Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

aufsteigen, schon Renaissancemotive zeigt. Im Spitzbogen die Jahrzahl 1618. Das
Schiff ist geradlinig abgeschlossen und hat rundbogige Doppelfenster, je 3 nach
Norden und Süden, welche innen in einer mit Stichbogen abgeschlossenen Nische
stehen. Aussen werden die Ecken des Stichbogens über den Fenstern abgerundet,
und es entsteht ein ganz formloser Abschluss. Die Fensteranlage kann übrigens
dem 17. Jahrhundert angehören.
Funde In Blödesheim sind Bronzefunde gemacht worden. *)

DALSHEIM

Aligemeines FARRDORF, westlich von Worms; unter dem Namen Dagolfesheim

kommt es im Lorscher Codex von den Jahren 765 bis 886 vor. Im
früheren Mittelalter gehörte es den Grafen von Leiningen. Im Jahr
1395 verzichtete Graf Friedrich von Leiningen zu Gunsten des Pfalz-
grafen Ruprecht bei Rhein auf alle Rechte und Ansprüche an das Dorf Dalsheim
und empfing dafür ein Viertel des Dorfs von dem Pfalzgrafen zu Lehen. Ueber
die Veräusserung Friedrichs entstanden Irrungen in der Leiningen'schen Familie,
die 142g Pfalzgraf Otto von Mosbach im Sinne der Aufrechterhaltung des Vertrags
entschied. Nach dem Erlöschen des Friedrich'schen Mannsstammes fiel der vierte
Teil von Dalsheim auch noch an die Pfalz, und das Dorf blieb seitdem bei
derselben bis zu den grossen Umwälzungen des vorigen Jahrhunderts.

Dalsheim hat drei kirchliche Bauten. Unter denselben nehmen die romanischen
Türme der katholischen und der einen evangelischen, der früheren reformierten
Kirche ein besonderes Kunstinteresse in Anspruch. Es sind Bauten einer hoch-
entwickelten Richtung des romanischen Stils, welche ihre verwandten Bauten in den
Türmen von Hochheim und Bechtheim haben und einer in Worms blühenden
Schule zuzuschreiben sind. **)

Die katholische Pfarrkirche (a. des Planes, Fig. 17) ist die alte mittelaltrige
Pfarrkirche, die den h. Petrus und Paulus geweiht ist. Nachdem sie in der Refor-
mation an die Reformierten gelangt war, wurde sie 1706 den Katholiken übergeben,
wofür jene die Marienkapelle erhielten. In den 1780er Jahren wurde das Kirchen-
gebäude ausser dem Turm und den Umfassungsmauern des Chors niedergelegt
und ein Neubau durch den Wormser Dompropst und das Wormser Domkapitel
errichtet, dessen Weihe am 4. September 1785 stattfand.

Kath. Kirche

*) S. Lindenschmit, Alterthümer der heidn. Vorzeit, Bd. I, 5, 4. Bd. I, 12, 2.

**) Ueber die Türme s. Schneider im Korr. Bl. des Gesamtvereins 1876 Nr. 5 S. 39.
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