Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Page: 82
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82 KREIS MOSBACH.

VI. Römer und Compagnie.
Februar 1787 bis 1828.

Die Associe's machten im Februar 1787 bei der Regierung die lakonische Anzeige,
dass sie die Firma geändert hätten und fortan »Römer und Comp.« hiessen, welche
Mittheilung ohne weitere Nachfrage entgegengenommen wurde. Da keiner der Theilhaber
in Mosbach wohnte, wurde von nun an die Fabrik durch Factoren verwaltet. Nach
Lists Flucht geschah dies zunächst durch dessen Schwiegervater Rupp, der »Director«
genannt wurde und durch Factor Falck, welche Beide schon unter List in der Fabrik
thätig waren. Um den Weiterbetrieb zu ermöglichen, mussten von den Associes neuer-
dings bedeutende Summen aufgebracht werden, so dass sich der Gesammt-Aufwand
derselben auf 20000 fl. belief; trotzdem hatten sie »mit unsäglichen Widerwärtigkeiten
zu kämpfen«. Das aufgewendete Kapital, »wovon wir bis diese Stunde noch keinen
Heller Interesse, geschweige einigen Gewinn haben«, wie es in einem Bericht heisst,
war demnach schlecht angelegt. Es wurde besonders über geringen Absatz der Waaren
geklagt, welcher Missstand durch mangelhafte Durchführung der Sperre, die grosse
Konkurrenz, welche ausländische Fabriken machten und die Vorliebe des Publikums für
fremdes Geschirr, besonders englisches Steingut, verursacht wurde. Obgleich die Regierung
einsah, dass die Sperre wenig geeignet war, den Absatz der Waaren zu heben, wurde
17 91 das Einfuhrverbot auf die Bitte der Associe's — zum letzten Mal — erlassen.

Der häufige Verkehr zwischen dem Kurfürsten und der Fabrikverwaltung setzte
allmählich aus, was auf das hohe Alter Carl Theodors und dem Umstand, dass die Theil-
haber selbst finanzielle Opfer zu bringen vermochten, zurück zu führen sein dürfte.
Trotzdem war das im Februar 1799 erfolgte Ableben des Kurfürsten Carl Theodor für
die Fabrik ein bedeutender Verlust; denn sie verlor in diesem Fürsten nicht nur ihren
Begründer, sondern auch ihren stets hilfsbereiten Förderer und Gönner, der in den
ersten n Jahren ihres Bestehens 32000 fl. für dieselbe aufgewendet hatte.

Sein Nachfolger Max Joseph hatte in Bezug auf Fabriken, Monopole und Privi-
legien andere Anschauungen, die in den Forderungen einer neuen Zeit, in praktischen,
besonders finanziellen Erwägungen und in politischen Verhältnissen begründet waren;
daher konnte er der Fabrik nicht mehr das sein, was ihr sein Vorgänger gewesen war,
und manche Vorrechte und Vergünstigungen wurden der Fabrik entzogen: Die Gerichts-
barkeit der Fabrik wurde 1800 dem ordentlichen Richter unterstellt, die Chausseegeld-
freiheit 1801 aufgehoben und 1802 das Ausspielen der Waaren auf Märkten und Kirch-
weihen — das sogen. Scholterspiel — verboten. Die Land- und Wasserzollfreiheit
wurde aufgehoben, die Arbeiter der Fabrik wurden zum Frohnden angehalten.

Der Verlust der Vorrechte, insbesondere die Aufhebung des Monopolhandels war
für die Fabrik um so empfindlicher, als wegen der Kriegsunruhen der 90er Jahre des
XVIII. Jhs., der Handel gehemmt war. Auch verlor sie durch die Besetzung und Ab-
tretung des linken Rheinufers an Frankreich den besten Theil ihres Absatzgebietes,
da die Regierung dieses Landes hohe Zölle auf die Einfuhr fremder Waaren gelegt hatte.

Die i. J. 1803 durch den »Reichsdeputationshauptschluss« erfolgte Territorial-
veränderung berührte auch die Mosbacher Fabrik; denn Kurpfalz wurde aufgelöst, und
die Oberämter Mosbach und Boxberg fielen dem neu gegründeten Fürstenthum
Leiningen zu.
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