Karl-und-Faber-Kunst- und -Literaturantiquariat <München> [Hrsg.]
Bibliophile Kostbarkeiten a. d. Bibliothek d. Augsburger Patriziers Marcus Fugger und Beiträge aus anderem Besitz (Band 2): Illum. Pergament-Manuscripte, Incunabula, Holzschnittbücher und seltene Drucke des 16. Jahrhunderts in kostbaren Einbänden, Musik, Maturwissenschaften u. Medizin, Geschichte und Geographie (Americana), Kolorierte Schweizer Ansichten: 6. und 7. November 1933 (Katalog Nr. 8) — München, 1933

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II: Incunabula

19 Bitonto (Antonius de) Sermones in epistolas dominicales totius anni et qua-
dragesimales. Venedig, Joh. Hamman de Landoia pro Nie. de Frankfordia,
1496. 4". 6 unn. (1. weiß), 64 num. (1. weiß), 4 unn. B1L, Bl. 65—156 num. —
Angebdn. II: Idem. Expositio evangeliorum dominicalium. Ibidem 1496. 4°.
4 unn., 114 num., 1 weiß. BI1. Ldrbd. d. Zt.

Ad I: G.W. 2215; Hain 3224; Pellechet 2407.
Ad II; G.W. 2209; Hain 3222; Pellechei 2403.

Die ersten Bll. im weiß. Rand wurmstichig, sonst frisches Exemplar in gotisch. Einband. (Schließ, fehl.)

20 Blanchellus (Menghus). Commentum et quaestiones super logicam Pauli Veneti.
Treviso, Mich. Mangolus, 10.4,1476. Fol. 1 w., 137 unn. Bll. Holzdeckelbd. mit
blindgepr. Schwsldr. u. Schließe (Schließbd. fehlt).

G.W. 4404; Hain 3227; Br.Mus.Cat. VI, 887.
Erstausgabe, zugleich erster dat. Druck dieser Presse.

Wurmstiche u. kleine Flecken im weiß. Rand, sonst schönes, breitrand. Exempl. (20:28 cm).

21 Boccaccio. De mulieribus claris. (Germanice:) „Hie nach volget der kurcz sin
von etlichen Frowen / von denen johannes boccacius in latin beschriben / hat
vnd doctor hainricus stainhöwel getütschet". Ulm, Joh. Zainer, ca. 1473. Fol.
1 w. BL, 8 unn. Bll., 1 w. Bl., 140 (teilw.) num. Bll. Mit 2 Holzschnitt-
Bordüren und 76 Holzschnitten. Got. Einbd. mit hübsch. Blindpres-
sung und Schließen. (Schließenbänder fehlen).

G. W. 4486; Hain 3333; Proctor 2497; Br. Mus. Cat. II, 521 (incompl.); Schreiber 3506; Schramm, J. Zai-
ner, Abb. 15—96.

Erste Deutsche Ausgabe, zugleich Hauptwerk der Ulmer Holzschneidekunst, mit 2 prächtigen
Holzschnittranken und 76 prachtvollen, altkolor. Tcxtholzschnitten
d. berühmten (nach dieser Arbeit so benannten) ,.Boccaccio - Meisters".
Der unerschöpfliche Reichtum an Episoden aus der antiken und mittelalterlichen Geschichte, wie ihn
Boccaccio zusammengetragen hat, ist von einem der besten Holzschnittmeister bewältigt worden, Die
Illustrationen sind von einer naiven Erfindungskraft und Darstcllungsfrische, wie sie im 15. Jahrhundert
nur selten angetroffen werden. Auch kulturhistorisch sind die Holzschnitte von großem Interesse, so die
guitarrespielende Sappho, die verschiedenen Turnierkämpfe, die Bettszenen, häusliche Betätigungen wie
Spinnarbeiten u. a. m.

