Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 512
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KREIS FREIBURG.

Taufsteine
Holzrelief

Seiten altäre
Dreisitze

Chorgestühl

Holzgitter

Kommunion-

baokgitter

Orgel

Wendeltreppe

Thürh ander

Stationsbilder

Statuen
Beichtstuhle
Kirchenbänke

zeichen, die das verkröpfte Gebälk stützen,-vergoldete Reliefs, Christi Lehrthätigkeit
schildernd■; an der Rückwand der Kanzel das Pfingstfest. Der von zwei Engelshermen
mit naturalistisch bemalten Körpern getragene Schalldeckel trägt die Gestalten der vier
Kirchenväter in charakteristisch bewegten Barockposen, oben in bauschigen Gewändern
die Gestalt Christi. Die Reliefs sind nicht sehr fein ausgeführt,, besser die Gestalten
der Kirchenväter, das Ganze sehr wirkungsvoll. Einfache Barocktauf steine, lieber
dem einen das buntbemalte Holzrelief der Taufe Christi in sehr originellem Rahmen,
der aus wasserspeienden Delphinen, aus Muscheln und Rocaillewerk besteht, aus welchem
wiederum Wasserstrahlen herauskommen und kaskadenartig herunter fliessen. Diese
Kaskaden sind versilbert, die andern Theile des Rahmens vergoldet, lieber dem andern
Taufstein auf der gegenüber liegenden Seite in gleichem Rahmen ein ebenfalls bunt
bemaltes Relief: König David in einer Halle knieend, in der oben ein Engel erscheint.
Der Hochaltar in üblichem, aber flotten Barocksäulenaufbau, mit Statuen und guten
Rocailleverzierungen, aber geringem Gemälde, das sich auf die Legende der h. Margarethe
bezieht. Vier geringere Seitenaltäre im gleichen Style.

Im Chor auf beiden Seiten je ein Dreisite mit marmorartig bemaltem Rocaille-
baldachin. Vor den einen ist jetzt ein Altartisch gestellt, auf dem geringer Rocaille-
crueifixus steht. Ein recht wirksames Werk der gleichen Zeit ist dagegen das Chor-
gestühl, wenn auch im .Einzelnen etwas roh, das die Thüren der Sakristeien in seinen
Verband hineinzieht. Hübsch auch das Holzgitter an den Emporenlogen des Chors.
Das Kommunionbankgitter ist eine treffliche, schmiedeeiserne Arbeit desselben Styles, in
dem auch die verhältnissmässig einfache Orgel ausgeführt ist, sowie die zur Orgelempore
emporführende Wendeltreppe mit ihrem geschnitzten Gehäuse. Noch sei auf die etwas
rohen, aber in der richtigen Entfernung sehr wirkungsvollen Thürbänder an den drei
Thüren hingewiesen, sowie auf die geschmackvollen, einfachen Rahmen der ganz unbe-
deutenden Stationsbilder; an den Pfeilern' der Kirche grosse, geringe Stuckstatuen der
Apostel; alles, wie auch die nicht schlechten Beichtstühle und die Kirchenbänke,
Arbeiten der gleichen Zeit. (Wth.)

Im Thurme hängt bei dem sonst neuen Geläute eine Glocke aus dem 16. Jh., die,
mit den Bildern der Mutter Gottes in Strahlenmandorla und der h. Margarethe in
hohem Relief geziert, folgende unregelmässig in gothischen Minuskeln geschriebene
Inschrift zeigt:

ofana ■ fytiä • iclj • m • imfer lieüen fronen ■ unb • fant margareten • er
fit - man • mic§ • baä • ungeinibter • betbrew - id& ■ meifrer jerg ■ 5" ■
[trapurg goä • micö • im m • ttttc ■ Xllll • jor • W

Von Paramenten und Cultgegenständen sind zu nennen: zwei Leviten-
stücke, zwei Rauchmäntel, ein Messgewand mit guten alten Quasten, ein Ciborium aus
Kupfer, ein Pluvialschioss aus Silber mit Wappen und J. v. 1625.

Margaret//enstift. Die Stiftung des Klosters wird auf Herzog Burkard von Ale-
mannien zw. 912 bis 920 zurückgeführt (veneranda virgo Margareta, cuius in villa
Waltchirecha memoria est, Vita post. s. Udalrici prioris Cellensis, SS. XII 266; vergl.
Dipl. Ottos III von 994 MG. Dipl. II 569): erste urkundl. Erwähnung 926 (monasterium
quod vocatur Waldkircha, 926, aber Cop. n. Jh., Grandidier Hist. d'Als. I, CX};
Dipl. K. Ottos III 994, Dez. 22. {monasterium Vvaldkirich nominatum, in honore s. dei
genitricis Marie sanetaeque Margaret^ virginis construetum in usum puellarum inibi sub
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