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IL Manuscripte.
IL
MANUSKRIPTE
*61 Benedictionale. Latein. Prachthandschrift auf Pergament, ca. 1020—1030,
4°. 116 {u. 1 leer.) Bll. M. 9 ganzseitigen Miniaturen auf Gold-
grund, 4 ganzseitig. Zierseiten u. viel. Initialen. Weißer
Schweinsldrbd. m. Blindpressung (18. Jhdt.).
Literatur: S i g h a r t, Geschichte d. Kunst in Bayern.
Schmid, Christi. Altar, S. 209.
Rohault de Fleury, La Messe [m. 2 Abbildgn. aus unserer Hs.: vol V, 114/115 (Dar-
stellung im Tempel) u. vol. VII, pl. DXLVIII („Messe")!.
Vöge, Deutsche Malerschule um d. Wende d. 1. Jahrtausends, Ms, Nr. XV, S. 149 £.
Bange, Bayerische Malerschule d. XI./XII. Jhdts. S. 55 u. Abb. 48 Taf. 20.
Prachthandschrift auf Pergament, in sauberer, leicht lesbarer Unzial-Schrift, 14 Zeilen, 116 Bll.
(von denen Bll. 2—14 u. Bll. 87 ff, Eintrag d. 14. Jhdts,) m. 9 ganzseitigen Miniaturen
in leuchtenden Farben auf Goldgrund, 4 ganzseitigen Zierseiten und
vielen Initialen in Gold und Farben.
Die Miniaturen, in denen wir noch antiken u. byzantinisch. Einzelheilen begegnen, sind nicht nur
als Meisterwerke d. Buchmalerei d. frühen Mittelalters zu werten, sondern
auch als außerordentlich wichtige ikonographische Dokumente d. Zeit anzusehen,
In dieser Hinsicht ist besonders die erste Miniatur m. d. Darstellung der heil, Messe bemerkenswert,
daher ist sie oft citiert u. oft abgebildet worden, (S. Literatur oben).
Im Einzelnen stellen die Miniaturen dar:
Bl. 15 ro: Celebrierung d. heil, Messe.
Bl. 19 ro: Geburt Christi u, Verkündigung an die Hirten {in 2 Streifen).
BL 24 vo: Anbetung d. Könige.
BL 27 ro: Darstellung im Tempel.
BL 35 ro: Einzug Christi in Jerusalem.
BL 37 ro: Abendmahl.
BL 39 vo: Frauen am Grabe.
BL 44 ro: Himmelfahrt Christi,
BL 46 vo: Ausgießung d. Hl. Geistes.
Unsere Hs., als eine der schönsten aus d. Zeit Kaiser Heinrich' II. d. Heiligen bekannt, war schon
Mitte d. vorigen Jhdts. Gegenstand eingehender Studien. So lesen wir in „Deutsches Kunstblatt" 1847,
Nr. 13, S. 49: ..... Die Öilder schliessen sich in Auffassung, Zeichnung u. Bewegung d. Gestalten,
sowie Wahl d. Farben fast unmittelbar an die Miniaturen im Missale K. Heinrichs II. in München an
und scheinen hervorgegangen aus den Lehren d. Bamberger Schule d. XL Jhdts."
Später hat sich Vöge eingehend mit d. Hs. befaßt (Westdeutsche Zeitschr. f. Geschichte u, Kunst,
Ergänzungsheft VII, Trier 1891: Vöge, Eine deutsche Malerschule um d. Wende d. ersten Jahrtausends)
und schreibt dort üb. die Herkunft: „Uber die Provenienz d, Hs. ist nichts bekannt; einen Anhalt ge-
währt d. Titelbild Bl. 15a: Hier erscheint r. neben Altar (worauf Kelch u. Buch), ein Bischof den Segen
erteilend, ein zweiter1 Geistlicher assistiert ihm; ein dritter (Diakon) links ihm gegenüb. hält ein geöff-
netes Buch vor; links eine Gruppe von Laien; das Ganze in Architektur (perspektivische Ansicht eines
Chores?). Uber d. Bischof in weisser Unziale „Engilmarus eps." Lokale Fixierung ist mir nicht ge-
lungen; mir ist nur ein Bischof dieses Namens im XI. Jhdt, bekannt, dar Bischof von Parenzo, der im
Jahre 1037 der Weihe von Altaich beiwohnte . . , doch , . ist eine Kombination hier nicht gestattet;
jedenfalls ist die Hs. deutsch (bayrisch?)."
