Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Seite: 138
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KREIS MOSBACH.

Tabernakel

Truhe

Altes Schloss

An der Nordseite der Kirche Kreuzigungs-Gruppe, der Inschrift am Kreuzes-
stamm und Sockel zufolge von dem Amorbacher Bildhauer G. F. Schmidt i. J. 1716
gefertigt, als Stiftung des Kurfürstlich Pfälzischen Leutnant Herrn Johann Krintz
und dessen Ehefrau Susanna Catharina. Renovirt und hierher versetzt im Mai
1858. Das Werk scheint durch die Restauration von seinem ursprünglichen Werthe
eingebüsst zu haben; wirkt jetzt charakterlos.
Glocken Von den Glocken ist die eine v. J. 1669, die andere neu.

Monstranz Im Kirchenschatz befindet sich eine schöne silberne Monstranz, 0,70 m hoch, mit

theilweiser Vergoldung, v. J. 1561 (s. Fig. 90). Der Aufbau ist leicht und graciös bei
reizvoller Detaillirung; das Figürliche dabei weniger gelungen, als die fein ciselirten
Ornamente. Bemerkenswerth für diese späte Zeit die rein gothische Formgebung. Vorn
daran hängend ein vergoldeter Henkelthaler v. J. 1593.

Im Pfarrhause hübsches Renaissance- Tabernakel von »1627« aus Eichenholz, einst
bunt bemalt, jetzt überstrichen. Stammt aus der Herbolzheimer Kirche.

Im Besitz des Dekan Götz befindet sich eine eiserne kleine Truhe oder Kassette
mit kunstvollem Deckel-Schloss und figürlicher Bemalung, der Tracht nach aus dem
Ende des 16. Jhs. stammend, dem Stile nach spätgothisch.

Das erwähnte alte, in kurmainzischer Zeit offenbar ansehnlich erweiterte und ver-
schönerte Schloss zuoberst im Orte weist nur noch unansehnliche Reste auf. Das meiste
ist abgerissen — so erst i. J. 1830 ein grosser Renaissance-Bau vorn neben der damals
ebenfalls abgerissenen obern Thor-Anlage —, auch die ehemalige Befestigung ist ver-
schwunden. Vom ehemaligen Hauptthurm steht noch ein Theil mit kräftigen Buckel-
quadern an den Kanten, etwa 7 m im Geviert messend, aufrecht, durch ein modernes
Satteldach verunziert.

Daneben ein altes Wohngebäude gothischen Stils, das bis vor kurzem noch
doppelt so hoch war, ehe es zum Speicher umgewandelt wurde. Noch sieht man im
Innern im I. und II. Stock einfache ornamentale Malereien an den Wänden mit den
Jahreszahlen 1590 und 1592. Der ehemalige Hauptsaal im IL Stock enthält gemalte
Fenster-Umrahmungen in flotter Spät-Renaissance. An der Thür hübsches altes gothisches
Beschlag. Der ganze Bau mag aus dem Ende des XV. Jhs. stammen. Ein schräg davor
gesetzter moderner Anbau enthält über der Thoreinfahrt ein altes kurmainzisches Wappen
in merkwürdiger Umrahmung mit Hundeköpfen.
Rathhaus Das Rathhaus (s. Lichtdruck-Tafel XIV) kehrt seine hohe Giebelseite dem stimmungs-

vollen Marktplatze zu und ist in der Mitte mit einem erkerartigen Vorbau versehen.
Laut Jahreszahl über der Kellerthür stammt es von 1586. Die spitzbogige Eingangsthür
liegt rechts an der Seite, Erker und linker Flügel sind im massiven Erdgeschoss durch
grosse Thoröffnungen durchbrochen. Die obern Stockwerke in Fachwerk mögen einst
Schnitzereien aufgewiesen haben. Die Figur des Ritters mit dem kurmainzischen
Wappen zuoberst auf dem Erkerdache stammt vom Schlosse.

Rechts davor am Markte ein hohes Fachwerkhaus von »1631«, unter dessen
Tünche ebenfalls reiche Schnitzereien zu stecken scheinen, ebenso an dem Giebelbau
schräg gegenüber v.J. 1624.
Brunnen Inmitten des Platzes steht ein Monumental-Brunnen aus Sandstein, der innerhalb

eines grossen von hoher Brüstung umgebenen Beckens einen Pfeiler mit dem kurfürst-
lichen Wappen und einer barocken Engelsfigur obenauf enthält. An einigen der altern
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