Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Seite: 99
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm4bd1/0117
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
AMT WERTHEIM.

EULSCHIREEN.

99

ehemaligen Haupt-Eingange im Westen angebracht war. Der Stil des Reliefs in seiner
unbeholfenen Formgebung und mangelhaften Gruppirung weist ebenso wie das Zickzack-
Ornament auf romanische Zeit hin. Wir sehen in leicht verständlicher Symbolik einen
Widder mit Kreuzesstab (althergebrachtes Symbol Christi) dem Wolfe (Symbol des bösen
Feindes) gegenübergestellt. (Vgl.- eine im Stil ähnliche Darstellung an der Kirche zu
Bietenhausen im Hohenzollern'schen, abgeb. in: Bau- u. Kunstdenkmäler in den Hohen-
zollern'schen Landen, Stuttgart 1896 S. 55).
Glocken.- •'.-

1. Die ältere grössere Glocke mit folgender schlecht lesbarer Inschrift in goth.
Majuskeln, die rückwärts laufen und zum Theil auf dem Kopf stehen:

HUARIJ'O/BAflflBBK/ IJA'Z.OIBOrC

Osianna ? Gloriosus

2. die kleinere Glocke v. J. 1361 mit folgender Inschrift in goth. Minuskeln:

® ttttrtuä ® triunfaitä @ itiüi ® na^ercnu^ ® rejc ® tnöcomm ® anno ®

Üni ® tn° ® ttt° ® LXI ®; älteste datirte Glocke der Diöcese Wertheim.

Glocken

EULSCHIRBEN

Aeltere Namen: Ulscirben (ula alth.-Topf; scirbi-Scherben), Aulschirben, Eulscherben,
Eilschirben, Eulscharben etc.

Hof und Mühle.

Die Mühle als solche bereits 1245 urkundlich (Werth. Archiv) erwähnt und an-
scheinend anfangs den Rosenbergs, dann dem Bronnbacher Kloster gehörig; ging im
Jahre 1592 aus dem Besitze eines gewissen Hans Heilig (Heileken) um 4100 fl. in den
der damaligen Besitzer von Gamburg, der Vettern 'Hartmut d. A. und Hartmut d. J. von
Kronenberg über, nachdem die dem Kloster schuldigen Gefälle bereits 1572 von Abt
Johannes von Brohnbach an die Gamburger Herrschaft um 240 fl. verkauft worden waren.
[Die Series Abbatum (s. unter Litteratur-Verzeichniss zu Bronnbach) berichtet, dass die
Mühle 1397 von Konrad d. Ä. von Uissigheim dem Kloster geschenkt worden sei, die
Historia monasterii Bronnbacensis des P. L. Kraemer (s. ebenda) dagegen, dass sie 1320
von Eberhard von Rosenberg durch Tausch für das Kloster erworben sei. Jedenfalls
heisst sie in einer Urkunde vom Jahre 1328 (Werth. Archiv) noch: molendinum Eberhardi
de Rosenberg«].

Die mit der Melusinen-Sage zusammenhängende hübsche Fries'sche Erzählung von
der Liebe eines Gamburger Grafen und einer in der Mühle hausenden Wassernixe ver-
öffentlicht im Archiv des Histor. Vereins v. Unterfranken und Aschaffenburg XIV, 1. Heft,
S..179 ff.

Die alte Herrschaftsmühle, welche im Verein mit "einigen Wirthschaftsgebäuden
und Hütten den Hof bildet, ist ein langgestrecktes, zweigeschossiges, massives Gebäude
mit der Hauptfront nach der Hofseite, mit der Rückfront nach der Tauber zu. In der Mitte
der Hauptfront springt ein achtseitiger Treppenthurm vor, der über dem schönen
Sandstein-Portal das Kronberg'sche und Brendel'sche Wappen zeigt (s. u.). Die steinerne,
breite Wendelstiege des Innern soll bis zum Wasserspiegel der Tauber hinab führen (jetzt

7*
loading ...