Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

Page: 216
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KREIS WORMS

Fig. 105. Worms, Liebfrauenkirche. Fig. 106. Worms, Liebfrauenkirche.

Fenster der nördlichen Querhauswand. Fester der südlichen Querhaustvand.

teils zwei, teils dreiteilig mit verschiedenem Masswerk, in welchem jedoch das Fisch-
blasenmotiv fast durchweg auftritt. Der Chor ist, wie das Mittelschiff mit den
Seitenschiffen, mit dem Chorumgang durch Bogenöffnungen verbunden, aber wieder
von diesen durch niedrige, mit Bogenfries versehene Mauern getrennt. An den
Pfeilern finden sich die untenstehenden Steinmetzzeichen.

Chorumgang Der Chorumgang zeigt eine interessante Wölbung. Da derselbe ebensoviele

Polygonseiten hat, als der hohe Chor, so wird derselbe durch die die Polygon-
ecken verbindenden Querrippen in Paralleltrapeze zerlegt. Diese sind bei den ersten
beiden dem Chorschluss zugehörigen Umgangsjochen durch eine Diagonalrippe in
zwei, bei den drei anderen durch je zwei nach den Mitten der äusseren Polygon-
seiten geführte Rippen in drei dreieckige Felder geteilt, welche wiederum durch
drei in einem Schlussstein sich vereinigende Rippen in je drei Kappen zerfallen.
Diese Anordnung verlangte wie an den Ecken, so auch in den Mitten der drei
östlichsten äusseren Polygonseiten Strebepfeiler und veranlasste die Anlage von je
zwei Fenstern auf jeder dieser Seiten, so dass der Umgang in Folge dessen eine
sehr reichliche Beleuchtung erhalten hat. Die westlichen, die Verlängerung der
Seitenschiffe über das Querhaus hinaus bildenden Umgangsjoche haben einfache
Kreuzgewölbe. Die Gewölberippen des Umgangs haben ein aus Birnstab und seit-
lichen Hohlkehlen zusammengesetztes Profil, während die des Langhauses und hohen
Chors nur mit Hohlkehlen gebildet sind. Die Rippen beginnen wie in den Seiten-
schiffen über Diensten mit Laubwerkkapitellen und aus zwei Höhenabteilungen
bestehenden Sockeln. Die in den Mitten der Polygonseiten angeordneten Dienste
sind in der Höhe der Fensterkaffgesimse auf Konsolen vorgekragt, von denen
einige die Form von menschlichen Figuren haben. Wir sehen die Figur eines
Engels und zwei Gestalten, die eine jugendlich, mit einem Spruchband, die andere
mit langem Bart, einen Schild haltend. Es ist wohl der Meister des Baus mit
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