Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Tauberbischofsheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1898

Page: 174
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I74 KREIS MOSBACH.

Einzelheiten kaum mehr erkennbar. Die Schlusssteine zeigen einen Blätterkranz
und eine Kreuzigung in Flachrelief. Seit der Vermauerung des hinter dem Hochaltar
befindlichen grossen, viergetheilten Masswerkfensters steigt die Rückwand des
Chores glatt, ohne jede Unterbrechung oder Gliederung auf. Welche Gründe zu dieser
Massregel gefuhrt haben, ist unbekannt. Der Zustand des Sprossen- und Masswerkes, das
heute noch von aussen innerhalb der Ummauerung deutlich sichtbar ist, mag als Haupt-
veranlassüng zu betrachten sein, vielleicht auch die Zerstörung der bunten Verglasung, nicht
an letzter Stelle aber wohl der Wunsch, die blendende Lichtquelle hinter dem Hochaltar
zu beseitigen. Eine nothwendige Folge war die Veränderung der beiderseitig zunächst
liegenden Seitenfenster. Man entfernte daraus die alte Pfostentheilung mit dem Masswerk
und verbreitete die Oeffhung fast auf das Doppelte, während die beiden andern, dem
Schiffe zunächst gelegenen gothischen Fenster unberührt blieben. Die moderne, bunte
Verglasung gibt dem Chor ein gedämpftes, wohlthuendes Licht von hinreichender
Helligkeit.

Im vordersten Joche links führt eine kleine Thür in die wohl beim Umbau von
1510 nördlich in der Ecke angebrachte schmucklose Sakristei.

Der Triumphbogen, der den gewölbten Chor von dem flachgedeckten Mittel-
schifftrennte, schliesst im Spitzbogen und ist an den Ecken abgeschrägt. Die Anfallslinie
der Schiffdecke über dem Triumphbogen liegt nur um ein Geringes tiefer als der Scheitel
des Kreuzgewölbes im Chor.

Die Mittelschiffwände steigen ungegliedert über den schwerfälligen Rund-
bögen der Arkaden auf, die auf niedrigen, 0,90 m breiten, plumpen Pfeilern ruhen.
Letztere wirken um so unglücklicher, weil i. J. 1804 bei der Restauration unter Pfarrer
Kunkel (vergl. Diöcesanarchiv XXIII, S. 132 Anmerkg.) der Fussboden des Langhauses
eine nicht unbedeutende Aufhöhung erfahren hat, wodurch die Kämpfergesimse der Pfeiler
etwa in Manneshöhe, zu liegen gekommen sind. Die Anordnung rundbogiger Arkaden
bei spätgothischen Bauten ist nicht ungewöhnlich (vergl. z. B. Külsheim), vermehrt aber im
vorliegenden Falle die gedrückte Wirkung der Bogenstellungen nicht unwesentlich. Die
beim Umbau des XVI. Jhs. hinzugefügten und etwas enger gerückten westlichen Spitzbogen-
Arkaden wirken viel besser und luftiger. Eine schwere Schädigung des Gesammteindruckes
bedeutet die oben erwähnte Zumauerung der innen sichtbar gelassenen gothischen Fenster
des nördlichen Lichtgadens (zu deren Ersatz später die gegenüberliegenden stillosen Süd-
fenster in doppelter Weite ausgebrochen worden sind) und zwar nicht allein wegen des
Anblicks der todten Fensterhöhlen, sondern auch wegen der dadurch herbeigeführten
grossen Ungleichheit in der Beleuchtung des Mittelschiffs. Die grösste Einbusse erlitt
die Gesammtwirkung des Schiffes jedoch durch die Verkümmerung des südlichen Seiten-
schiffes gelegentlich der Restauration i. J. 1730; die räumliche Bevorzugung der nördlichen
Abseite tritt in Folge dessen doppelt störend hervor.
"sSttung5 Sehr mannigfaltig und interessant ist die Ausstattung des Innern. Hinsichtlich

der in ihr erhaltenen Kunstschätze gehört die Stadtkirche zu Tauberbischofsheim zu den
reichsten des Landes.
Altäre Altäre.

Ueber die Geschichte der Altäre" und ihrer Benefizien handelt ausführlich der
erwähnte Ehrensberger'sche Aufsatz im Freiburger Diöcesanarchiv Bd. XXIII S. 123 ff.
Danach bestanden in der Kirche um dasjahri4oo fünf Altäre, die bis zum Jahre 1515
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