Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 5): Die Kunstdenkmäler des Kreises Lörrach — Tübingen u.a., 1901

Page: 120
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120 KREIS LÖRRACH,

d.. Stadt Müllheini im Jlarkgräflerland mit vielfacher Berücksichtigung der Umgegend.
Mit fünf Abbildungen. Mltllh. 1887. — Ders., Archivalien aus den Orten des Amtsbez.
Müllheim (Z. NF. I-).

Prähistorisches: Beim Umgraben eines Feldes auf dem Rücken des Reppen-
hags stiess man 1892 auf eine Bestattung aus der Bronzezeit mit Skelettresten
einer jugendlichen Person, Beigaben von Bronze (zwei hohle Armringe, eine Fibel und
andere Schmuckstückchen), ein Eberzahn an einem Bronzeringehen, zwei Bemsteinperlen,
zwei durchbohrte Kieselsteine und Splitter von rothem Jaspis und Feuerstein. (W.)
a Sievert sucht den römischen, ja sogar den vorrömisch-keltischen Ursprung der

Stadt wahrscheinlich zu machen und beruft sich für letzteren auf Befestigungen wie den
Ringwall auf dem Stockberg, die Veste auf dem Kastelberg u. s. f. Glaubwürdiger ist, dass
eine von Badenweiler an den Rhein, vermuthlich zu dem Rheinübergang bei Neuenbürg
führende Strasse im Klemmbachthale über das Terrain des jetzigen Müllheim geführt
habe, wo öfters rniuisdic 'Mììuzcu ja-funden wurden, (lünsinger No. 80. — In den
Akten des Gr. Ministeriums d. d. 1823, Juli 10. ist ein Bericht vorhanden über zwei
römische Kupfermünzen, welche in Müllheim gefunden wurden und deren eine den Kopf
des Domitian oder (?) Nero trug. — Vergi.: zu grebern 14. bis 15. Jh. bei Mone
Urgesch. I 215; uf die Hochstrass zû Rin 15. Jh. [eb. I i4S]0

Im Mittelalter geschieht der Villa Mulinhaimo zuerst 758, Oct. 27. in der Traditio
Strachiridi (Neugart Cod. dipi. I 28 No. 22) an S. Gallen Erwähnung, dann 805. Als
Bestandteil der Herrschaft Badenweiler hatte es gemeinsame Schicksale mit dieser; erst
1698 erhielt es Marktgerechtigkeit, erst 1810 wurde es zur Stadt erhoben. Es erklärt
sich daraus, dass der Ort einen sehr geringen monumentalen Charakter hat.

Von kirchlichen Stiftungen besass bzw. besitzt Müllheim:

Die alte Pfarrkirche (in Obermüllheim) erwähnt s. 12Ó6 (plebamis in Mülnhain
1266; in decanatu Fiurbach 1275, Küche ze Miilnheim 1829; in decanatu Rudelikon
eccl. Mulnhain est quartalis 1324; eccl. Mulhein cum Elia in MJulnein inferiori in decanatu
Nüwenburg zw, 1360 bis 1370. Lib. marc).

Die alle S. Martinskirche in Obermüllheim (Sievert S. 446), ein sehr einfacher
Bau des 15. Jh., nach Martinis Vermuthung nach dem Schweizerein6JJ von T409 erbaut,
welcher wahrscheinlich die ältere Kirche vernichtete. Am besten erhalten ist der über
der Westfront stehende sechsstöckige Thurm, der mit einem Pyramidal dach gedeckt ist
und dessen oberstes Stockwerk an allen vier Seiten zweigetheilte spätgothische Fenster
mit Fischblasenmasswerk zeigt. Auch der Chor (3/e) und die Nordmauer des Schiffes
zeigen in ihren Fenstern und in der spitzbogigen Thüre die Formen des r5- Jhs. Das
um 1500 verfasste 'Seelbuch' nennt ausser dem Hochaltar vier andere, welche bei der
Reformation entfernt wurden. Schon 15Ó4, dann 1619 waren gründliche Reparaturen
nothwendig; 1644 erhielt die Kirche drei neue Glocken, 1695 einen neuen Thurmknopf,
1684 den jetzt (t88i) in die neue Kirche übertragenen Taufstein, 1719 ihre Orgel.
Im Jahre 1728 wurde das Innere der Kirche ausgeweisst und dabei die noch sichtbaren
Reste alter Wandgemälde übertüncht. Die Sakristei ist von 1744. Das Dach trägt noch
einige alte grüne Ziegel Im Jahre 1846 wurde der Neubau einer Kirche beschlossen,
welche endlich «88r bezogen werden konnte. Seither dient die ehemalige Martinskirche
gewerblichen und landwirtschaftlichen Zwecken. Im Jahre 1883 wurden Grabsteine
aufgedeckt, deren zwei (aus dem 17. Jh.) an der Nordseite des Schiffes angelehnt sind.
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