Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Seite: 156
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KREIS MOSBACH.

das schwerfällige Geräth nur sehr selten zur Verwendung gelangt ist. Am interessan-
testen daran ist die Abbildung des alten Schlosses am Stein mit der Kapelle — danach
das jetzige Stadtsiegel gefertigt —, die zwar keinen Anspruch auf Genauigkeit machen
kann, die Lage der Baulichkeiten am Felsrande aber wohl richtig wiedergiebt.

STOCKBRUNN

Weiler in der Gemarkung Neckarzimmern. Gehörte zum Ritterkanton Kraichgau
(Besitzung der Familie von Gemmingen-Hornberg), seit 1806 badisch.
Römisches Römisches'. Im Gewann »Hasselt«, ca. 400 m nordöstlich vom Stockbronner

Hof und etwas über 800 m hinter der römischen Odenwald-Neckar-Linie liegt schon
länger bekanntes römisches Mauerwerk, das durch die Untersuchung von Prof. Schu-
macher im Sept. 1893 (s. dessen Bericht in der Westdeutschen Zeitschr. für Gesch.
u. Kunst XV. 1896, p. 1) als einem römischen Landhaus, villa rustica, angehörig

erkannt wurde, ohne militärische Bedeutung,
die man wegen der Nähe des römischen
Grenzzugs anzunehmen geneigt war.

Das Hauptgebäude (s.Fig. 103), mit
Steinmauern von 70—85 cm Stärke, die im
Fundament und da und dort auch noch etwas
in aufgehendem Mauerwerk erhalten sind,

a E.______zeigt eine lange Halle (4,00 zu 18,30m im

s Lichten) (B), wahrscheinlich ursprünglich mit
Mörtelestrich - Boden, an welche sich südlich
ein Keller (C) anschloss. Seine Wände
waren weiss verputzt mit rothem Fugenstrich;
in die nördliche Seite waren drei Nischen ein-
gelassen; der Boden wurde durch einen sich
verästelnden Kanal nach aussen entwässert.
Zum Abstieg (c) in den Keller dienten nicht, wie
öfters, Stufen, sondern eine mit gestampftem
Lehm gedeckte Rampe. Von dem Raum D
am nördlichen Ende der Halle war wenig er-
halten; er scheint eine primitive Heizvor-
richtung besessen zu haben. Die beiden
bei E schlössen wahrschein-
An das-
selbe fügte sich gegen Westen ein grosser Hof (A) an, gegen Süden mit 3 Stütz-
pfeilern (a, a, a), innen längs der Westseite mit einem durch 4 oder 5 Holzsäulen
auf quadratischen Untermauerungen (b, b) gebildeten bedeckten Gang (F) und einem
südlichen Gelass (G) (Remise?), dem ein ähnliches (Gx) nördlich entsprochen haben

dürfte.

In der Nähe waren noch die Reste von drei kleinen Nebengebäuden (Stall,

Schuppen?) nachzuweisen. (W.)

StocKbroiva
Fig. IOJ

Grundriss eines römischen Landhauses Parallelmauern

lieh den Zugang zum Gebäude ein.
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