Hoffmann, Richard [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,6): Bezirksamt Cham — München, 1906

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VORWORT.

Mit dem Bezirksamt Cham berührt die Denkmäierinventarisation die engere
Heimat zweier Männer, die in der Geschichtsforschung der Oberpfalz eine ehrenvolle
Stelle einnehmen: ScHUEGRAF und PLASS. Unser Werk erntet vielfach von dem
Samen, den sie ausgestreut; es geziemt sich, daß wir der beiden dankbar gedenken.
JOSEPH RUDOLF ScHUEGRAF wurde am 8. Februar 1790 in Cham geboren.
Schon frühzeitig beschäftigte er sich mit Ortskunde. Und nachdem er 1823 als
Oberlieutenant pensioniert worden war, widmete er seine ganze Tätigkeit ausschließlich
der Heimatgeschichte und der Sammlung ihrer Denkmäler, rastlos und unermüdlich,
tiefgreifend und weitblickend, in wahrhaft vorbildlicher Begeisterung. Aber die Zeit,
die noch unter dem Banne der Umwälzungen vom Anfänge des 19. Jahrhunderts
stand, war ScHUEGRAFS Bestrebungen nicht günstig. Nur allmählich vermochte er
für seine Arbeiten Interesse zu wecken. Vielfach verkannt, des äußeren Erfolges
entbehrend, beschloß ScHUEGRAF am 28. Oktober 1861 in Regensburg sein ent-
sagungsvolles Leben in Dürftigkeit, ja in Armut und Mangel. Nur mit Rührung
vermag man die treffliche Biographie zu lesen, mit welcher der beste Kenner der
Geschichte der Oberpfalz, GRAF Huco VON WALDERDORFF, im 27. Bande der Ver-
handlungen des Historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg dem hochver-
dienten Manne ein dauerndes Denkmal gesetzt hat.
In der Kunstgeschichte ist ScHUEGRAFS Name vor allem bekannt geworden
durch seine reichhaltige Geschichte des Regensburger Domes (1847—1858). Die
Bedeutung dieses Werkes werden wir erst voll ermessen, wenn wir uns erinnern,
daß die Bearbeitung der Denkmäler damals noch in den Anfängen lag. Aber der
Verfasser, welcher der kunstgeschichtlichen Erkenntnis von der Entstehung unserer
gotischen Gotteshäuser ganz neue Quellen erschlossen hatte, blieb der bescheidene
Forscher, der keine laute Anerkennung suchte. Zeugnis davon gibt eine Episode
in der Generalversammlung des christlichen Kunstvereins in Regensburg 1837. Als
in der öffentlichen Sitzung dieser Generalversammlung am rg. September Professor
KREUSER aus Köln auch von den Verdiensten unseres ScHUEGRAF um die Erforschung
der mittelalterlichen Kunst sprach und zum Schlüsse ausrief: »Wo ist ScHUEGRAF,
der Ehrenmann? Er verdient unter uns der erste zu sein!«, da ergab es sich, daß
der Gefeierte nicht anwesend war. In echt bayerischer Bescheidenheit hatte der
anspruchslose Mann gar nicht daran gedacht, daß der Verfasser der gründlichen
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