Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 5): Die Kunstdenkmäler des Kreises Lörrach — Tübingen u.a., 1901

Seite: 139
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RHEINWEILER

Schreibweisen: Villa que vocàtur Riiwillere 1097; Rinwilere 1102.

Litteratur: Fecht Amtsbez. Müllheim S. 21.

Der Ort gehörte 1098 S. Alban in Basel, team 1113 an S. Blasien, 1333 an Bargelli,
dann an die von Kamstein, und von diesen durch Kauf 14.17 bzw. 1434 mit Bamlach an
die von Rotberg, zuerst als Reichslehen, seit dem 18. Jh. als österreichisches Lehen
(Badenia 1864). Die Familie von Rotberg soll seit 1516 hier ansässig sein; Spater theilte
sich die aus reichsun mitte! bare m zu österreichischem I.;mdsassenade] gewordene Familie
m drei Zweige: den Hertinger (starb 1766 aus), den Bamlacher (starb 1795 aus) und
den noch blühenden Rhein weilerer, welcher in der protestantischen Linie zu Rheinweiler
und in der katholischen zu Bamlach (s. d.} fortlebt.

Prähistorische Reste. Auf dem Gelände des Freiherrn von Rotberg, zunächst
des Rheins auf der einen Wasserscheide, dem höchsten Punkte der Gemarkung, stiess
man im Sommer 1889 in 50 his 60 cm Tiefe auf ein Urnengräberfeld mit Thon-
geiassen, welche die Form und die Verzierungen unserer Urnenfelder aus der Bronzezeit
zeigen. Dieselben wurden 1900 der Grossh. Staatssammlung überlassen.

Ein r882 östlich vom Ort gemachter Grabfund mit einem Skelett und Glasperlen und
Muscheln (?) an einem liron/edyahl dürfte alamannischen Ursprungs gewesen sein. (W.)

Römische Reste. Spuren der Römerstrasse, welche von Basel rheinabwärts lief,
findet Mone (Badenia 1864, I 32) in dem in einer S. Blasianischen Erneuerung von
1559 erwähnten 'Hochstrass', ebenso bei Bamlach i66r ; in rheinweilerischen Akten fand
er 'das Hoch- oder Römersträssle'.

Kapelle. Eine Pfarre bestand hier im 13.7h. (Reinerus de Rinwile plebanus 1258
Z. II 197; Plebanus de Rinwile 1269 Basi. U. I 281; ecclesia Rinwile 1275 Lib. dec;
1360 bis 1370, Lib. marc. FDA. V 88). Später erscheint eine S. Nikolauskapelle als
Filiale von Bamlach. Die jetzige Kapelle ist ein einfacher spätgotischer Bau, das Schiff
flachgedeckt. Der aus drei Seiten des Achtecks geschlossene Chor hat zwei vorgelegte
Joche; an den zwei Schlussstcmen /,wei grosse Wappen (Rotberg und Baden) mit
anscheinend alter Poiych rami rung. Westportal mil 'allenirei Lêndem Stabiverk.

Neben der Kapelle ein Rococo-Eisengitter aus dem Elsass (angeblich aus
Sierenz, Familie von Waldner).

Fundamente des alten Schlosses und Reste des Zollthores am Rhein,
wo vor 60 oder 70 Jahren noch ein Thttrm stand. .Man bemerkt noch die Umfassungs-
mauern des Gartens.

Am Rhein sehr altes Haus {15. Jh.).

Schloss der Freiherrn von Rotberg, einfacher Bau des 17. Jh.

An der Rheinseite des Nebenbaues einige Steinskulpturen, aus Kleinkembs
hergebracht:

1) Epitaph des Freyh. Jacob von Rotberg, Herrn zu Rheinweiler, gest.
1666. Barockumrahmung mit Allianzwappen (Rotberg und drei Windhunde, dem Wappen
der Geldrich von Sigmarshofen, aus welchem Geschlecht Jakobs Gattin Maria Elisabeth
stammte, s. Kindler v. Knobloch, Oberbad. Geschlechterbuch I 430) mit vier
Ahnen proben.
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