Karlinger, Hans [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (3,1): Bezirksamt Ochsenfurt — München, 1911

Page: 262
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1. B.-A. Ochsenfurt.


Chorhaupt wenigstens nach außen gerade schließt. (Kunst- und Altertumsdenkmale
im Königreich Württemberg, Jagstkreis, S. 637 ff.) In Tückeihausen ist diese An-
nahme aber nach den ausgeführten Gründen nicht denkbar.
Für die zeitliche Entstehung ergeben sich folgende Anhaltspunkte. Die romani-
schen Details der Ostwand und damit der gerade Schluß des Chorhauptes sind stil-
geschichtlich zwischen 1200 und 1230 anzusetzen. Das Gründungsjahr ist 1138.
Demnach müßte die Kirche zuerst nach einem Schema disponiert gewesen sein,
welches den halbrunden Apsiden den Vorzug gab. Am nächstliegenden wäre es,
eine derartige Plananlage auf das Vorbild des Würzburger Domes zurückzuführen.
Ein weiteres Analogon wäre die erwähnte Propsteikirche zu Kleinkomburg, ein
Hirsauer Schulbau, der in den Details wieder an den Würzburger Dom erinnert.
Allen drei Kirchen ist die Anlage der Seitenkonchen aus der Mauerdicke, auf die
oben S. 238 schon verwiesen wurde, gemeinsam. Dieser Annahme entspricht der bei
DEHio-BEZOLD I, 334 geschilderte Entwicklungsgang, wonach sich Hirsauer und
Cistercienser-Bauweise — für die Prämonstratenser darf, wie erwähnt, das gleiche
vorausgesetzt werden — im 12. Jahrhundert wiederholt berühren. Vermutlich trat
aber dann noch während des Baues eine Planänderung ein, die zu dem geraden
Chorschluß mit Kapellenanbauten führte. Baugeschichtliche Nachrichten fehlen aus
derZeit völlig, die früheste Nachricht datiert von 1297. (Vgl. oben S. 233.) Aus dieser
Zeit kann der heutige Bestand mit seinen romanischen Formen nicht stammen. Eine
endgültige Rekonstruktion der ursprünglichen Anlage scheint bei dem gänzlich irri-
tierten Bestände ausgeschlossen. Nach dem Vorhandenen muß aber als sicher
erachtet werden, daß zu Beginn des 13. Jahrhunderts der Hauptchor mit Kapellen
ausgestattet war. Die Analogie der Detailformen scheint nach Schwaben zu weisen,
jedoch lassen sich auch hier keine festen Behauptungen aufstellen.
Eine weitere, baugeschichtlich nicht mehr sicher zu entscheidende krage ist
die nach der Entstehung des einschiffigen Langhauses. Daß für die Prämonstratenser-
klosterkirche von Anfang an ein einschiffiges Langhaus geplant gewesen wäre, darf man
nicht voraussetzen. Ob aber nun die Restauration von 1297, von der sich sonst
keine Spuren erhalten haben, die Kirche mit einem solchen versah, oder ob das-
selbe nach der Umwandlung in ein Kartäuserkloster erbaut wurde, konnte nicht
konstatiert werden. Dem wiederholt angeführten Plan um 1610*) zufolge war das
Langhaus jedenfalls schon vor dem Umbau von 1613—1616 einschiffig. Anzeichen
von Veränderungen, die auf eine ältere dreischifhge Anlage schließen lassen würden,
wurden nirgends beobachtet. Auch darf nicht außer acht gelassen werden, daß die
Kartäuser nach ihren Ordensgepflogenheiten in der Regel nur einschiffige Kirchen
besaßen. Die diamantierten Lisenen an der Westseite (vgl. oben S. 261) sind noch
kein sicherer Beweis für einen Bau um 1613, da sie sehr wohl anläßlich des Um-
baues vorgeblendet worden sein können.

') An dieser Steife sei nochmals darauf hingewiesen, daß der genannte Plan nicht fest
datiert ist. Aus den dem Plan beiliegenden Voranschlägen geht aber unzweifelhaft hervor, daß
er kurz vor der Einwölbung gemacht sein muß. Diese gehört stilgeschichtlich in die Zeit um 1600,
d. h. also in die Bauperiode 1613—töiö. Daß dieser Plan sich aber nur auf die Anlage der
Wölbung und nicht etwa auch auf die Erbauung des Langhauses bezieht, ergibt sich ebenfalls
aus den dazugehörigen Kostenberechnungen, die ausdrücklich von einer Aufführung von Wand-
pfeilern für die Wölbung — die übrigens nicht zur Ausführung kamen — sprechen. Wäre das
Langhaus kurz vor dem Wölbungsprojekt gebaut worden, so hätte man voraussichtlich schon gleich
die nötigen Maßnahmen zu einer späteren Einwölbung getroffen.
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