Schmidt, Richard [Oth.]; Buchheit, Hans [Oth.]; Paulus, Eduard [Oth.]
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg ((Rave)Donaukreis ; Halbbd. 4): Oberamt Ravensburg — Stuttgart, 1931

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Ravensburg

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mäßige Anlage der Herrengasse geht auf sie zurück. Dann erst folgt die Anlage der
Unterstadt, wobei anzunehmen ist, daß entlang der alten Straße nach Markdorf, der
Bachstraße, schon Siedlungen außerhalb der ersten Stadtmauer bestanden.
Es erhebt sich die Frage, ob dieser Befund mit den urkundlichen Nachrichten in Ein-
klang gebracht werden kann. K. O. Müller hat die Entstehungsgeschichte Ravensburgs
ausführlich behandelt (Darstellungen aus der württembergischen Geschichte, Heft 8,1912,
„Die oberschwäbischen Reichsstädte" und Ergänzungen zu den Darstellungen aus der
württembergischen Geschichte 1914, „Alte und neue Stadtpläne der oberschwäbischen
Reichsstädte", sowie „die Königszinse in der Reichsstadt Ravensburg im Jahr 1366",
(Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensees, Heft 40, 1911). Auf ihren
Inhalt soll hier kurz eingegangen werden:
Gründung der Burg in der Mitte des 8. Jahrhunderts, Erweiterung zu Beginn des
11. Jahrhunderts. Im Laufe dieses Jahrhunderts wird der Stammsitz der Welfen in
Altdorf-Weingarten durch die Ravensburg überflügelt. Anfänge des Burgfleckens am
Fuße des Oastram Reminsxuro zu Beginn des 12. Jahrhunderts, um diese Zeit St. Mi-
chaelskapelle „in 8nbnrl>io RansnsMrolr" erwähnt. 1130 oder 1131 Zerstörung des Burg-
fleckens, unmittelbar danach Marktprivilegium (Gebizo von Bigenburg, der Stifter des
Klosters Weißenau, wird 1152 an einem Markttage in Ravensburg getötet); erste Er-
wähnung des „kornrn HavsnsxnrAsnss" um 1200. Im gleichen Jahr zollfreier Markt-
verkehr der Untertanen des Klosters Weißenau auf dem Ravensburger Markt. 1218
erscheint zuerst ein seulkekuZ reZis, 1220 die Universitas durAensiuin. Um diese Zeit
Befestigung der Stadt. Seit 1245 erstes Stadtwappensiegel (Tor zwischen Türmen,
darüber das Kreuz von Jerusalem). Um 1250 neue Kapelle zur hl. Maria an Stelle der
heutigen Liebfrauenkirche, d. h. der Schwerpunkt der Stadt rückt nach Westen. 1270 bis
1350 Verdoppelung der Einwohnerschaft, Besiedlung der westlichen Stadthälfte, deren
Ummauerung um 1350 vollendet wird. Bis in diese Zeit wird die Weststadt Vorstadt ge-
nannt, fortan meist nova eivitas, was auf die Vollendung der Ummauerung dieses Stadt-
teils hindeutet. Von 1285 ab bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts tritt die Bezeich-
nung „Neuer Markt", dem häufig der „Alte Markt" gegenübergestellt wird, auf. 1286
Verleihung des Wochenmarkts durch König Rudolf von Habsburg, die vielleicht mit der
Verlegung des Marktes auf den „Platz" zusammenhängt.

Ansichten der Stadt Ravensburg
Die ältesten Ansichten der Stadt Ravensburg befinden sich in der Handschrift des Abtes
Murer von Weißenau, die den Bauernkrieg um Weißenau behandelt; sie entstammen also
der Zeit um 1525. Die Ansichten machen keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit, doch
sind verschiedene Gebäude, wie z. B. Stadttore, der Mehlsack, die Frauenkirche, richtig
wiedergegeben? Ein Ölgemälde in der städtischen Altertümersammlung zeigt eine
Ansicht Ravensburgs aus dem Jahre 1550. Sie ist nicht ohne topographischen Wert,
z. B. hat die Liebfrauenkirche noch basilikale Form und spitzen Turmhelm. In das Jahr
* Siehe Abb. 47 und I. Vochezer, Geschichte des fürstl. Hauses Waldburg, Bd. II, Tafel,
Seite 532.

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