Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Tauberbischofsheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1898

DOI Seite / Zitierlink: 
https://doi.org/10.11588/diglit.1372#0191

DWork-Logo
Überblick
loading ...
Faksimile
0.5
1 cm
facsimile
Vollansicht
OCR-Volltext
170

KREIS MOSBACH.

Schlossthurra

Erker zu betrachten, deren spätere Entstehung übrigens auch aus dem mangelnden
Verbände von vornherein zu entnehmen gewesen wäre. Der kleine kirchliche Raum ist
i. J. 1693 mit einem unschönen Barock-Altar versehen und in neuerer Zeit auf das Ent-
setzlichste »restaurirt« worden.

Im Uebrigen bietet der ehemalige Palas nach den eingreifenden Umbauten der
neueren Zeit im Innern nichts Bemerkenswerthes.

Der südlich anstossende Bau stammt laut Inschrift (jetzt verschwunden) aus dem
Jahre 1493, ist aber im Aeussern und Innern völlig seines alten Charakters beraubt.
Nur die schönen weiten Wölbungen im Erdgeschoss noch vorhanden.

Auch die östliche Häusergruppe, die von jeher nur Wirthschaftszwecken gedient
haben wird und deren ältestes Gebäude (vielleicht der i. J. 1553 erwähnte Marstall) mit
hohem Staffelgiebel noch ins XIV. Jh. zurückgehen mag, erweckt weder bauliches noch
künstlerisches Interesse. An der Rückseite des genannten Hauses, die auf den am Mühl-
bach entlang laufenden Südzwinger schaute, springt ein Rurtdthurm mit steinerner Wendel-
stiege vor. Die Jahreszahl 1788 am Kellerthor bestimmt die Erbauungszeit des nördlich
anstossenden und bis zum Eckthurm (s. oben) reichenden schmucklosen Gebäudes.

In der Mitte des Schlosshofes erhebt sich der alte Schlossthurm (s. Fig. 47), das
Wahrzeichen der Stadt, im Volksmunde der Thürmersthurm geheissen und offenbar
der einzige noch auf die Zeiten der Gründung des Schlosses zurückgehende Bau. Auf
kreisrundem Grundriss (unten 28 m Umfang) steigt er mit nicht unbedeutender Ver-
jüngung auf eine Höhe von ungefähr 28 m bis zum Dachgesimse. Auf der Ostseite,
etwa 8 m hoch über dem Boden, der alte spitzbogige Eingang mit den zwei üblichen
Konsolen darunter. Der jetzige Eingang zu ebener Erde ist offenbar erst später ein-
gebrochen worden; sein Eselsrücken lässt auf das XV. Jh. schliessen. Von der Sockel-
schräge, die den etwas vorspringenden Fuss umzog, ist nur noch ein Rest sichtbar, alles
Uebrige abgeschlagen oder durch Putz verdeckt. Wegen Baufälligkeit zum Abbruch
bestimmt, wurde der Thurm sammt dem Schlosse, dem damals leiningischen Rentamts-
gebäude, i. J. 1850 um 12000 fi. von der Stadt erworben und restaurirt. Seit der Zeit
trägt er bis obenhinauf den Verputz, der ihm leider das alterthümliche Ansehen raubt.
Mit der hässlichen Dachhaube erscheint der Thurm schon auf unserem Plane von 1748
(s. Fig. 43).

Die kirchlichen Gebätide.

Pfarrkirche Die Pfarrkirche (tit. S. Martini) ist ein aus verschiedenen Perioden stammender

stattlicher Bau, über dessen Entstehung, mangels urkundlichen Materials (die vorhandenen
Kirchen-Rechnungen beginnen erst mit dem Jahr 1712), lediglich die Bauformen und
einige eingehauene Jahreszahlen Auskunft zu geben vermögen.

Dreischiff ige, flach gedeckte gothische Basilika mit platt geschlossenem, gewölbtem
Chor und nordöstlich daran gelehntem Thurm (s. Grundriss Fig. 50).

Als ältester Bautheil erscheint der Thurm an der Nordostecke des Chores.
Zunächst lassen nämlich sowohl seine ungewöhnliche Lage an dieser Stelle, als
auch das Ausladen seiner Nordseite über die Nordflucht des Chorbaues und die
seitliche Verschiebung des grossen östlichen (jetzt zugemauerten) Chorfensters aus der
Axe nach Süden zu unschwer erkennen, dass Chor und Thurm nicht gleichzeitig
 
Annotationen