Hager, Georg [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,5): Bezirksamt Burglengenfeld — München, 1906

Page: 156
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V. B.-A. Burglengenfeld.

IS6
in Dietldorf. Seltsam mutet der Rokokobau des Zieglerschlosses in Schmidmühlen
an. Einfache Bauten des 18. Jahrhunderts sind die Schlösser in Steinberg, Teublitz,
Naabeck, Winbuch.
Reste von Ringmauern, Türmen und Toren haben sich in den Städten und
Märkten Burglengenfeld, Kallmünz, Schmidmühlen und Schwandorf erhalten.
In der Grundrißanlage verdienen besondere Beachtung Burglengenfeld und
Schwandorf.
Einfache Rathäuser aus der Renaissanceperiode bilden einen Schmuck von
Burglengenfeld und Kallmünz.
Bürgerhäuser von Interesse finden sich in Burglengenfeld, Schwandorf (Haus-
inschriften), Schmidmühlen und auch in Kallmünz (Hausmalereien).
Als stattlicher, breit hingelagerter Giebelbau stellt sich der spätgotische Pfarr-
hof in Schwandorf von 1491 dar, inmitten alter Baumgruppen ein malerisches
Bild bietend.
Eine steinerne Brücke aus dem 16. Jahrhundert führt in Kallmünz über die Naab.
Die alten Bauernhäuser der Gegend zeigen gewöhnlich Wohnräume, Stall und
Scheune unter einem Dach. Holzhäuser sind jetzt selten geworden, waren aber
früher die Regel. Vereinzelte Holzhäuser z. B. in Teublitz, in Krachenhausen, in See.

111. PLASTIK.
Die erhaltenen Denkmäler der Plastik setzen erst in der Zeit um 1400 ein,
mit dem Steinrelief der Kreuzigung Christi aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und
der Steinfigur des Schmerzensmannes um 1400, beide an der Friedhofkapelle von
Burglengenfeld. Um r4oo ist auch die aus Stein gearbeitete Pieta im Pfarrhof zu
Schwandorf entstanden.
Von der zweiten Hälfte des ig. Jahrhunderts an werden die Skulpturen ver-
hältnismäßig zahlreich. Spätgotische Holzfiguren finden sich: von ca. 146g in Groß-
saltendorf, von ca. 1470 in Wiefelsdorf, von ca. 1480 in Bergheim, Duggendorf,
Leonberg, Schwandorf, vom Ende des rg. Jahrhunderts in Dietldorf, Emhof, Kirchen-
buch, Tegblitz, Wiefelsdorf, Winbuch, von ca. rgoo in Burglengenfeld, Hochdorf,
Kallmünz, Naabsiegenhofen, Pilsheim, Wischenhofen, vom Anfang des 16. Jahrhunderts
in Burglengenfeld, Ettmannsdorf, Teublitz, aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
in Großsaltendorf. Von besonderem Interesse sind darunter die Figuren von Maria
und Johannes in Traidendorf, beide voll tiefsten Schmerzes und innerster Erregung.
Das Gnadenbild in Kirchenbuch ist, dem Kopftypus nach zu urteilen, vielleicht von
der Nürnberger Schule beeinflußt, übrigens ein etwas derbes Werk.
Einfache spätgotische Grabsteine sind in Haselbach (mit Wappenschild) und
in Leonberg (mit großem Kreuz). Ein vorzügliches Werk der spätgotischen Grab-
plastik ist die leider sehr beschädigte Rotmarmorplatte an der Friedhofkapelle in
Kallmünz, knapp aus der Zeit um igoo (etwa 149g—igoo) stammend. Da diese
reich skulpierte Platte 1626 nochmals als Grabstein für den Schloßbesitzer des nahen
Traidendorf benützt wurde, wobei die spätgotische Skulptur auf die Unterseite zu
liegen kam, so besteht die Möglichkeit, daß der Stein in der Spätgotik seiner
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