Schmidt, Richard [Oth.]; Buchheit, Hans [Oth.]; Paulus, Eduard [Oth.]
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg ((Rave)Donaukreis ; Halbbd. 4): Oberamt Ravensburg — Stuttgart, 1931

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Einleitung

zum Schussental verfolgen. In der Hauptsache erscheinen aber die Moränen in Gestalt
einzelner flacher, anscheinend völlig regelloser Hügel aus locker aufgeschüttetem Geschiebe
von verschiedenster Größe vom feinen Sand bis zu den mächtigsten erratischen Blöcken.
Gerade diese regellose, aber sehr großlinige Hügellandschast mit ihren zahlreichen Über-
schneidungen und ihren die Hügel bekrönenden Tannenwäldern ist charakteristisch für einen
Teil des Oberamtsbezirks. Zwischen den Moränehügeln haben sich Seen gebildet, von
denen manche ansehnliche Wasserflächen ausweisen. Auch sie geben der Landschaft einen
eigenartigen, oft schwermütigen Zug. Die höchste Erhebung des Oberamts, eine der be-
deutendsten Erhebungen des oberschwäbischen Alpenvorlandes überhaupt ist die Waldburg
(772 m), von der aus der Blick über die Bodenseelandschaft und die Alpenkette bis ins
Berner Oberland schweift (Abb. 1). Der Altdorfer Wald ist das größte geschlossene Wald-
gebiet des Bezirks und zieht sich von der Waldburg aus gegen 20 üra weit nordwärts in.
der Richtung zum Schussental. Aber auch die übrigen Talhänge deckt meist der Fichten-
wald, der besonders in den Tobeln bei Schmalegg urwaldähnliches Aussehen annimmt.
Das Oberamt ist in deutscher Zeit erst spät besiedelt worden (über die Vor- und Früh-
geschichte s. „Das Königreich Württemberg" IV. Band, Stuttgart 1907, S. 360). Wir
finden zwar vier Ortsnamenendungen auf -ingen, wobei aber fraglich ist, ob es sich bei
diesen ganz unbedeutenden Weilern nicht um späte Bildungen handelt; einige Orte werden
im 9. Jahrhundert erwähnt, die meisten Ortsnamen enden aber auf -Weiler, -Hausen,
-dorf und -Hofen, oder auf -reute, -schwende, -hart, weisen also entweder auf grundherr-
liche Anlage oder auf späte Rodungen hin, wie solche vom 10. bis 13. Jahrhundert im
Oberamt bezeugt sind. Der älteste Ort des Bezirks ist jedenfalls Altdors-Weingarten mit
seiner Martinskirche, ein Stammsitz des Welfengeschlechts. Wichtig wurde der Burgen-
bau, da sich an die Burgen häufig weitere Siedlungen anschlossen (Ravensburg, Wald-
burg u. a.). Für die geistige und künstlerische Kultur des Oberamtsbezirks sind von beson-
derer Bedeutung die Klöster Weingarten und Weißenau, während das Frauenkloster
Baindt, sowie die Klöster in der Stadt Ravensburg hieraus ohne bestimmenden Einfluß
waren.
Das Oberamt besitzt, was auffallend ist, nur zwei Städte, Ravensburg und Weingarten,
von denen letztere erst 1865 Stadtrecht erhielt, und nur 13 Dörfer, daneben aber321 Weiler
und 248 Einzelhöfe. Die Anlage dieser kleinen Siedlungen zieht sich durch das ganze
Mittelalter hin bis in die neueste Zeit. Eine der neuesten Ansiedlungen ist Wilhelmsdorf,
eine Kolonie der Korntaler Gemeinde, die von 1824 an angelegt wurde. Die große Anzahl
der Einzelsiedlungen geht auf die planmäßige Vereinödung zurück, die in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts begann und erst 1816 abgeschlossen wurde. Doch wurden dabei nicht
wie anderwärts die Dörfer abgebrochen.
Als früheste Siedlungen treten neben die Dörfer eine außerordentlich große Anzahl
von Burgen, die meist abgegangen sind (s. Oberamtsbeschreibung 1836, S. 89/90). Von
einem Teil dieser Burgen sind noch die Abschnittsgräben erkennbar, wie z. B. bei der
Haslachburg und der Burg Schmalegg, von der noch im Jahr 1836 Trümmer vorhanden
waren, der Ringgenburg bei Esenhausen, den Burgen von Danketsweiler, Zußdorf und
Hasenweiler, einst mächtigen Wohntürmen, wie solche zu Hatzenturm und Fronhofen noch
erhalten sind. Dazu kommt die Waldburg und die Wasserburg Bettenreute, und, wenn
man will, die Veitsburg.

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