einem männlichen Nachkommen aufwar-
ten könne. Den: Onkel wurde daraufhin
allgemein geräuschvoll zugetrunken, Her-
lnann aber, der jüngste unter den Ge-
schwistern, nahm seine blutjunge Frau bei
der Hand und sagte bloß, „Komm Marie!"

D i e I u g e n d

Zeichnungen von M a C- o "

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Redaktioneller Beitrag: Aus unserem Skizzenbuch
Julius Macon: Zeichnungen ohne Titel
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