Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 5): Die Kunstdenkmäler des Kreises Lörrach — Tübingen u.a., 1901

Seite: 20
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20 KREIS LÖRRACH.

at Römische Reste. Martini a. a. 0. S. S3 vermuihet ein römisches Standlager in

Istein, wofür er sich auf eine Reihe von benachbarten Befestigungen u. s. f. beruft, die
diese Annahme zwar einîgermassen wahrscheinlich machen, aber nicht beweisen können.
Mone (Z. XVII 395) hat als Indication römischer Besiedelung aus Urkunden die
Bezeichnungen 'der Muren- oder Monspfad, Reben in den Muren, Aecker in den Stein-
muren im Wachsenthal, derKeerweg gegen den Rhein zu, Berain von 1588, Weinberge
in den Grebem, 1574' citirt und sieht in dem 'Keerweg' (Verderbniss fiir 'Heerweg') die
am Rhein hinziehende alte Römerstrasse. Kaum einem Zweifel kann unterliegen, dass
der 1 km nördlich vom Orte gelegene Isteiner Klotz einen römischen Signalthurm trag,
obgleich auch hier ganz zweifellose römische Reste nicht erwähnt werden, und die
eisernen Ringe, welche in der Bucht des Klotzes gefunden wurden, zwar auf einen uralten
Landungsplatz deuten, aber auch dem Mittelalter angehört haben können.

In der alamannischen Periode darf man dem vorspringenden Punkt, welchen der
'Klotz' beherrscht, sicher in den Kämpfen der Zeit eine Bedeutung beilegen, wie sie
V. v. Scheffel in seinem 'Hugideo' unterstellt. Man nimmt dann an, dass in Istein
sehr früh ein fester Rittersitz begründet wurde, der bald nach 1100 mit seinem Berg-
schloss und dem darunter liegenden Fronhof sammt den Dörfern Istein und Huttingen
Eigenthum des Basler Hochstiftes wurde. Von den Basler Bischöfen wurde dann wohl
die S. Veilskapelle auf dem 'Klotz' und 1205, durch B. Luthold von Rötteln, ein
Cistercienser-Frauenklösterlein zu Unserer Lieben Frauen am Rhein gegründet. Erwähnung
1352 (sanctimoniales in Ystein, K.).

Die alte Kirche trug den Titel S. Michaelis archang., erw. 1275 plebanus in Istein
in decanatu Wisental.

Die neue Kirche besitzt einen Kelch, gute Barockarbeit des 18. Jhs., am Fusse
Madonna mit Scepter und Blumenornament (Patronin des Basler Domstifts). — Spät-
gothische Stickerei, Ueberzug eines Kästchens, mit Jesus und Maria.

ImPfarrhause zwei Schränke mit guten Rococomalereien (18. Jh.), ebenso zwei
gute Oelgemälde, Porträt eines Basler Domherrn Franz Xav. Harder, des Stifters der
erwähnten Schränke.

Neben dem Pfarrhofe eine barockeSteinskulptur, Stationsbild von dem alten
Kirchhof.

Sek loss und Kapelle auf dem Klotz (Castnim feodum in Istein 1306, 1329 ; die
veste Ystein 1386, theoloneum in Istein 1340; ze Istein in der bischoffs ze Basel vesti
1363). Dienstadel erwähnt (1265). Martini glaubt (a. a O. S. 84), dass das Bergschloss
auf dem Klotz, dessen in der päpstl. Bestätigung des Fronhofes von 1139 noch keine
Erwähnung geschieht, erst später, etwa im 13. Jh., in den Besitz des Hochstiftes über-
gegangen sei. Als Sitz des Domkapitels den Baslern verhasst, wurde die Veste 1372 von
diesen eingenommen, gelangte aber drei Jahre später wieder in den Besitz des Bischofs,
1383 übernahm sie Ymer von Raustein von dem spätem Bischof Werner Schaler für
3000 fl. zum Pfand, welcher sie dann an Erzherzog Leopold von Oesterreich gab. Von
ihm empfing sie Burkard Mönch der Jüngere von Landscron, unter der Bedingung, dass
die Burg stets für Oesterreich offen sein solle. Sie ward dann 1409 von den Baslern
bestürmt, in dem Frieden von Ensisheim 1411 denselben überlassen, abgebrochen, die
Quadern nach Basel abgeführt und zum Bau des Riehener Thors verwendet (vergi.
Wurstisen IV 13). Den Wiederaufbau der Burg hat die Stadt auch späterhin verhindert.
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