Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Tauberbischofsheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1898

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io2 KREIS MOSBACH.

in Frieden beigelegt wurde. Im Laufe des XVI. Jhs. war Lauda abermals an die Grafen
von Rineck verpfändet und bei den verschiedenen Erb vertragen, zuletzt 1541,
Gegenstand von Abmachungen. Kurze Zeit darauf, wohl vor dem Aussterben der
Rineck (1559), muss aber Würz bürg die Herrschaft Lauda wieder an sich gezogen
haben, denn 1552 forderte Albert von Brandenburg von Würzburg u. a. die
Aemter Mainberg, Volkach und Lauda. Urkundlich besass Würzburg 1587 zu Unter-
und Ober-Lauda hohe und niedere, geistliche und weltliche Obrigkeit, vom grossen und
kleinen Zehnten zwei Drittel, die Pastorei ein Drittel. Zum Amt Lauda gehörten vom
Anfang des XVI. Jhs. an: Lauda, Oberlauda, Beckstein, Distelhausen, Heckfeld, Marbach
und ein Theil von Unterbaibach. Bis 1803 würzburgisch, bis 1806 leiningisch.
Schon seit Anfang des XHL Jhs. treten ritterliche Dienstmannen auf, die sich nach
Lauda benannten: so 1233 Albertus Dume de Luden mit seinen Söhnen Albertus
und Hartmodus, 1245 Wienandus et Albertus fratres de Ludin u. s. f.
Auch andere fränkische Adelige sassen hier, z. B. 1371 KunzVend, der Edelknecht,
1376 Albrecht Steynman, Edelknecht, 1571 Hans Krüppel, Edelmann, 1383
Konrad von Waltecke. Begütert waren zu Lauda u. a. die Sützel von
Mergentheim, die Zobel (Zobelhof) und das Kloster Gerlachsheim. Die Herren
von Zobel besassen überdies 1539 bis 1803 das sogen. Burglehen zu Stadt Lauda.

Lauda verdankt sein Aufblühen hauptsächlich dem Umstände, dass es in Besitz
Kaiser Ludwigs des Bayern kam. Am 22. November 1344 verlieh er ihm die
Stadtrechte von Rottenburg und befreite es am 29. November desselben Jahres auf
10 Jahre von Steuern, damit sie auf die Mauern und Bauten in der Stadt verwendet
werden könnten. Aus dieser Zeit stammt also offenbar die Befestigung der Stadt mit
Mauern, Thürmen, Wall und Graben, deren Reste heute noch vorhanden sind (s. unten).
Wenn in der Urkunde des Pfalzgrafen Otto von 1435 zwischen Schloss und Burg Lauda
unterschieden wird, so lässt sich vielleicht daraus schliessen, dass auch ein Schloss in Lauda
vorhanden war, das später als Wohnung der würzburgischen Amtleute gedient haben mag.
Lauda war alter Centsitz mit Hochgericht, dessen Bezirksumfang wiederholt zu
Streitigkeiten zwischen Mainz und Würzburg führte. Im Jahre 1594 erliess Bischof
Julius von Würzburg eine neue Centordnung, nachdem er bereits 1590 eine
neue Stadtgerichtsordnung gegeben hatte.

Die Bürgerschaft von Lauda betheiligte sich, hauptsächlich durch den lutherischen
Pfarrer Lienhard Beys (von Heidelberg) veranlasst, in hervorragender Weise am
Bauernaufstände und musste nach der Niederlage bei Königshofen entsprechend dafür
büssen. Noch soll die Stelle an der Tauberbrücke, wo im Juli 1525 auf Befehl des in
Lauda persönlich anwesenden Bischofs Konrad von Würzburg acht Bürger von hier
und der Umgegend enthauptet worden sind, durch einen Bildstock (s. unten) bezeichnet sein.
Um die Summe von 150 fl. befreite i. J. 1546 Melchior von Zobel, Bischof
von Würzburg, die Stadt von der Leibeigenschaft, die in beschränkter Weise nach dem
Bauernkriege eingeführt worden war, d. h. die Bewohner von Lauda, die schon vorher
alle persönlich frei waren, sollten dies von nun an, wie früher auch, bleiben, wenn sie
sich an andern Orten niederliessen. Bischof Julius verlieh ausserdem am 14. August 1584
zu dem bisherigen Jahrmarkt auf Jakobi (Kirchenpatronsfest) noch zwei andere auf
Philippi und Aegidii; i. J. 1802 kam ein weiterer dazu, so dass im Ganzen 4 Krämermärkte
und 3 Viehmärkte gehalten wurden.
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