Kallenbach, Georg Gottfried
Atlas zur Geschichte der deutsch-mittelalterlichen Baukunst ((Geschichts-Abriss)): [Geschichts-Abriss] — [1847]

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Als eine positive Frucht unsers dreissi«jährigen Friedens,
erfreut sich Deutschland vielfacher Bemühungen in den Fächern
vaterländischer Alterthums - Wissenschaften. Auch hat Privat-In-
dustrie unserer altheimischen Baukunst so viel Aufmerksamkeit zu-
gewendet als nothwendig war, solche wieder zu gebührender Ehre
zu bringen, eine nur irgend befriedigende Kenntniss dieses kunst-
wissenschaftlichen Zweiges ist indessen noch lange nicht abzusehen.

Unsere Alterthums-Vereine stehen dem grossartigen fran-
zösischen Vrereine gegenüber, vereinzelt da, entbehren theilweise
jeder Einsicht in die Aufgabe der Zeit, und würden ohne einen
Central-Verein, auch wenn die beabsichtigten Versammlungen zu
Stande kämen, nicht viel Erkleckliches beschaffen. Kein Wunder
also, dass namhafte Beiträge zur Geschichte unserer alten Baukunst
durch sie nicht gefördert wurden.

Eben so haben die meisten unserer deutschen Regierungen,
wenn man erwägt, wie viel durch sie für die Kenntniss altgriechi-
scher und altrömischer Kunstweise geopfert wurde, der Pflege
unserer vaterländischen Kunst-Erkenntnis» nicht denjenigen Zu-
schub geleistet, welchen solche um so mehr noch verdienen dürfte,
als die neuere Baukunst überall mit mittelalterlichen Formen umzu-
gehen sich abmüht, und unfehlbar weiter gediehen seyn würde,
wenn man neben andern positiven Bestrebungen, auch officielles
Augenmerk auf unsere mittelalterliche Baukunst gerichtet hätte.*)

*) Weil jede Volksentwickelung durch die Gelehrten zuerst angebahnt, dann durch

sie ins Volk gelragen wird, und nun erst die Reihe an den Baumeister kommt,

die neuen Ansprüche in der Baukunst zu befriedigen, dem Volkscharakter so-
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