Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 31
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AMT BREISACH. — BREISACH.

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Wandflächen und dreimal sich verjüngende von Fialen bekrönte Strebepfeiler, um welche
sich die tief unterschnittenen Gurten und Gesimse herumkröpfen, nehmen an den Ecken
den Schub der Gewölbe auf. Ueber den schlanken Fenstern und unter dem tief kehligen
Uachgesims geben kleine, an den Kanten abgeschrägte, viereckige Fensterschlitze dem
hohen Dachraum Licht, der sich westlich nach dem Langhause zu an einen über dem
Triumphbogen errichteten Mauergiebel anlehnt.

Der Erdgeschossraum des Chorbaues ist ähnlich jenem der Sakristei als Krypta Unterkirche
ausgestaltet und von aussen durch sieben Arkaden zu betreten, deren kräftig durch ein-
fache Absätze und Schrägen profilirte Spitzbogen auf gedrungenen Pfeilern aufruhen, mit
reich und vorzüglich gearbeiteten Blattkapitälen, die jedoch in späteren Zeiten theilweise
eine Ueberarbeitung und Abmeiselung erfahren haben. Den polygonen Innenraum über-
deckt ein ringförmiges Sterngewölbe, das von einem dicken, runden Mittelpfeiler ohne
Kapital getragen wird und dessen Rippen an der Rückwand auf mit Blattwerk verzierten
Konsolen, an den Aussenpfeilern auf vorgestellten Dreiviertelsäulchen mit guten Blatt-
kapitälen und einfachen Sockelschrägen aufsitzen. Als Schlusssteine in den 10 Gewölbe-
feldern dienen runde mit Blattornament gezierte Platten die von je drei schwebenden
Engeln gehalten werden. {Fig. 11.)

Die ganze Ornamentation und Ausführung dieser bei der Chorweiterung durch das »
steil abfallende Gelände nöthig gewordenen Anlage zeugt von vorzüglichem Geschmack,
sowie ausgezeichneter Schulung und muss mit zu dem Besten gerechnet werden, was aus
der gothischen Zeit uns in Breisach erhalten ist.

Als Material zu den Bruchsteinmauern der ältesten Bauperioden diente das Material
Dolorit und Basaltgestein des Breisacherbergs selbst oder des Kaiserstuhls, das dann
vielleicht von Achkarren beigefühxt wurde. Zu den Architekturtheilen benutzte man in
frühester Zeit Tertiärkalk, wie er bei Riegel vorkommt, oder Kohlensandstein aus den
Brüchen von Steinbach, Diersburg oder Badenweiler und schliesslich auch noch sogenannten
Vogesensandstein.

Für die feineren Arbeiten der gothischen Periode ist Buntsandstein verwendet, der
zu Thennenbach und bei Schlierbach bei Freiburg gebrochen, auch zum Freiburger
Münsterbau gebraucht wurde.

Das romanische Umfassungsmauerwerk ist grösstentheils mit sogenannten 'ge-
richteten Steinen' hochgeführt, heute aber zumeist mit einem alles verdeckenden und
ausgleichenden Spritzbewurf überzogen, da wohl bei der Restauration die Aussenflächen
des vulkanischen Gesteins von der Witterung bereits zu sehr angegriffen zu sein schienen.
Die Bauten der gothischen Zeit, der gesammte Chor und der Westbau theilweise sind
in wohlgefügtem Quadermauerwerk errichtet; doch hat auch hier Cement und Putz der
Restauration vielfach das alte Aussehen verwischt. (Fig. 12.)

Betritt man das Innere des Münsters von Norden durch die Pforte des Querhauses, inneres
so gelangt man zunächst in den Ostbau, der die Verbindung zwischen dem Chor und
dem dreischiffigen Langhaus herstellt. Seinen Grundriss bilden drei Rechtecke, von
denen das der Vierung und das nördliche (beide beinahe quadratisch) einander gleichen,
während das südliche auch in den Umfassungsmauern heute nicht mehr winkelrecht um
fast ein Drittel weniger breit erscheint.

Nach Osten sind zu beiden Seiten des Chors zwei in der Viertelskugel überwölbte
Conchen vorgelegt, die in unprofilirten Rundbogen nach den seitlichen Theilen des
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