Wingenroth, Max ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 7): Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg — Tübingen, 1908

Seite: 523
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AMT OFFENBURG. — ORTENBERG. (KAPELLE AM BÜHL WEG.) 523

KAPELLE AM BÜHLWEG

(auch Käfersberg genannt)

Literatur: W. Störk, Die Wallfahrtskirche Maria Ruh im Bühlweg bei Ortenberg.

Die Kapelle (ad S. Bartholomaeum) gehörte zur Pfarrei Offenburg. In dem Bericht
des dortigen Pfarrherrn Lazarus Rapp über seinen Sprengel an den Bischof von Straß-
burg heißt es: »In der Kapelle unserer Frauen zu der Ruh an dem Buhlweg bei Orten-
berg, welche mit Consens des Herrn Ordinarii Kurfürstl. Pfalz als damaligen Inhabers der
Pfleg Ortenau und Herrn Heinrici de Sachs des Kirchherrn jedoch in Allem mit Vor-
behalt der pfarrlichen und der Mutterkirche Gerechtigkeiten erbaut wurde anno 1497,
geschehen im Jahr 2 Predigten auf Bartholomä des heil. Apostel tags mit einem gesungenen
Amt und 2 gesungenen Vespern und es wird allda, so oft jemand stirbt und dies
angezeigt wird aus Ortenberg, Käfersberg, Fessenbach eine Seelenmesse sammt einer
Leichenpredigt, wie auch an diesem Ort alle 14 Tage die Kinderlehre gehalten«. Als
der Pfarrherr i. J. 1616 diesen Bericht schrieb,1) da waren Bestrebungen im Gange, die
Kapelle zur Pfarrei zu erheben; damals gelang es ihm noch, dieselben hintanzuhalten.
1787 aber erfolgte die Lostrennung von Offenburg und die Erhebung zur Pfarrei, die im
Anfang des 19. Jhs. nach Ortenberg verlegt wurde. Seitdem ist die Kapelle Filiale von
Ortenberg.

Die Kapelle ist ein Bau des ausgehenden 15. Jhs. Ein einschiffiges, kleines Lang-
haus von 11,72 zu 7 m, das sich in einem Spitzbogen zum quadratischen Chor öffnet;
an diesen anstoßend die Sakristei. Letztere ist noch mit der alten, flachen, einfachen
Stabdecke versehen. Auch der kleine Dachreiter stammt noch aus der Zeit der
Erbauung, wenigstens in seinem Unterbau. Seine Spitze hat er im 18. Jh. erhalten, in
dem überhaupt eine Erneuerung des Kirchleins stattfand Chor und Langhaus erhielten
Barockstuckdecken, von denen die im Chor erhalten, während sie im Langhaus bei
der, Renovation in unserem Jahrhundert durch eine Stabdecke ersetzt worden ist.
Geradsturzige Fenster mit einem abgefasten Pfosten erhellen das Langhaus, ebensolche
im Chor. Die wohl im 19. Jh. erst vorgelegte hölzerne Vorhalle wirkt nicht unglücklich
und trägt bei zu dem malerischen Anblick des auf der Höhe der Rebhügel liegenden
Kirchleins.

Von der ursprünglichen Innenausstattung ist noch eine Holzstatuette der Pietä Innenausstattung
erhalten, die jetzt auf dem Hochaltar steht, ein neu gefaßtes, tüchtiges Werk der Spätgotik.
Der Hochaltar, in der üblichen Barockausgestaltung mit Säulen u. a., umschließt ein
Ölgemälde (s. Fig. 293), ein ja wohl etwas süßliches, aber sympathisches und gut gemaltes Ölgemälde
Werk des 18. Jhs. Die schlichten Seitenaltäre in entsprechendem Stil. Auf dem einen
von ihnen die Barockstatue des h. Bartholomäus (Holz). Die Glocke der Kapelle ist von Glocke
Mathäus Edel in Straßburg gegossen.

Bei Restaurationsarbeiten i. J. 1903 wurden eine Anzahl Wandgemälde im Chor Wandgemälde
und im Langhaus aufgedeckt sowie die Spuren der vollständigen, dekorativen Bemalung
des Innern. Diese Werke wurden unter der Leitung des Konservators der Baudenkmale,
Oberbaurat Kirch er, und der Erzbischöflichen Bauinspektion durch den Kunst-
maler Th. Mader restauriert.

*) Walter, Bericht des Kirchherrn Lazarus Rapp a. a. O.
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