Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

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AMT LAHR. — FRIESENHEIM. 35

Erlöschen der Tiersberger gefallen ist.1) Daraus ist es wohl zu erklären, dass der Ort

den beiden Linien Hohengeroldseck und Lahr-Mahlberg gemeinschaftlich zustand. 1503

kam Fr. an den Markgrafen Christoph von Baden »zu ewigem Kauf und zu rechtem,

stetem Eigenthum«. 1529 machten sich hier Wiedertäufer bemerkbar. Am 8. August

1638 wurde F. von den Schweden niedergebrannt. — Die Klöster S. Ulrich im Breisgau,

Ettenheimmünster, S. Arbogast zu Strassburg, Gengenbach, ausserdem verschiedene

Geschlechter des Elsasses und der Ortenau hatten hier Besitzungen.

Vorgeschichtliches: Die städt. Sammlung in Freiburg i. Br. bewahrt von dort vorgeschicht-
liches
einen Halsring von Bronze mit aufgedrückten Schildchen und 3 Schüsselchen zu

eingelegten Glasflüssen, ferner Fragmente eines hohlen und eines derben Armrings

von Bronze (La Tene-Periode), gef. 1828. fW.J

Simultankirche (ad S. Laurentinm). Fr. cum ecclesia 1136. Fridericus rector Simultankirche
ecclesie in F., schon 1272 erwähnt. 1290 inkorporirte Bischof Konrad zu Strassburg
die Pfarrei dem Kloster Schuttern und erlaubte demselben, wenn der derzeitige Pfarr-
rector sterbe, seine Stelle künftig nur mit einem Vikar zu besetzen. 1320 erfahren wir
von der Weihe eines Altars des h. Stephan. Der Thurm der Pfarrkirche wurde 1496
von der Gemeinde erbaut.J) Mit der Reformation der Herrschaft Mahlberg wird auch
hier die neue Lehre eingeführt; erst 1628 sandte Schuttern wieder einen katholischen
Pfarrer.

Der jetzige Bau zeigt ein Barocklanghaus und den älteren Thurm (s. o.), der aus Thurm
Bruchsteinmauerwerk errichtet ist mit Bossenquadern an den Ecken der beiden unteren,
mit glatten Quadern an denen der oberen Stockwerke. Im untern sind im 18. Jh. grosse
Rundbogenfenster eingebrochen worden, das zweite Stockwerk hat Lichtluken, das dritte
nichts, im vierten noch die spitzbogigen gothischen Fenster mit fiamboyantem Masswerk,
der jeweils eine Pfosten überall weggebrochen. Unter dem Dach des jetzigen Langhauses
sieht man am Thurm noch die Ansatzspuren des früheren. Im Erdgeschoss des Thurmes
'Kreuzgewölbe mit trocken profilirten Rippen auf gefalteten Konsolen, ein gedrückter,
einmal abgetreppter Spitzbogen führt in das Langhaus. Dieses, im Aeussern schmucklos, Langhaus
hat im Innern ein flaches Spiegelgewölbe mit einschneidenden Kappen auf einfachen
Wandpilastern. Deckengemälde mit der Auferstehung Christi. Unter der Empore ein
solches mit der Austreibung der Wechsler; hier die Bezeichnung »J. G. Nussbaumer pin.«

An dem Südportal der Kirche, das die beliebte Scheinquaderung aufweist, die
Jahreszahl 1768.

Barock-Hochaltar mit einbezogenen Sakristeithüren. In der kath. Sakristei Kirchen- Hochaltar
geräthe: Wein- und Wasserkännchen mit Tablette, Silber getrieben, feine Rocaillearbeit Kirchengeräthe

I G

mit dem Augsburger Beschauzeichen, darunter C und „ ; Monstranz in der Sonnen-

F T
form, Silber, vergoldet, getrieben, Augsburger Zeichen und . r (Rosenberg Nr. 358?);

ein Kelch aus Kupfer vergoldet und getrieben, mit Bandomamenten vom Anfange des
18. Jhs.; ein weiterer, Silber vergoldet und getrieben, mit Rocailleornamenten, gute
Augsburger A:beit, Meisterzeichen I • C • B •; in Silber getriebenes Rauchfass, Mitte des
18. Jhs. und einfachere Barockholzleuchter. Ausserdem eine nicht schlecht gearbeitete
Holzstatue der Immaculata, etwa vom Ende des 18. Jhs. , Hokstatue

*) Ruppert a. a. O. Seite 274.

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