Bange (a. a. O.) stellt fest, daß die fragliche Beschriftung „Engilmarus eps" nachträgl. angebracht
worden ist, daß also das Titelbild erst nach Fertigstellung d, Hs. auf die Klosterweihe von 1037 bezo-
gen worden ist u. folgert daraus: „Die Entstehung d. Codex in Niederaltaich ist demnach immerhin
noch möglich, nicht aber unbedingt notwendig. Da ihn der künstlerische Charakter aber nach Bayern
verweist u. auch vorerst noch ein anderer Ort für seine Entstehung nicht wahrscheinlich gemacht wer-
den kann, wird d. Codex mit aller Vorsicht freilich ... auf Nicderalteich lokalisiert werden."
Die Hs, dürfte im wesentlich, vollständig sein. Vöde urteilt darüber (a, a. O. S. 150): ,,Es scheint,
daß die Hs. nicht wesentlich mehr umfaßte; nur kleine Teile fehlen: vorne 1, hinten 2 (leere?) Blätter;
im übrigen reichen die Benedictiones von „vigil. nat. dni." bis „de adventu dni", umfassen also d. ganze
Kirchenjahr. Darauf dann: Sabbato in XII Lectiones, Pro Her agenÜbus etc. . . . der Cyclus ist voll-
ständig, fehlen könnte höchstens eine Darstellung des Todes der Maria."
Besonders muß noch die tadellose Erhaltung d, Codex erwähnt werden vor allem d. fast
unwahrscheinlich anmutende frische Farbenschmelz u, die Leuchtkraft d. Gold-
grundes bei den ganzseitigen Miniaturen wie in gleicher Weise bei den Zierseiten u, Initialen.
— S. Taf. VII —
Katalog der Auktion IX
IL Manuscripte.
IL
MANUSKRIPTE
*61 Benedictionale. Latein. Prachthandschrift auf Pergament, ca. 1020—1030,
4°. 116 {u. 1 leer.) Bll. M. 9 ganzseitigen Miniaturen auf Gold-
grund, 4 ganzseitig. Zierseiten u. viel. Initialen. Weißer
Schweinsldrbd. m. Blindpressung (18. Jhdt.).
Literatur: S i g h a r t, Geschichte d. Kunst in Bayern.
Schmid, Christi. Altar, S. 209.
Rohault de Fleury, La Messe [m. 2 Abbildgn. aus unserer Hs.: vol V, 114/115 (Dar-
stellung im Tempel) u. vol. VII, pl. DXLVIII („Messe")!.
Vöge, Deutsche Malerschule um d. Wende d. 1. Jahrtausends, Ms, Nr. XV, S. 149 £.
Bange, Bayerische Malerschule d. XI./XII. Jhdts. S. 55 u. Abb. 48 Taf. 20.
Prachthandschrift auf Pergament, in sauberer, leicht lesbarer Unzial-Schrift, 14 Zeilen, 116 Bll.
(von denen Bll. 2—14 u. Bll. 87 ff, Eintrag d. 14. Jhdts,) m. 9 ganzseitigen Miniaturen
in leuchtenden Farben auf Goldgrund, 4 ganzseitigen Zierseiten und
vielen Initialen in Gold und Farben.
Die Miniaturen, in denen wir noch antiken u. byzantinisch. Einzelheilen begegnen, sind nicht nur
als Meisterwerke d. Buchmalerei d. frühen Mittelalters zu werten, sondern
auch als außerordentlich wichtige ikonographische Dokumente d. Zeit anzusehen,
In dieser Hinsicht ist besonders die erste Miniatur m. d. Darstellung der heil, Messe bemerkenswert,
daher ist sie oft citiert u. oft abgebildet worden, (S. Literatur oben).
Im Einzelnen stellen die Miniaturen dar:
Bl. 15 ro: Celebrierung d. heil, Messe.
