Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 43.1938, (Nr. 1-52)

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F i e b i g e r

Riechen Sie so gerne Skiwachs, junger Mann?

Dann teeren Sie lieber mein Boot und kommen nächsten Sonntag segeln.

theker schüttelte den Ropf: „Sie werden
wahrscheinlich mehrere Flaschen holen
sollen." „Mir kann es gleich sein", sagte
die Thres gelassen und trug heim, was
ihr der Apotheker in die Schürze legte.

Es waren fünf Flaschen. Eine davon
hat die Thres, die in ihrem Leben noch
keinen Tropfen Rotwein getrunken hatte,
gleich diesen Abend geleert. Sie kam sich
wie im siebten Fimmel vor und vergaß
nicht darauf, den Schloßverwalter, den
Apotheker und den — ersten April hoch-
leben zu lassen.

Die übrigen vier Flaschen trug sie am
nächsten Morgen in den Reller. Aber es
sei gleich gesagt, daß die Thres ihnen
keine lange Ruhe gönnte. An ihrem Ge-
burtstage holte sie die letzte herauf und'
sie bedauerte lebhaft, daß ihr der Apo-
theker nicht zehn Flaschen mitgegeben
hatte.

Der Schloßverwalter hat ja ein dum-
mes Gesicht gemacht, als er eines Tages
auf seinem Schreibtische eine weinrech-
nung liegen sah. Ob und wie er wegen

des Rotweines mit dem Apotheker einig
geworden ist, entzieht sich unserer Rennt-
nis. Die Mauschelthres hat ihn bestimmt
nicht bezahlt.

Es bleibt uns nur noch zu sagen übrig,
daß sich der Schloßverwalter vornahm, in
seinem Leben niemand mehr in den April
zu schicken ...

Liebe fugend!

„Gestern habe ich gesehen, wie ein jun-
ger Mann deine Tochter zu küssen ver-
suchte."

„Gelang es ihm?"

„Nein."

„VTim, dann war es bestimmt nicht
meine Tochter!"

*

„Erlauben Sie, Gnädigste, daß ich
Ihnen meinen Regenschirm anbiete?"

„Aber es regnet doch gar nicht!"

„Das tut nichts, ich habe ja auch keinen
Schirm!"

Von Josef H ü b n e r

26er am ersten April dem Schloßver-
walter Derber begegnete, lies Gefahr, von
ihm in den April geschickt zu werden. Dem
einen oder andern ging gleich ein Lichtlein
aus, die meisten jedoch krabbelten auf
seinen Leim und mußten, wie es eben so
geht, Spott und Hohn über sich aus-
schütten lassen.

Einmal lief ihm just die Mauschelthres
in die Ouer. „Thres", sprach er sie an,
„du mußt mir einen kleinen Gefallen er-
weisen." ,,!!????!!" „Spring schnell zur
Apotheke hinauf und hole für meine
Frau, die wieder so schreckliches Glieder-
reißen hat, eine Schachtel ... Diarrhöe!"
Die Mauschelthres schaute kühdumm und
versuchte zu wiederholen: Eine Schachtel
— — Adirö." „Jawohl, Thres", und er
hatte Mühe, das Lachen zu verbeißen.
„Geld brauchst keines. Der Herr Apo-
theker weiß schon Bescheid. Die Schachtel
bringst mir zum Roßwirt hinunter und
dann bekommst du ein anständiges Trink-
geld."

Via, gute Nacht! Die Gaudi, wenn die
Mauschelthres beim Roßwirt erschien und
vorsagte, was sie geholt hatte!

Obwohl die Thres wie ein kleines Rind
andauernd den verflixten Namen vor sich
hersagte, war er ihr blitzplötzlich doch
entwischt. „Adi... Dia ..." Aber weiter
kam sie nicht mehr, „heilige Mutter
Anna! Dia... Adi..." Die Mauschel-
thres schwitzte.

In der Aufregung hätte sie beinahe
ihre Freundin, die Iakobskuni, über den
Kaufen gerannt, „wohin denn so eilig,
Thres?" „Runi, ich muß dich was fragen,
aber lach mich net aus. Gibt es eine
Arznei, die Adihö oder ähnlich heißt?""
„was?? Adihö??" „Ia, der Schloßver-
walter ..." „So so, der Schloßverwalter
braucht Adihö?" und sie lachte, daß die
Leute auf der Straße stehen blieben.
„Ein Ramel bist, Thres, ein Ramel, so-
weit du warm bist." „!!???!!" „Ia, schau
nur! Heute ist der erste April! Hahahaha!
Aprilochs!" „Eine solche Ungezogenheit!
So ein Rreuzdonnerkeil!" — und die
Mauschelthres schimpfte über den Schloß-
verwalter, was das Zeug halten wollte.

Mit einem Male war sie still. Sie hatte
eine Idee. Iawohl, die Tbres ging in die
2lpotheke und verlangte für den Schloß-
verwalter eine Flasche Rotwein. Der Apo-

1938 / 3UGEND Nr. 15 / 12. April 1938

Einzelpreis 40 Pfennig

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