Muther S. 21 zählt die Themata der einzelnen Holzschnitte auf. Am Schluß eines Vergleichs mit den
Augsburger Holzschnittbüchern sagt er: ,,Die Zeichnungen sind gewandt und stehen viel höher als alles,
was in Augsburg in den 70er Jahren geleistet wurde. Es sind nicht wie dort die Umrißlinien nur in
rohen dicken Strichen wiedergegeben, sondern die Umrisse sind fein und gerundet, in den meisten
Fällen finden sich auch schon innerhalb der Figuren Schraffierungen. Die Darstellung der Gesichter ist
so weit fortgeschritten, daß ein gewisses seelisches Element in ihnen zum Ausdruck kommt. Gleiche
Holzstöcke werden nie wiederholt. . . ."

Sämtliche Holzschnitte sind in unserem Exemplar von alter Hand künstlerisch ausgemalt nach Art der
besten Einblattholzschnitte, ohne die Holzschnittkonturen zuzudecken, dabei gleichzeitig von sublimem
koloristischem Reiz. Kommt dazu die außerordentliche Breitrandigkeit (20.5:30 cm), eine Reinheit und
Frische des Papiers, um aus unserem Exemplar eine Cimeli© allerersten Ranges zu machen.
Das 1. weiße Blatt (vor dem Textbeginn) ist beschrieben und wurmstichig, auf Blatt 7 (6. Textbl.) ist
eine Zeile mit Gold überhöht und so unleserlich gemacht. Am Schluß der Vorrede Bl. 9 hs. Eintrag
„Ano Christi 1473. Die Buchtruckerey ist erfunden ao 1440". Die fast immer fehlende Darstellung der
Päpstin Johanna (Bl. 134) ■—> in unserem Expl. völlig intakt — ist wohl nur deswegen nicht ausgeschnit-
ten oder überschmiert Verden, weil darunter ein alter Eintrag steht: ,,Dises ungereimte alter weiber
mährl / Von der Päpstin Joanna / ist schon genugsam nicht allein Catholischer seits, sondern auch
erst im vorigen seculo anno 1649 von einem Calvinischen Predicanten David Blondellus . . . gründlich
widerlegt worden . . ."

Interess, Einband d. Zt.: Braun. Kalbldrbd. m. hübscher ornamentaler u. figürlicher (springende Hirsche)
Blindpressung; stellenweise berieben, im allgem. aber wohl erhalten.

— S. Abb. Taf. IV —

22 Bonifacius VIII. Liber sextus decretalium. Joa. Andreae: Super arboribus con-
sanguinitatis et affinitatis. Venedig, Andreas de Bonetis, 22. 5. 1486. Gr.-Fol.
106 Bll. (erst, weiß.) — Angebdn.: II: Clemens V. Constitutiones. Constitutio-
nes extravagantes. Ibidem 13. 6. 1486. Gr.-Fol. 1 weiß., 58 Bll. (letzt, weiß,
fehlt). Holzdeckelbd. d. Zt. mit blindgepreßt. Ldr. (berieben) u. 2 Schließen.

Ad I: G.W. 4878; Hain 3611; Br.Mus.Cat. V, 362.
Schönes, breitrandiges Exemplar.

Fol. al vo (weiß) färb. Wappen. — Fol. a4ro: Prachtvolle färb. Miniatur (Papst mit Buch) auf
blattgehöht, zisel. Goldgrund. — Färb. Initiale ,,B" auf goldgehöht. Grund. — Unterrand: Große
färb. Blumenranke, die sich zwischen den beiden Columncn bis zum Oberrand d. Blattes hin-
zieht und dort erweitert. Von der Ranke im Unterrand umschlossen Wappen d. Familie W i r s u n g,
Augsburg u. Schild mit Initialen d. Max Wirsung.
Ad II: Hain 5436; Br.Mus.Cat. V, 362.

Fol. a 2: Prachtvolle große färb. Miniatur (Papst empfängt aus den Händen d. knieenden Kardinals
ein Buch) auf blattgehöht, zisel. Goldgrund. — I n i t i a 1 e J aui Goldgrund. — Desgleichen große, durch-
laufende färb. Blumenranke ähnlich wie oben bei I, Wappenschild d. Familie Wirsung u.
Initialen d. Max Wirsung wie bei I.

Karl & Faber, Antiquariat, München 2 NW. Karolinenplatz 1
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