Bl. 19 ro: Geburt Christi u, Verkündigung an die Hirten {in 2 Streifen).
BL 24 vo: Anbetung d. Könige.
BL 27 ro: Darstellung im Tempel.
BL 35 ro: Einzug Christi in Jerusalem.
BL 37 ro: Abendmahl.
BL 39 vo: Frauen am Grabe.
BL 44 ro: Himmelfahrt Christi,
BL 46 vo: Ausgießung d. Hl. Geistes.
Unsere Hs., als eine der schönsten aus d. Zeit Kaiser Heinrich' II. d. Heiligen bekannt, war schon
Mitte d. vorigen Jhdts. Gegenstand eingehender Studien. So lesen wir in „Deutsches Kunstblatt" 1847,
Nr. 13, S. 49: ..... Die Öilder schliessen sich in Auffassung, Zeichnung u. Bewegung d. Gestalten,
sowie Wahl d. Farben fast unmittelbar an die Miniaturen im Missale K. Heinrichs II. in München an
und scheinen hervorgegangen aus den Lehren d. Bamberger Schule d. XL Jhdts."
Später hat sich Vöge eingehend mit d. Hs. befaßt (Westdeutsche Zeitschr. f. Geschichte u, Kunst,
Ergänzungsheft VII, Trier 1891: Vöge, Eine deutsche Malerschule um d. Wende d. ersten Jahrtausends)
und schreibt dort üb. die Herkunft: „Uber die Provenienz d, Hs. ist nichts bekannt; einen Anhalt ge-
währt d. Titelbild Bl. 15a: Hier erscheint r. neben Altar (worauf Kelch u. Buch), ein Bischof den Segen
erteilend, ein zweiter1 Geistlicher assistiert ihm; ein dritter (Diakon) links ihm gegenüb. hält ein geöff-
netes Buch vor; links eine Gruppe von Laien; das Ganze in Architektur (perspektivische Ansicht eines
Chores?). Uber d. Bischof in weisser Unziale „Engilmarus eps." Lokale Fixierung ist mir nicht ge-
lungen; mir ist nur ein Bischof dieses Namens im XI. Jhdt, bekannt, dar Bischof von Parenzo, der im
Jahre 1037 der Weihe von Altaich beiwohnte . . , doch , . ist eine Kombination hier nicht gestattet;
jedenfalls ist die Hs. deutsch (bayrisch?)."
Bange (a. a. O.) stellt fest, daß die fragliche Beschriftung „Engilmarus eps" nachträgl. angebracht
worden ist, daß also das Titelbild erst nach Fertigstellung d, Hs. auf die Klosterweihe von 1037 bezo-
gen worden ist u. folgert daraus: „Die Entstehung d. Codex in Niederaltaich ist demnach immerhin
noch möglich, nicht aber unbedingt notwendig. Da ihn der künstlerische Charakter aber nach Bayern
verweist u. auch vorerst noch ein anderer Ort für seine Entstehung nicht wahrscheinlich gemacht wer-
den kann, wird d. Codex mit aller Vorsicht freilich ... auf Nicderalteich lokalisiert werden."
Die Hs, dürfte im wesentlich, vollständig sein. Vöde urteilt darüber (a, a. O. S. 150): ,,Es scheint,
daß die Hs. nicht wesentlich mehr umfaßte; nur kleine Teile fehlen: vorne 1, hinten 2 (leere?) Blätter;
im übrigen reichen die Benedictiones von „vigil. nat. dni." bis „de adventu dni", umfassen also d. ganze
Kirchenjahr. Darauf dann: Sabbato in XII Lectiones, Pro Her agenÜbus etc. . . . der Cyclus ist voll-
ständig, fehlen könnte höchstens eine Darstellung des Todes der Maria."
Besonders muß noch die tadellose Erhaltung d, Codex erwähnt werden vor allem d. fast
unwahrscheinlich anmutende frische Farbenschmelz u, die Leuchtkraft d. Gold-
grundes bei den ganzseitigen Miniaturen wie in gleicher Weise bei den Zierseiten u, Initialen.
— S. Taf. VII —
Katalog der Auktion IX

