Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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HERRNSHEIM

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des Wormser Domes stammen. Auch der viereckte Schillerturm ist mit ähnlichen
Medaillons geschmückt. Der obere Teil desselben, namentlich der Fries erscheint
als modern. Von den Medaillons deutet wenigstens eines auf die Herkunft vom
Wormser Kreuzgang, dasjenige mit dem Wappen des Erbauers desselben, des
Johann von Dalberg. Ein aus alten Bruchstücken im Renaissancestil zusammen-
gesetztes Portal trägt eine Inschrift, wonach im Jahr 1590 Wolfgang von Dalberg,
dessen Frau eine geborne von Ulner war, das Fundament eines nun vollendeten
Hauses gelegt habe. Wir haben hier an den 1616 verstorbenen Wolfgang von Dalberg
zu denken, dessen Gemahlin 1606 starb, ohne freilich entscheiden zu können, wo
das in Rede stehende Haus belegen war.

Was das Innere des Schlosses anlangt, so hat der jetzige Besitzer die innere Schlossinneres
Einrichtung, wie sie Emmerich josef von Dalberg dem Schlosse gegeben hatte,
beibehalten. Dasselbe giebt hienach ein wahres Bild der Ausstattung eines Palastes
aus den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts. In den Zimmern befinden sich
noch eine Sammlung von Kupferstichen nach Werken bedeutender älterer Meister,
ausserdem eine Kollektion Handzeichnungen späterer italiänischer und niederländischer
Meister, ferner Geräte in Porzellan etc. Auch das Dalberger Archiv ist noch
vorhanden. In Ol gemalte Fürstenbilder finden sich in der Halle des Schlosses.
Sie sind durch Beischriften bezeichnet und stellen folgende Personen dar:

Prinz Christian von Zweibrücken.

Kurfürstin Elisabeth, Prinzessin von Sulzbach, erste Gemahlin des Kurfürsten

Karl Theodor.
Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz.

Prinzessin von Sulzbach, Gattin des Prinzen Friedrich von Zweibrücken.

Prinz Friedrich von Zweibrücken, Vater des Königs Maximilian von Bayern.

Das Pfarrhaus hat über der Eingangsthür ein in Rokokoformen gut ausge- Pfarrhaus
führtes Allianzwappen von Dalberg und Eitz und darüber die Statue der h. Jungfrau.
Uber der Thüre des Hauses Nr. 13g sehen wir in einer Nische die Figur der Privatbauten
Jungfrau mit der Inschrift: Tota • pulchra • es • amica • mea • et • macula • non • est •
inter • cant • I • V • I • P • H • E ■ H • 1 769. An dem gleichen Hause die Hausmarke
eines Küfers. Das Haus Nr. 197 hat über der Thüre einen mit sich kreuzenden
Rundstäben ornamentierten Stichbogen und die Jahrzahl 1553. Am Thor lesen
wir 1596.

Die Ortsbefestigung von Herrnsheim ist noch in ihren Hauptbestandteilen Ortsbefestigung
mit Ausnahme der Thore erhalten. Sie bestand in einer Mauer mit davor liegen-
dem Graben und einem Wall am äusseren Grabenrand. Der Graben wird urkund-
lich 1445 erwähnt. Diese Befestigungsanlage zieht sich noch im Westen, Süden
und Osten um den Ort, sowie auch zum Teil noch im Norden; im Nordwesten
liegt das Schloss. Die noch erhaltenen zwei Türme sind oben erwähnt. Ein dritter,
ehedem hinten offener Turm unweit des Wormser Thores ist jetzt in ein Haus
verbaut, an welches man von der Hauptstrasse aus durch eine Sackgasse gelangt.
An die innere Seite der Mauer sind zum Teil Häuser angebaut. Im Südwest und
Nordost bilden Graben und Wall jetzt einen Bestandteil des Schlossparks. Drei
Thore waren vorhanden, das Petersthor im Westen, das Unterthor im Osten und
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