Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Offenbach — Darmstadt, 1885

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OFFENTHAL

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anzunehmen ist. Die Lichtöffnungen der Kapelle sind bis auf eine ausgemauert,
die ebenfalls beim Langhausbau rundbogig umgestaltet wurde. Das Innere hat
eine Länge von 5 m, bei einer Breite von 4,50 m. In die Sockelwand sind in
regelloser Anordnung drei flachbogige Nischen mit Sohlbänken eingelassen. Die
Eindeckung besteht aus einer rippenlosen Wölbung mit Stichkappen von gefälligen,
spielenden Formen aber nachlässiger Behandlung in den Axenlagen. Da und dort
sind Spuren von Polychromirung auf tiefrothem Grunde bemerkbar. Jetzt dient
die Kapelle als Orgelbühne.

Ein silbervereroldeter Kelch mit Patene und Kelcktöifel deutet in seiner „ liturgische

Gelasse. Glocken

glockenförmigen Kuppa auf neueren Ursprung. Dagegen webt in Fuss und Knauf
eine leise Mischung von Gothik und Renaissance, insofern die Grundform des
Knaufes dem eothischen Gesetz folgt, während die daran herabhängenden Akanthus-
blättchen nebst den Linien im Fuss der neueren Kunstform huldigen. Die auf
der Innenseite des unteren Randes gravirte Inschrift »J . G . M . past. I. J . praet.
Offenthal A° 172g« kann sich nur auf die Anfertigung der jüngeren Kuppa
beziehen. Die übrigen Bestandtheile stammen aus dem Anfang des 16. Jahr-
hunderts. — Von den beiden Glocken ist die eine neu, die andere gehört dem
vorigen Jahrhundert an und trägt die Inschrift:

GOS MICH IOHANN GEORG UND IOHANNES

SCHNEIDEWIND IN FRANCKFURT ANNO 1768.
Den Ort umgab in früheren Zeiten ein breiter Graben, welcher theils von Befestigung
Wasserläufen durchzogen, theils mit dichtem Gesträuch (Gebück) bepflanzt war. Zwei
Thore vermittelten den Verkehr nach aussen. An die ehemalige bäuerliche Be-
festigung erinnern die Flurnamen »hinterm Graben«, »vor der alten Port« und
»vor der neuen Port«. Spuren des Wehrgrabens sind an mehreren Stellen noch
jetzt erkennbar.

Literatur. Alberus, Erasmus, Buch der Tugent und Weissheit, Frankfurt 1520, S. 82. —
Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde, Darmstadt, IX, S. 524 u. 525.
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